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Ländle-Beamte arbeiten lange

Schwarzach - Beamte sind vielfach besser als ihr Ruf. Im Vergleich zu anderen Bundesländern nehmen Ländle-Beamte kaum Kuraufenthalte in Anspruch. Beamten-Pension

Innerhalb weniger Minuten hat Dr. Helgar Wurzer, Leiter der Personalabteilung des Landes, nicht nur die gewünschten Zahlen parat – auch die Daten widerlegen das Bild, das viele von unseren Staatsdienern haben: Von den 54 Landesbeamten, die zwischen 2002 und 2006 in den Ruhestand traten, machten dafür nur sieben gesundheitliche Gründe geltend. Dienstunfähigkeit nennt man das im Staatsdienst.

Beim Bund ist man zur Zeit weniger fix. Dort erklärt man sich außerstande, für Vorarlberg relevante Pensionszahlen aus den Computern zu holen.

Mit Jahreswechsel, also vor bald zehn Wochen, sei das ehemalige Bundespensionsamt als „Bundespensionsservice“ vom Finanzministerium an die Beamtenversicherung ausgelagert worden. Insider klagen, dass durch die damit verbundene EDV-Umstellung selbst banale Abfragen noch immer unmöglich oder extrem aufwändig sind.

Trotzdem: Zieht man die letzten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2005 heran, darf die Republik mittlerweile auf eine überwiegende Mehrheit von brav durchdienenden und offenbar gesunden Beamten stolz sein. Im Vergleich zu 2004 sank die Zahl aller Pensionis ten des Bundes um 332 auf insgesamt 93.550.

Wegen Dienstunfähigkeit kamen österreichweit nur noch 429 dazu. Offenbar haben die neuen Pensionsregelungen gegriffen: Das waren nicht einmal mehr halb so viele Fälle wie 2004. Anders ausgedrückt: Gingen 2004 noch über 48 Prozent wegen Dienstunfähigkeit in Pension, lag ihr Anteil 2005 nur noch bei knapp 28 Prozent.

Vor allem aus diesem Grund erhöhte sich das durchschnittliche Antrittsalter der Bundespensionisten schlagartig von 57,9 auf 59,2 Jahre! Bei den regulären Alterspensionen sind die Bundesbeamten übrigens robuster als ASVG-Versicherte: Sie gehen um neun Monate später als Arbeiter und Angestellte in Pension, konkret mit knapp über 62 Jahren.

Als gesundheitlich widerstandsfähig darf auch die schwindende Zahl der Landesbeamten gelten. „Wir hatten 2006 nur 4,3 Krankenstandstage pro Beamten und im Vergleich zu anderen Bundesländern werden bei uns auch fast keine Kuraufenthalte in Anspruch genommen“, erklärt Wurzer. Deshalb wurmt es ihn auch, dass der einzige Dienstunfähigkeits-Fall des Vorjahres beim Land das Antrittsalter um fast zwei Jahre auf 60,6 drückte.

Die Unterstellung, dass Landesbeamte die sprichwörtliche ruhige Kugel schieben und deshalb ein gesünderes Leben führten, lässt sich übrigens trotz dieses „Ausreißers“ nicht aufrecht erhalten. „Das Sterbealter bei unseren Beamten ist deutlich niedriger als bei anderen“, sagt Wurzer. Die Gründe für dieses Phänomen kenne man nicht. Jedenfalls sterben pensionierte Beamte im Ländle vier Jahre früher als der Durchschnitt.

Dass in Österreich – im internationalen Vergleich ohne Zweifel ein Land der Frühpensionisten – entgegen der landläufigen Meinung körperliche Beschwerden noch kein Freiticket für den Ruhestand sind, belegt eine Untersuchung über die Lebenserwartung der Invaliditätspensionisten. Männliche IV-Bezieher sterben durchschnittlich neun JahrevordenregulärenAlterspensionisten, Frauen in der IV-Pension 5,2 Jahre vorher.

Dass sie früher in Pension gegangen sind, hatte keine positiven Auswirkungen auf die Pensionsdauer: die war im Vergleich zu den Alterspensionisten um rund eineinhalb Jahre kürzer. Daraus lässt sich der Schluss ableiten, dass sie wohl tatsächlich krank waren.

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