AA

Massive Drohungen

Der diese Woche abgesetzte Lustenauer Finanzreferent, Oswald Hämmerle, soll den Bürgermeister bedroht haben. [21.8.99]

Wie die Gendarmerie der APA bestätigte, sei eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft Feldkirch übermittelt worden. Was ursprünglich nur nach einer Art Richtungsstreit zweier hochrangiger Parteifreunde aussah, hat damit eine völlig unerwartete Wende erhalten.

Der Konflikt zwischen Bürgermeister Hans-Dieter Grabher und seinem für die Finanzen zuständigen Gemeinderat Oswald Hämmerle war zu Wochenbeginn ruchbar geworden. Grabher hatte Hämmerle mit Sanktionen gedroht, weil der Finanzreferent den Kurs des Bürgermeisters und der restlichen Fraktion nicht mittragen wollte. Konkret geht es um Kostenüberschreitungen bei der Sanierung der Lustenauer Rheinhalle:
Diese könne er, Hämmerle, nicht verantworten.

Es kam zu einem öffentlichen Schlagabtausch, bis Grabher seinem Parteifreund vor zwei Tagen das Ressort entzog. Vorerst nur verbal ausgesprochen, wurde der Entschluss Grabhers am Freitag dann auch durch einen Anschlag an der Amtstafel offiziell. Am frühen Vormittag hatte Hämmerle dann telefonisch im Rathaus den Bürgermeister verlangt, blieb aber an dessen Sekretärin “hängen”. Ihr gegenüber soll der Gemeinderat dann massive Drohungen gegen Grabher ausgesprochen haben. Grabher und der zufällig anwesende Ortsparteiobmann Ernst Hagen verfolgten das Gespräch über die Lautsprecheranlage mit.

Grabher erstattete Anzeige und noch am selben Tag wurde Hämmerle von der Gendarmerie in Lustenau wegen gefährlicher Drohung einvernommen. Die Sicherheitsdirektion Vorarlberg bestätigte der APA, dass rechtliche Schritte gegen den FPÖ-Mandatar eingeleitet worden sind. Allerdings sei es “nicht wert, deswegen eine Information an die Medien hinauszugeben”, hieß es auf Anfrage.

Der Konflikt trifft die FPÖ und speziell die Ortspartei zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Zum einen sind am 19. September Landtagswahlen und Bürgermeister Hans-Dieter Grabher ist als ehemaliger Landesrat und Landesparteiobmann einer der bekanntesten Vertreter der FPÖ. Zum anderen finden im April 2000 Gemeindevertretungswahlen und damit zum ersten Mal Bürgermeister-Direktwahlen statt. Grabher hatte angekündigt, das Finanzressort bis dahin selbst zu übernehmen. Hämmerle bleibt – zumindest vorerst – Gemeinderat, da er von dieser Position nur mit den Stimmen anderer Parteien in der Gemeindevertretung abgesetzt werden kann.

zurück

(Bild: VN-Archiv)

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Massive Drohungen
  • Kommentare
    Die Kommentarfunktion ist für diesen Artikel deaktiviert.