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Maria Stuart und Elisabeth I. im Musical: "Die Königinnen"

Alexandra-Yoana Alexandrova als Maria Stuart
Alexandra-Yoana Alexandrova als Maria Stuart ©APA / Landestheater Linz
Die Gesichte der schicksalhaft verknüpften Leben von Maria Stuart und Elisabeth I. hat als wuchtiges Historiendrama auf der Musicalbühne im Landestheater Linz eingeschlagen. Die Uraufführung von "Die Königinnen" Samstagabend bestach durch die Inszenierung: opulente Ausstattung, reduzierte und wendige Bühne und ein Licht, das dichte Atmosphäre schafft. Alexandra-Yoana Alexandrova als Maria Stuart und Daniela Dett als Elisabeth I. sorgten für Standing Ovations.

Das jüngste Auftragswerk von Henry Mason (Libretto) und Thomas Zaufke (Musik) für Linz taucht ein in die Zeit der Regentschaft der englischen Herrscherin Elisabeth I.. Vor allem geht es um den Konflikt mit der schottischen Königin und Großcousine Maria Stuart, die zeit Lebens den englischen Thron für sich beanspruchte. Nach ihrem Sturz in Schottland floh Maria nach England, wo sie Elisabeth 19 Jahre in Hausarrest hielt, bevor sie 1587 wegen des Vorwurfs der Teilnahme an Verschwörungen hingerichtet wurde.

Wenige Stunden vor der Enthauptung setzt das Musical ein. Rückblickend wird die unheilvolle Beziehung der Frauen, die sich nie begegnet sind, aufgerollt. Die blutigen, geschichtlichen Ereignisse in den 44 Lebensjahren von Maria Stuart bilden das Gerüst der mehr als zweieinhalbstündigen Handlung. Nicht unbedingt Stoff für das leichtfüßige Genre Musical. Doch Mason und Zaufke haben schon 2019 in Linz mit "Der Hase mit den Bernsteinaugen" gezeigt, dass sie die Komplexität der - in dem Fall literarischen - Vorlage so einzufangen vermögen, dass daraus sogar ein mit dem Deutschen Musical-Preis ausgezeichnetes Musical werden konnte.

Auch in die "Die Königinnen" hat diese Adaption funktioniert, wenngleich die politischen Wirren gestrafft hätten werden können. Großartig in Szene gesetzt der Song "Lass uns Männer an die Macht", der stellvertretend für das Grundthema, wie zwei Frauen darum kämpfen, sich in der (elisabethanischen) Männerwelt zu behaupten, steht. Ein Thema, das genauso wenig an Aktualität verloren hat wie der zweite Komplex des Stückes Krieg und Terror.

Fein herausgearbeitet werden von Dett und Alexandrova die unterschiedlichen Zugänge der Herrscherinnen zum Machtverständnis und ihr Konflikt, der alles anders als ein Zickenkrieg daherkommt. Elisabeth sieht sich als von Gott ernannte Königin dem Volk verpflichtet. Um gegen die männliche Intrige zu bestehen, wählt sie den Weg der "virgin Queen". Königin und Mensch, es gehe nur Königin oder Mensch, rechtfertigt sie so ihre Unterzeichnung des Hinrichtungsbefehl von Maria Stuart. Diese hingegen greift offen nach der Macht, bereit durch strategische Ehen das Ziel zu erreichen. Die traurige Erkenntnis beider zum Schluss: "Eine Welt voller Männer, warum mordet eine Frau eine Frau."

Eindringlich inszeniert und choreografiert Simon Eichenberger diesen Kampf der Frauen an den verschiedenen Fronten. Als Schauraum dient ihm ein großer Felsbrocken, der sich öffnet, dreht, verwandelt und so etwa die geografischen Sprünge Frankreich, Schottland, England mühelos meistert. Stephan Prattes hat das Bühnenbild nur auf jenen Felsen konzentriert, bleibt reduziert, dunkel in den Farben, was die opulenten Kostüme von Conny Lüders hervorstechen lässt. Das Lichtdesign von Michael Grundner haucht der Kulisse Leben und Atmosphäre ein, wenn etwa Maria auf dem Felsen, der zum Schiffsbug wird, steht und sich im Hintergrund die Segel im Licht die Meereswellen spiegeln.

Die Musik hingegen bleibt einem weniger im Ohr, es fehlt dieser überspringende Funke. Dazu kommt, dass einzelne Nummern von Mason mit Gesangstexten nahezu überfrachtet wurden. Trotz musikalischer Anklänge an die Renaissance hat Zaufke eine wie er selber sagt "moderne Partitur" geschrieben. Diese ist auf die beiden Protagonistinnen zugeschnitten, die ihre Stimmen in den Solos und Duetten vollends präsentieren können. Auch das quicklebendige Linzer Musical-Ensemble kann zeigen, was gesanglich in ihm steckt, der Tanz hat in dem Stück weniger Raum.

Das Bruckner Orchester unter Tom Bitterlich spielt dynamisch und laut, bisweilen am Premiere-Abend so laut, dass der Gesang kaum mehr zu hören ist. Als nach der Enthauptung Marias der Vorhang fällt, wirkt das Publikum zuerst erschlagen von der Dichte und wohl auch der Lautstärke des Stückes, bis sich dann aber doch ein jubelnder Applaus für die künstlerischen Leistungen und über die beiden Urheber des Musicals ausbreitet.

(Von Kerstin Scheller/APA)

(S E R V I C E - "Die Königinnen", Musical von Henry Mason und Thomas Zaufke, Musiktheater Linz, Großer Saal. Orchestrierung: Markus Syperek, musikalische Leitung: Tom Bitterlich, Inszenierung und Choreografie: Simon Eichenberger, Bühnenbild: Stephan Prattes, Kostüme: Conny Lüders. Licht: Michael Grundner. Mit Alexandra-Yoana Alexandrova (Maria Stuart), Daniela Dett (Elisabeth I.), Extrachor des Landestheaters Linz, Bruckner Orchester Linz. Weitere Aufführungen: 15. Februar, 3., 4., 14. März, 7. und 27. April, Infos unter )

(APA)

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