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IS bekannte sich zu Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt

Hier wird der Lkw in Berlin abgeschleppt.
Hier wird der Lkw in Berlin abgeschleppt. ©APA
Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) hat den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt in Berlin für sich in Anspruch genommen. Das IS-Sprachrohr Amaq meldete am Dienstag im Internet, ein IS-Kämpfer sei für den Angriff verantwortlich gewesen.
Berlin: Lkw wird abgeschleppt
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Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat den Angriff auf den Weihnachtsmarkt in Berlin für sich in Anspruch genommen. Der Täter sei ein “Soldat des Islamischen Staates” gewesen, meldete das IS-Sprachrohr Amak am Dienstag im Internet. Die Echtheit der Nachricht ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen IS-Kanäle im Internet verbreitet. Auch die Form der Erklärung entspricht früheren Bekenntnissen der Extremisten. Die Operation sei eine Reaktion auf Aufrufe, die Bürger der Staaten der internationalen Koalition anzugreifen.

Verdächtiger wieder frei

Nach dem Lastwagen-Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz ist der zunächst festgenommene Verdächtige indes wieder frei. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse hätten keinen dringenden Tatverdacht gegen den Beschuldigten ergeben, teilte die Bundesanwaltschaft am Dienstagabend in Karlsruhe mit.

Der Mann habe in seiner Vernehmung umfangreiche Angaben gemacht, eine Tatbeteiligung jedoch bestritten. Augenzeugen hätten den Lastwagenfahrer nach dem Anschlag nicht lückenlos verfolgt, die kriminaltechnischen Untersuchungen hätten außerdem keinen Beleg erbracht, dass der Mann im Führerhaus des Lastwagens gewesen sei.

Der Mann, der den Anschlag verübt hat, dürfte somit noch auf freiem Fuß sein. Er war am Montagabend mit einem vermutlich entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt nahe der Gedächtniskirche im Herzen Berlins gerast. Zwölf Menschen starben, rund 50 wurden – oft lebensgefährlich – verletzt. Danach wurde ein 23 Jahre alter Mann festgenommen, der aus Pakistan kommen soll.

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Unklar war am Nachmittag auch, ob ein Täter oder mehrere am Werk waren. Nach dem Anschlag vom Montagabend sei der Täter womöglich noch auf freiem Fuß, sagte der Präsident des deutschen Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch. Man sei “hochalarmiert”. Aus dem Ziel und dem Vorgehen des Täters könne man auf ein islamistisches Motiv schließen, meinte Frank. Man müsse aber weiter in alle Richtungen ermitteln.

Berlins Polizeipräsident Klaus Kandt sagte, es sei möglich, dass der gefährliche Täter noch im Raum Berlin unterwegs sei. Die allgemeine Terrorgefahr sei aber Deutschland-weit nicht größer als vor der Tat.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel ging am Dienstagvormittag “nach jetzigem Stand” von einem Terroranschlag aus und äußerte sich zutiefst erschüttert. Ein ganzes Land sei in Trauer vereint. Merkel fügte hinzu: “Wir wollen nicht damit leben, dass uns die Angst vor dem Bösen lähmt. Auch wenn es in diesen Stunden schwerfällt: Wir werden die Kraft finden für das Leben, wie wir es in Deutschland leben wollen – frei, miteinander und offen.”

Deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel. ©AP

Am Montagabend war ein Mann mit einem vermutlich entführten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt nahe der Gedächtniskirche im Herzen Berlins gerast. Zwölf Menschen starben, rund 50 wurden – oft lebensgefährlich – verletzt. Danach wurde ein 23 Jahre alter Mann festgenommen, der aus Pakistan kommen soll. Der Verdächtige stritt die Tat aber nach Ermittlerangaben ab.

Im Führerhaus des Lkw wurde laut Sicherheitskreisen blutverschmierte Kleidung gefunden – bei dem später in einiger Entfernung vom Tatort festgenommenen Verdächtigen dagegen nicht. Ob dies darauf hindeuten könnte, dass der Mann noch im Lkw die Kleidung gewechselt haben könnte, blieb zunächst unklar.

