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"Man wird wie Dreck behandelt"

Der Tod ihres Verlobten führte Maria zurück in die Heroinabhängigkeit.
Der Tod ihres Verlobten führte Maria zurück in die Heroinabhängigkeit. ©Shutterstock
Maria*, 38, aus Dornbrin, war 15 Jahre heroinabhängig. Jetzt befindet sie sich im Methadonprogramm. Aufgrund ihres Alters wurde sie von der Einrichtung Lukasfeld für einen Entzug abgewiesen. Im W&W-Interview spricht sie über Missgunst, Heroin und Prävention.

WANN & WO: Wie kamst du mit Heroin in Kontakt?

Maria: Mit 21 Jahren und durch meinen damaligen Freund. Ich war jung, naiv und verliebt. Er hat mich Heroin rauchen lassen, ohne dass ich es wusste. Ich rutschte immer tiefer in die Sucht, gespritzt habe ich aber nur sehr kurz. Ich war berufstätig und hatte immer das nötige Geld für die Droge. Der Reiz verflog schnell, irgendwann nimmt man Heroin nicht mehr wegen des Flashs, sondern nur um die Entzugserscheinungen zu überdecken.

WANN & WO: Wie ging es dann weiter?

Maria: Vorübergehend schaffte ich den Absprung und war vier Jahre lang clean. 2008 starb dann mein damaliger Verlobter. Ich fiel in ein seelisches Loch und griff erneut zur Droge. Heroin stumpft ab, die Gefühle gehen flöten und man spürt nichts mehr. Inzwischen bin ich in einem Methadonprogramm und seit zwei Jahren ohne Rückfall. Mein größtes Ziel ist der endgültige Entzug. Ich habe versucht, einen Platz auf der Therapiestation Lukasfeld zu bekommen, wurde aber abgewiesen.

WANN & WO: Wieso wurdest du zurückgewiesen?

Maria: Das kann ich mir selbst nicht erklären. Als ich angerufen habe, hieß es zunächst, dass auf der Station zwei Betten für Frauen zur Verfügung stünden. Ich wollte nicht nach Rankweil, da meines Wissens dort keine eigene Station für Suchtgifterkrankte zur Verfügung steht. Wenn man Pech hat, steckt man einen zu den psychisch Kranken oder Selbstmordgefährdeten. In meinem labilen Zustand möchte ich keinesfalls einen Entzug in diesem Klima durchführen. Außerdem ist es schwierig, einen Platz in Rankweil zu bekommen. Ich war zuversichtlich, in Lukasfeld aufgenommen zu werden. Als der zuständige Arzt dann aber von meinem Alter erfuhr, meinte er, dass ich nicht in das jugendliche Klientel der Station passen würde und hat mich harsch abgewiesen.

WANN & WO: Wie hast du dich dabei gefühlt?

Maria: Mein Betreuer von der Faehre Dornbirn saß während des Telefonats neben mir und hat nur den Kopf ge­­schüttelt. Auch nachdem ich insistierte und fragte, ob man nicht noch einmal darüber reden konnte, hat man einfach aufgelegt. Ich finde es ein Unverschämtheit, dass man mit Hilfesuchenden so umgeht.

WANN & WO: Wie ging es dann weiter?

Maria: Meine Freundin hat nächste Woche angerufen und sich als Mutter einer Heroinkranken ausgegeben. Man hat ihr gesagt, dass zwei Betten zur Verfügung stünden. Ich sehe es nicht ein, dass man Hilfesuchende ablehnt, obwohl Kapazitäten zur Verfügung stehen. Ich bin Steuerzahlerin und möchte diese Einrichtung, die durch mein Geld mitfinanziert wird, auch nützen können.

WANN & WO: Was wünschst du dir von der Zukunft?

Maria: Zuallererst eine bessere Aufklärung. Ich denke, die momentane Situation wird immer schlimmer. Man denke nur an neue Drogen wie Crystal Meth. Prävention an Schulen sollte wesentlich intensiver betrieben werden, auch sollten mehr Betroffene zu Wort kommen. Außerdem wünsche ich mir von der Gesellschaft und den Drogeneinrichtungen bessere Wertschätzung. Als Heroinsüchtige wird man gleich abgestempelt. Ich war während der gesamten Zeit nur zwei Monate arbeitslos, trotzdem werde ich vielerorts wie der letzte Dreck behandelt. *Name und Wohnort von der Redaktion geändert

Stellungnahme Dr. Roland Wölfle, Therapiestation Lukasfeld

„Wir sind ‚für jugendliche und junge erwachsene Drogenabhängige zuständig, das kommunizieren wir auch nach außen. In unserer Einrichtung haben wir eine Altersbegrenzung wischen 16 und 30 Jahren. Wer älter ist, muss im LKH Rankweil entgiften. Wir haben aber eine Entgiftungsstation im Bau. Ab Sommer sieht das dann viel besser aus, dort wird es dann auch weniger Einschränkungen geben. Ab dann würden wir das Anliegen der Dame auch erfüllen können.“

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