LKH Feldkirch – ein Zwischenbericht

Am LKH Feldkirch kümmern sich die Mitarbeiter um Optimierungen und Verbesserungen im Dienst der Patienten. Neue Infos über die Maßnahmen für die 24-Stunden-Versorgung im Herzkatheterlabor.

In einem Zwischenbericht informiert das Landeskrankenhaus die Öffentlichkeit über die wichtigsten erreichten Arbeiten des ersten Halbjahres 2006. Im ersten Halbjahr verzeichnet das Landeskrankenhaus wichtige Entwicklungen, was die Tätigkeitsschwerpunkte in Richtung Patientensicherheit und -fürsorge anbelangt: Im Jänner 2006 beauftragte Landesstatthalter Dr. Hans-Peter Bischof eine Arbeitsgruppe unter der Leitung von Chefarzt Prof. Dr. Drexel, um möglichst rasch die 24-Stunden-Herzkatheterversorgung im Landeskrankenhaus Feldkirch zu gründen. Daneben konnten erhebliche Unterstützungen für Patienten mit hohem Herzinfarktrisiko seitens der Gebietskrankenkasse ausgehandelt werden. Mittlerweile ist auch das einjährige Pilotprojekt zum Risikomanagement (CIRS) ausgewertet – es erwies sich im Risikomanagement als zielführend.

Konkrete Maßnahmen für die 24-Stunden-Versorgung im Herzkatheterlabor

Die Arbeitsgruppe hat mit 30.06.2006 fristgemäß die Planung abgeschlossen und folgende Ziele erreicht: Anfang März wurde in Abstimmung mit den Internistischen Primarärzten Vorarlbergs, niedergelassenen Fachärzten und Notärzten der Beschluss gefasst, dass Patienten mit akutem Herzinfarkt, welche einer Ballondehnung im Katheterlabor zugeführt werden sollen, zentral am LKH Feldkirch behandelt werden. „Daneben gibt es weiterhin die Option der Blutgerinnselauflösung (Thrombolyse), welche selbstverständlich an allen Spitälern durchgeführt wird“, klärt Herzspezialist Prof. Dr. Drexel über die verschiedenen Möglichkeiten einer Herzinfarktbehandlung auf. Nach der Anstellung des vierten Facharztes im Herbst 2005 wurde die Ausbildung eines fünften Facharztes im Frühjahr 2006 forciert, sodass im Herbst 2006 fünf Fachärzte mit Zusatzausbildung Kardiologie und Ballondehnung zur Verfügung stehen. Diese Zahl ist für einen 24 h-Betrieb die international anerkannte Notwendigkeit. Zusätzlich wird zur Organisationserleichterung noch die Ausbildung eines weiteren, sechsten Facharztes angestrebt. Ausschreibungen dazu laufen. Für den zusätzlichen Nachtdienst werden zwei weitere Assistenzpersonen (Pflege oder Röntgentechnischer Dienst) benötigt. Die Röntgen- und die Anästhesie-Abteilung haben sich auf gemeinsame Dienste geeinigt, sodass ab Herbst diese notwendige Erweiterung im Assistenzpersonal ebenfalls abgedeckt werden kann.

Mit der fachspezifischen Ausbildung des zusätzlichen Personals wurde der Leiter des Herzkatheterlabors, Prim. Dr. Werner Benzer, betraut. Damit soll möglichst rasch eine ausreichende Anzahl gut ausgebildeter Assistenzpersonen für den 24-Stunden-Dienst gewährleistet werden. Es ist das gemeinsame Ziel aller Beteiligten, im Herbst den Herzkatheter-Labordienst rund um die Uhr anbieten zu können.

Herzinfarkt-Vorsorge: Einigung mit Gebietskrankenkasse

Neueste Studien haben gezeigt, dass die intensive Verbesserung des Cholesterin-Stoffwechsels sehr effektiv Herzinfarkte verhindern kann. Damit ist ein wesentlicher Fortschritt in der Infarktverhütung möglich, so Kardiologe Drexel, und weiter: „In wiederholten Verhandlungen mit der Gebietskrankenkasse konnten wir uns nun darauf einigen, dass die Vlbg. Gebietskrankenkasse für Patienten mit sehr hohem Infarktrisiko nun auch die medikamentösen Kosten für die Vorsorge-Medikamente übernimmt. Denn die beste Infarktbehandlung ist dessen Verhinderung!“

Initiative zur Verbesserung des Risikomanagements

Um die Möglichkeiten zur Erhöhung der Patientensicherheit zu prüfen, hat das Bundesministerium für Gesundheit Anfang 2004 eine Initiative gesetzt. Als wesentliches Risikomanagementsystem ist das Critical Incident Reporting System (CIRS) zu nennen: Auf freiwilliger Basis sammeln und dokumentieren beteiligte Abteilungen gefährliche Situationen. Entscheidend ist, dass diese Beinahe-Fehler, die noch zu keinem Schadensereignis geführt haben, registriert und analysiert werden, um für deren ursächliche Rahmenbedingungen wirksame Gegenmaßnahmen zu finden. Mit Juni 2005 sind am Landeskrankenhaus Feldkirch sieben Abteilungen einem CIRS-Pilotprojekt beigetreten, dessen Daten mittlerweile ausgewertet worden ist. Die Ergebnisse sind aus der Perspektive der Risikominimierung als sehr fruchtbar zu beurteilen.

