Mafia-Sitten im Spiellokal

Vor knapp drei Wochen flog ein Fall von schwerer Nötigung und Freiheitsentziehung eines Dornbirner Spiellokal-Betreibers auf. Vier Angestellte hatten angeblich mit gezinkten Karten gespielt.

Das ergaunerte Geld wollte der verärgerte Betreiber zurück. Mit Methoden, die an einen Mafiafilm erinnern – wie sich aus dem Strafakt ergibt. Sowohl der Lokalbesitzer, ein Lustenauer, als auch zwei seiner Helfeshelfer aus dem Rotlichtmilieu wurden zu teilbedingten Haftstrafen verurteilt.

Dass es die vier Angestellten im vergangenen November mit den Spielregeln offensichtlich nicht so genau genommen hatten ist zwar nicht hundertprozentig nachweisbar. Doch laut Richter Norbert Melter „besteht ein erheblicher Verdacht“, dass dies so gewesen ist.

Letztes Stündlein

Gemeinsam mit drei Kollegen wollte der Inhaber eigenhändig wieder Recht und Ordnung herstellen. Der 25-jährige Lustenauer, ein 33-jähriger Tiroler und der 39-jährige Bludenzer hatten sich einiges ausgedacht um die Falschspieler unter Druck zu setzen. Der damals ebenfalls anwesende Moldawier kam am Donnerstag übrigens nicht zum Prozess.

Mehrere Stunden sperrten die Peiniger die vier Angestellten ein und machten sie glauben, ihr letztes Stündchen hätte geschlagen, falls sie ihre Gewinne von je 5000 Euro nicht zurückbezahlten. Mit einer Pistole, einem Baseballschläger und einem Messer unterstrichen sie ihre Forderungen. „Der Finger eines Opfers wurde in einen Zigarrenschneider gesteckt“, bestätigt Melter die Brutalitäten der Gauner.

Haftstrafen verhängt

Die verängstigten Angestellten, die Schläge und Verstümmelung befürchteten, hielten den Mund. Erst Monate später zeigte einer der Untergebenen den Vorfall an. In ihrer aussichtslosen Situation unterschrieben die Männer auch den ihnen vorgelegten Schuldschein. Die Zahlungsverpflichtungen hielten sie zum Teil ein, zum Teil zögerten sie trotz Einschüchterung.

Das kriminelle Trio wurde wegen schwerer Nötigung und Freiheitsentziehung verurteilt. Der Lokalbesitzer und sein Tiroler Kumpel erhielten neun Monate Haft, drei davon müssen sie absitzen. Der Dritte im Bund erhielt zu einer früheren Verurteilung nun noch einen weiteren Monat Zusatzstrafe. Wann man den Moldavier vor Gericht sehen wird, ist offen. Die Urteile sind rechtskräftig.

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