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Männer: Wozu sind sie noch da?

Immer mehr Männer befinden sich auf einem "Selbstfindungs-Trip". Männer – vor allem jene zwischen 30 und 50 Jahren – sind offensichtlich verstärkt auf der Suche nach ihrer Identität. Termine

Die Männerberatungsstelle des Ehe- und Familienzentrums in Feldkirch und ähnliche Einrichtungen bemerken derzeit ein reges Interesse an Männergruppen, die das „starke Geschlecht“ im Selbstfindungsprozess unterstützen sollen. Schuld an der Identitätskrise ist das traditionelle Rollenbild, das für die Mehrzahl der Frauen nicht mehr existiert, sagen die Fachleute.

Neuen Platz finden

Der Großteil der Frauen lasse sich „zu Recht nichts mehr gefallen und steht auf eigenen Beinen“, erklärt Lebens- und Sozialberater Albert A. Feldkircher aus Egg. Für viele Männer, die sich über ihren Beruf definieren und mit dem traditionellen Rollenbild verhaftet sind, bedeute dies jedoch eine Identitätskrise. „Ich habe das selbst gemerkt“, so Feldkircher, „als meine Frau mir eines Tages sagte, sie werde einen Teilzeitjob als Beraterin annehmen. Meine erste Reaktion war: ‚Verdiene ich dir nicht genug?‘“

Weder Macho noch Softie

So stehen viele Männer vor der Frage: „Wozu sind wir noch da?“: Der Versorger sei er nicht mehr, Macho dürfe er nicht sein, und auf „Softies“ und Hausmänner würden Frauen auch nicht stehen. Folglich müssen sich Männer auf Grund des gesellschaftlichen Wandels neu positionieren und ihren Platz finden.

Die Männerwelt ist unter Druck gekommen, wie eine Fessel-Umfrage zeigt. Acht von zehn Frauen erwarten, dass ihr Mann zwar selbstständig und berufstätig sein sollte, aber genauso einfühlsam, treu und beziehungsfähig. Das so genannte „starke Geschlecht“ ist körperlich und seelisch angeschlagener als im Allgemeinen zugegeben wird. 20 Prozent der Männer leiden unter chronischen Erkrankungen, häufig bedingt durch das belastende Rollenbild vom überall und in jeder Hinsicht „starken Typen“.

„Es geht aber auch prinzipiell um das ’Mann sein’: Muss ER wirklich immer und überall ’stark’ sein, ewig Ausdauer zeigen?“, fragt der Psychologe und Männerberater Eduard Waidhofer. Wichtig wäre, dass Männer zu einem echten Gespräch mit anderen Männern finden, „weg von der Wirtshausplauderei, wo natürlich niemand ein gesundheitliches, partnerschaftliches oder gar sexuelles Problem hat – hin zu einem echten gegenseitigen Austausch“, so Waidhofer.

Oft wird Männern angekreidet, dass sie „Redemuffel“ sind. „Das mag oft zutreffen“, so Feldkircher, „dass Männer in Beziehungen das Wort nicht auf der Zunge haben und sie ihre Gefühle nicht, wie Frauen gerne hätten, zum Ausdruck bringen.“

Von Mann zu Mann

In solchen Situationen und mit vielen anderen „männlichen“ Themen, suchen immer mehr Männer ein Gespräch von Mann zu Mann: sie kommen in die Männerberatung. 236 waren es in Vorarlberg allein im Vorjahr. „Rat suchende Männer wollen in erster Linie einen neutralen Gesprächspartner, dem sie offen ihre Situation schildern können. Oft fehlt ihnen gerade in solchen Krisen ein guter Freund.“

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