5 Fragen zur 24-h-Versorgung für Vorarlberger Herzinfarkt-Patienten Beantwortung durch Kardiologen Prim. Prof.Dr. Heinz Drexel

I. Wie ist es mit der Rund-um-die-Uhr-Herzinfarktversorgung österreichweit bestellt?

Ende April 2006 wurde von einer Task-Force-Gruppe des Bundesministeriums für Gesundheit und Frauen ein Gesamtkonzept für ganz Österreich verabschiedet. Im Konzept wird eine flächendeckende 24-h-Stunden-Versorgung für Herzinfarktpatienten empfohlen – unter Berücksichtigung der regionalen Gegebenheiten. Für Vorarlberg konnte die Arbeitsgruppe zwei Monate später das Konzept vorlegen. Nun ist es optimal angepasst und befindet sich in der Umsetzungsphase.

II. Wie gehen andere Bundesländer vor?

Das Burgenland beispielsweise – in etwa mit vergleichbarer Einwohnerzahl – hat mit Wiener Neustadt und Mödling ein Netzwerk gebildet. Nur so war dort eine 24-h-Versorgung möglich. Ein solches Netzwerk wurde am Beginn der Planung auch für Vorarlberg überlegt, aber aus geografischen Gründen nicht weiter verfolgt. In Vorarlberg haben sich nun alle Verantwortlichen darauf geeinigt, den Patienten eine eigenständige Versorgungseinheit zu bieten. Das bedeutet, dass die Patienten zur Behandlung von Herzinfarkten im Land bleiben können.

III. Wie sieht es mit der Umsetzung des Konzepts in Vorarlberg aus?

Vorarlberg ist sowohl geografisch gesehen als auch von der Bevölkerungsanzahl in einer besonderen Situation: Beides – also die Lage und die Anzahl der Einwohner – sind wichtige Kriterien für das 24-Stunden-Konzept. Die Größe eines Herzkatheter-Teams hängt mit der Einwohneranzahl zusammen. Je kleiner ein Bundesland, umso schwieriger ist es, einen Nachtdienst zu installieren. Es war schwierig, die erforderliche Anzahl an fachspezifisch ausgebildeten Ärzten und Assistenzpersonen zu finden, die nächste Aufgabe besteht nun in der adäquaten Ausbildung.

In Vorarlberg liegt der Schwerpunkt also in einer qualitativ hochwertigen Ausbildung des Herzkatheterpersonals. Es gibt ja mit der Thrombolyse (medikamentöse Infarktbehandlung) schon bisher eine gute Behandlung für Herzinfarkt-Patienten. Erst wenn die Gefäßerweiterung mit Ballon und Stent auch erstklassig durchgeführt werden kann, ist dies auch als gleichwertige bzw. sogar bessere Methode zu werten.

IV: Hätte man nicht schon früher mit der 24-Stunden-Versorgung beginnen können?

Wie erwähnt, ist hier die Behandlungsqualität ausschlaggebend: Anfang 2006 hätten wir nicht genügend Fachpersonal mit adäquater Ausbildung für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung gehabt. Für das aktuelle Gesamtkonzept sind insgesamt 5 Fachärzte und 2 zusätzliche Assistenzkräfte (röntgentechnische Assistenz, Pflegeperson) notwendig. In nunmehr wöchentlichen Planungssitzungen wird die Arbeitsgruppe laufend über den aktuellen Ausbildungsstand des vorgesehenen Personals informiert, um mit der Planung effektiv und zügig fortfahren zu können.

V. Bis wann können betroffene Vorarlberger Patienten mit einer durchgehenden Versorgung rechnen?

Es ist der Wunsch aller, so rasch wie möglich zu beginnen, aber wir müssen trotzdem die Dauer der Fachausbildungen berücksichtigen. Wie angekündigt, ist hier durchaus mit Herbst 2006 zu rechnen! Absolut notwendig für die umfassende Planung ist auch ein umfassendes Sicherheitspolster – zum Beispiel bei Personalausfall. Hier sind gute Alternativen angedacht, wie zum Beispiel die vorübergehende personelle Unterstützung durch andere Zentren.

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