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Mehr Zeit für Schneemänner

Bludenz - Er sieht sich nicht als "Ärmster unter den Armen". Andreas Schnetzer ist weit davon entfernt, über sein Gehalt als Spitalsarzt zu jammern.

Deshalb stört es ihn, dass sich die Diskussion um den Fachärztemangel in den Krankenhäusern fast ausschließlich auf das Einkommen reduziert. „Es geht auch um Lebensqualität“, betont Schnetzer. Zeit für die Familie. Zeit für gemeinsame Unternehmungen. „Das“, so meint der am LKH Bludenz tätige Internist, „zählt weit mehr als ein Hunderter zusätzlich“. Er bezeichnet sich selbst als Spitalsarzt aus Leidenschaft. „Gerade in einem so kleinen Haus ist die Arbeit interessant und abwechslungsreich“, sagt Schnetzer. Auch die Kollegialität innerhalb des Teams mache es einem leicht, zu bleiben und die täglichen Belastungen besser zu bewältigen. Ärzte haben nämlich eine 58-Stunden-Woche. „Das heißt, wir arbeiten von vornherein 120 Prozent“, verdeutlicht der Oberarzt. Man sei zwar bemüht, die Überstunden nicht gänzlich auszuschöpfen. Doch aufgrund der angespannten Personalsituation gehen sie meist zur Neige. Dazu noch fünf bis sechs Nachtdienste, von denen mindestens zwei auf das Wochenende fallen. „Es kommt also einiges zusammen“, resümiert Andreas Schnetzer. Er tut es ohne Bitterkeit. Jeder wisse um die Anforderungen in einem Krankenhaus.

Wachgerüttelt

Da seine Frau ebenfalls als Ärztin im Spital arbeitet, ist zumindest von dieser Seite ein gewisses Maß an Verständnis gewährleistet. Die beiden Kinder, neun und fünf Jahre, geben sich da kritischer. Es war der ältere Sohn, der dem Vater dereinst ein einschneidendes Erlebnis bescherte. Auf seinem Wunschzettel an das Christkind stand nämlich nur ein Satz: „Der Papa soll mehr Zeit zum Schneemannbauen haben.“ Diese Worte rüttelten den vielbeschäftigten Oberarzt wach. Seitdem trägt Andreas Schnetzer nicht nur den Wunschzettel ständig bei sich, sondern versucht, seine Arbeitszeiten zugunsten von mehr Freizeit zu beschränken. „Wobei die Möglichkeiten natürlich bescheiden sind“, wie er zugeben muss. Aber zumindest reduzierte er die Tätigkeit bei der Flugrettung, die er aus medizinischem Interesse ableistet, und macht, so oft es geht, pünktlich Feierabend. Was sich, wie er beinahe entschuldigend anmerkt, unterschiedlich einhalten lasse. „Ein paar Schneemänner habe ich mit den Kindern inzwischen jedoch gebaut“, fügt Andreas Schnetzer noch schnell mit einem Lächeln hinzu.

Arbeitsgruppe installiert

Inzwischen wurde von der Krankenhausbetriebsgesellschaft eine Arbeitsgruppe installiert, die sich um Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen kümmern soll und der auch Schnetzer angehört. Er setzt große Hoffnungen in diese Maßnahme. Wobei er eine Entlastung älterer Kollegen von den Belas­tungen des Nachtdienstes als vorrangig bezeichnet. „Ich bin Mitte vierzig und spüre sie auch schon“, gibt der Bludenzer offen zu. Außerdem wünscht er sich mehr Zeit für die Patienten. „Die Bürokratie treibt uns eher weg vom Krankenbett“, so Schnetzer. Und die Bevölkerung sollte mehr Bewusstsein dafür entwickeln, dass „ein Mückenstich nicht unbedingt mitten in der Nacht behandelt werden muss“. Was tatsächlich immer wieder vorkommt.

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