Niederlande verhängen Teil-Lockdown für drei Wochen

Lokale in den Niederlanden müssen wieder früher schließen
Lokale in den Niederlanden müssen wieder früher schließen ©APA/AFP
Angesichts schnell steigender Infektions- und Patientenzahlen haben die Niederlande einen Teil-Lockdown verhängt. Die verschärften Maßnahmen sollten zunächst für drei Wochen gelten, kündigte Ministerpräsident Mark Rutte am Freitagabend in Den Haag an. "Diese Eingriffe sind einschneidend und werden alle treffen", sagte er. Geschäfte und Gaststätten schließen bereits früh am Abend, Bürger sollen zu Hause arbeiten und höchstens vier Besucher empfangen dürfen.

Konkret müssen Gaststätten und Supermärkte ab Samstag um 20 Uhr schließen, andere Geschäfte bereits um 18 Uhr. Die 1,5 Meter-Abstandsregel wird wieder eingeführt. Sportwettkämpfe müssen ohne Publikum stattfinden, das gilt auch für Fußballspiele wie etwa das WM-Qualifikationsspiel der Niederlande gegen Norwegen am kommenden Dienstag in Rotterdam.

Mit dem begrenzten Paket sollen Kontakte verringert und so Neuinfektionen abgebremst werden, begründete Rutte die Maßnahmen. "Der Druck auf das Gesundheitssystem ist zur Zeit extrem hoch." Auch die Experten, die die Regierung in der Pandemie beraten, hätten dringend zu einem Lockdown geraten. "Das Virus ist überall, im ganzen Land, in allen Bereichen."

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen war am Donnerstag auf über 16.000 gestiegen und hat somit einen Höchstwert erreicht. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf mehr als 500 - deutlich weniger als in Österreich. Die Lage vor allem auf Intensivstationen ist so prekär, dass Krankenhäuser bereits vor dem Notzustand warnen. Bis zum Freitag in der Früh waren in 24 Stunden 259 neue Covid-Patienten registriert worden. Das ist die höchste Zahl seit dem 15. Mai. In den Krankenhäusern werden nun 1755 Menschen wegen Covid-19 behandelt.

Die Regierung hatte seit Donnerstag über die neuen Maßnahmen beraten. Von dem Shutdown ausgenommen sind Kinos und Theater. Besucher müssen nur - wie bisher - nachweisen, dass sie geimpft, getestet oder genesen sind. Die geschäftsführende Regierung will diese 3G-Regel ausweiten auf Geschäfte und möglicherweise auch Arbeitsplätze. Außerdem soll für einige Bereiche die 2G-Regel eingeführt werden - möglicherweise für Lokale und Festivals.

Erst Ende September hatte das Land die meisten Regeln stark gelockert. Doch die Lage verschlechterte sich. Und das trotz eines hohen Impfgrades: Etwa 82 Prozent der Bürger sind vollständig geimpft.

Vor zehn Tagen gab es die ersten Verschärfungen. Die Maskenpflicht wurde erneut ausgedehnt auf öffentliche Räume wie Geschäfte. Doch viele Bürger hielten sich nicht an die Regeln. Und die Durchsetzung etwa in Lokalen wurde auch wenig kontrolliert. Entsprechend ist auch der Widerstand gegen den begrenzten Lockdown groß. Unternehmer, Sportverbände und Gastwirte reagierten empört. "Die Grenze ist erreicht. Unternehmer sind wütend", sagte der Vorsitzende des Gaststättenverbandes, Rober Willemsen.

(APA/dpa)

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