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"Man züchtet sich Hautkrebs!"

Solche Fotos werden mit #SunburnArt in den sozialen Netzwerken verbreitet.
Solche Fotos werden mit #SunburnArt in den sozialen Netzwerken verbreitet. ©Twitter
Schwarzach - "Sunburn Art" ist ein gefährlicher Trend, der schwere Folgen nach sich ziehen kann. W&W hat mit dem Dermatologen Dr. Strohal über die „Sonnenbrand-Tattoos“ gesprochen.

Dass man sich in der Sommersonne eincremen muss, dürfte eigentlich jedem bekannt sein. Diesen Sommer tauchen in Sozialen Netzwerken aber immer mehr Fotos von Menschen auf, die sich absichtlich schwere Sonnenbrände holen, während nur kleine Flächen als sogenannte „Sunburn-Tattos“ oder „Sunburn-Art“ hell bleiben sollen. Univ.-Prof. Dr. Robert Strohal, Primar der Dermatologie am LKH Feldkirch, ist entsetzt über den „Sonnenbrand“-Trend: „Das ist sehr gefährlich, vor allem, wenn es öfter an der selben Stelle passiert. Damit züchtet man sich regelrecht seinen Hautkrebs, ein Horror-Umgang mit der Sonne!“, bekräftigt er.

“Verbrennungen 3. Grades”

„Während der vergangenen Hitzewelle hatten wir gleich mehrere Patienten mit extremem Sonnenbrand. Das kann bis zu Verbrennungen dritten Grades gehen, die großflächige Blasen und extreme Schmerzen nach sich ziehen“, erklärt der Dermatologe. Die Haut vergesse keinen einzigen Sonnenbrand: „Menschen ist nicht klar, dass braun zu werden eine Notreaktion des Körpers ist. Es ist nicht normal und der Begriff ,gesunde Bräune‘ ist einfach hirnrissig. Die Sonne verursacht automatisch nach einer gewissen Bestrahlung Hautkrebs. Nicht umsonst gilt er bei Außenarbeitern mittlerweile als anerkannte Berufserkrankung.“ Der weiße Hautkrebs sei die häufigste Krebsform überhaupt. Die einzige Therapie ist eine Operation: „Diese Eingriffe sind oft regelrechte Verstümmelungen und gehen mit hässlichen Narben einher“, sagt Dr. Strohal.

Zahlen und Fakten

97 Prozent der schädlichen UV-Strahlung kann eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 30 abfangen.

400Menschen erkranken in Vorarlberg jährlich an weißem Hautkrebs, der nur durch die Sonne hervorgerufen wird. Diese Zahl hat sich in zehn Jahren verdoppelt.

15 sollte der Lichtschutzfaktor einer Sonnencreme mindestens sein. Dieser schützt zu 93 Prozent vor UV-Strahlen.

50 Prozent ihrer Kraft hat die indirekte Sonneneinstrahlung auch im Schatten. Bei Wasser, Sand, Schnee und anderen reflektierende Oberflächen sind es 85 Prozent und mehr.

Statements

“Weißer Hautkrebs ist kein Vergnügen”

Martina, 59, Bregenz: „Bei Menschen, die sich so etwas antun, nur um im Trend zu liegen, scheint neben der Haut auch noch das Hirn verbrannt zu sein! Ein schwerer Sonnenbrand und vor allem weißer Hautkrebs ist alles andere als ein Vergnügen. Wenn dieser  ausbricht, ist es vorbei mit dem Sonnenbad! Ganz nebenbei verdient die Pharmaindustrie gutes Geld mit solchen vollkommen sinnlos selbst zugefügten Krankheiten.“

“Körperkult ja, aber nicht um diesen Preis”

Jakob, 22, Bregenz: „Body-Art an sich (Tattoos, Piercings, usw.) sind eine gute Sache. Selbstverwirklichung, ja, aber sicher nicht auf diese schädliche Art und Weise. Meistens schält sich die Haut nach einem Sonnenbrand sehr unangenehm und eine durch Verzicht auf Sonnenschutz forcierte Bräune hält nicht lange. Die Haut löst sich ab, es juckt und brennt großflächig. Es ist traurig, dass es Menschen gibt, die dieses Treiben als Kunst bezeichnen.“

“Das ist die reinste Selbstverstümmelung!”

Giulia, 20, Dornbirn: „In meinen Augen ist ,Sunburn-Art‘ die reinste Selbstverstümmelung. Ich würde mir und meinem Körper so etwas nie im Leben antun und achte sehr darauf, mich vor der UVStrahlung zu schützen. Lieber bezahle ich einen Künstler, der mir ein professionelles und vor allem hygienisches Tattoo sticht, an dem ich mein Leben lang Freude habe.“

(WANN & WO)

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