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Bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt starb auch ein polnischer Lkw-Fahrer. Er lenkte nach bisherigen Erkenntnissen den Lkw, bevor dieser in die Hände des Mannes fiel, der dann mit dem Sattelschlepper in die Menschenmenge fuhr. Der Pole wurde erschossen.

Merkel: Tat wird aufgeklärt werden

Merkel dankte den Ermittlern, die dabei seien, “diese unselige Tat aufzuklären”. Sie versprach: “Sie wird aufgeklärt werden – in jedem Detail, und sie wird bestraft werden, so hart es unsere Gesetze verlangen.” Nach ihren Worten wäre es besonders schwer zu ertragen, wenn der Täter tatsächlich in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat. “Dies wäre besonders widerwärtig gegenüber den vielen, vielen Deutschen, die tagtäglich in der Flüchtlingshilfe engagiert sind und gegenüber den vielen Menschen, die unseren Schutz tatsächlich brauchen und die sich um Integration in unser Land bemühen.”

Der deutsche Innenminister Thomas de Maiziere sagte: “Die Öffentlichkeit kann sich darauf verlassen, dass die zuständigen Sicherheitsbehörden nicht rasten und nicht ruhen werden, bis vollständige Klarheit über die Hintergründe dieser Tat besteht. Und ich persönlich werde nicht ruhen, bis der oder die Täter gefunden und einer gerechten und harten Strafe zugeführt worden sind.”

Merkel und der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier besuchten am Nachmittag den Ort des Anschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz und legten dort Blumen nieder. In der Gedächtniskirche sollte um 18.00 Uhr ein Gedenkgottesdienst stattfinden, an dem neben den christlichen Kirchen auch Repräsentanten der in Deutschland lebenden Muslime und Juden teilnehmen wollten.

Obama bietet Unterstützung an

US-Präsident Barack Obama sprach nach Angaben des Präsidialamts am Montagabend mit Merkel. Er habe ihr Unterstützung nach “dem fürchterlichen mutmaßlichen Terrorangriff” angeboten.

Der Anschlag ruft Erinnerungen an die Terrorattacke im französischen Nizza im Juli wach: Dort waren 86 Menschen ums Leben gekommen, als ein Mann mit einem Lastwagen über die Uferpromenade der Mittelmeermetropole fuhr. Für den Anschlag hatte die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) die Verantwortung übernommen.

CSU fordert Neujustierung der Flüchtlingspolitik

Nach dem Anschlag forderte Christsozialen-Chef Horst Seehofer eine Überprüfung und Neujustierung der Flüchtlingspolitik. “Wir sind es den Opfern, den Betroffenen und der gesamten Bevölkerung schuldig, dass wir unsere gesamte Zuwanderungs- und Sicherheitspolitik überdenken und neu justieren”, sagte Bayerns Ministerpräsident in München.

Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck beschwor den Zusammenhalt der freiheitlichen Gesellschaft. “Der Hass der Täter wird uns nicht zu Hass verführen. Er wird unser Miteinander nicht spalten”, sagte das Staatsoberhaupt. “Unser Zusammenhalt wird nicht schwächer. Er wird stärker, wenn wir angegriffen werden.”

Die Weihnachtsmärkte in Deutschland sollen unterdessen weiter stattfinden. Die Innenminister von Bund und Bundesländern sprachen sich am Dienstag gegen eine Absage aus, wie das deutsche Innenministerium mitteilte. Mehrere Bundesländer überdenken ihre Sicherheitskonzepte. Der Innenausschuss des Parlaments will am Mittwoch in einer Sondersitzung beraten.

In Berlin wurden die Betreiber allerdings von den Behörden aufgefordert, die Märkte am Dienstag mit Rücksicht auf die Opfer und ihre Angehörigen geschlossen zu halten. Der direkt betroffene Weihnachtsmarkt bei der Gedächtniskirche soll auch in den nächsten Tagen nicht öffnen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) kündigte zudem an, alle Märkte der Stadt sollten mit Steinbarrieren zusätzlich gesichert werden.

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