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Mehrerau: "Rückzieher" des Anwalts sorgt für Ärger

Missbrauchs-Vorwürfe gegen Kloster Mehrerau vor Gericht.
Missbrauchs-Vorwürfe gegen Kloster Mehrerau vor Gericht. ©VOL.AT/Philipp Steurer
Bregenz - Ursprünglich schenkte das Kloster dem Missbrauchsopfer Glauben, jetzt ist alles anders.
Mehrerau-Prozesse vertagt
Mehrerau: Vorwürfe sind nicht neu

Ende der 60er-Jahre soll der 14-jährige Schüler von einem Pater vergewaltigt worden sein. Drei Jahre lang lebt der heute 75-Jährige Pater seine Perversionen angeblich aus. Bislang glaubte das Kloster dem Opfer. „Man ist an einer lückenlosen Aufarbeitung interessiert“, hieß es. Doch nun hat zumindest der Anwalt des Stifts seine Meinung geändert. „Wir halten die Ausführungen des Klägers, dass es einen Missbrauch gegeben hat, für unglaubwürdig“, verkündet Bertram Grass im Prozess am Donnerstag. Dem Gesichtsausdruck von Abt Anselm van der Linde nach zu urteilen eine Umkehr, die zumindest menschlich höchst fragwürdig ist.

Opfer “unglaubwürdig”

Das 58-jährige Opfer, dessen Auftritt vor Gericht etwas schräg sein mag, ist entrüstet. Was hat den Anwalt zu dieser Umkehr bewogen? Auf Nachfrage erläutert er, dass der betreffende Pater in einer Einvernahme eine Reihe von Opfern angegeben hätte. Der Kläger sei nicht dabei gewesen. „Der Pater gab vier oder fünf Namen an. Die gesicherte Zahl der Opfer liegt bei 14 und die Dunkelziffer bei 30“, kontert Klagsvertreter Sanjay Doshi.

Der zweite Grund, warum Grass den Missbrauch anzweifelt, ist, dass das Opfer den einstigen Internatsleiter und Biologielehrer regelmäßig besuchte und sich von ihm sogar trauen ließ. „Das unterstützt unsere Argumentation, dass das Opfer seine Erlebnisse so effektiv verdrängte, dass es den Mann immer noch schätzte und mochte“, so Doshi. Viele Missbrauchsopfer pflegen lange Zeit ein inniges Verhältnis mit ihren Peinigern, weil sie zum Überleben den schlimmen Teil jenes Menschen so ausblenden, dass nur noch der gute übrig bleibt. Wenn sie etwas „wachrüttelt“, ist der quälende Teil wieder in voller Dimension präsent. Ob es sich bei dem 58-Jährigen so verhält, soll ein Psychologe klären.

Doshi findet die Haltung des Klosters „scheinheilig“. Schließlich wolle man nicht einmal sagen, wo sich der mutmaßlich pädophile Pater aufhält. Wenn man ihn findet, ist fraglich, ob der angeblich Suizidgefährdete erscheint. „Aber behaupten, es gab keinen Missbrauch – hier geht Täterschutz vor Opferschutz“, ärgert sich Doshi.

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