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Rechnungshof kritisiert fehlende Strategie bei "Ländle Produkte"

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Während der letzten Wochen prüfte der Landesrechungshof Ländle-Qualitätsprodukte-Marketing. Nun wurde der Bericht der Öffentlichkeit präsentiert.

Während der vergangenen Wochen wurde Ländle-Qualitätsprodukte-Marketing – kurz Ländle-Marketing – einer intensiven Prüfung durch den Landesrechnungshof unterworfen. Die Ergebnisse wurden am Freitag in einer Pressekonferenz mit der Direktorin des Landes-Rechnungshofes Vorarlberg, Dr. Brigitte Eggler-Bargehr, präsentiert.

Pressekonferenz zum Nachsehen

Bei der Ländle-Marketing GmbH handelt es sich um die zentrale Stelle für die Vermarktung und Qualitätssicherung aller landwirtschaftlichen Produkte aus Vorarlberg. Es handelt sich um eine 100-Prozent Tochter der Landwirtschaftskammer Vorarlberg. Gleichzeitig nahmen in den vergangenen fünf Jahren die Förderung der GmbH durch das Land um 60 Prozent zu.

Fehlende Unternehmensstrategie

Kritisiert wird vor allem, dass die Aufgaben, Ziele und Erfolgskriterien von Ländle Marketing alles andere als klar sind. So fehlen seit Jahren sowohl ein Businessplan wie auch eine Unternehmensstrategie. Während die Kontrollen durch Ländle Marketing nicht zu beanstanden sind, sind die Kriterien für die Markenvergabe nicht immer klar geregelt.

Kriterien für Marken den Kunden nicht ersichtlich

Und auch die Markenvielfalt mit unterschiedlichen Voraussetzungen sorge nicht gerade für mehr Transparenz beim Kunden. Auch die Kriterien selbst seien kaum transparent, am Beispiel “Ländle Metzg”: So müsse lediglich über die Theke verkauftes Rind-, Kalb- und Schweinefleisch aus Vorarlberg stammen. Alle anderen Fleisch- und Wurstsorten müssen weder aus Österreich stammen noch besonders gekennzeichnet werden. Selbes gilt für alles, was bei einem eventuellen Catering verkauft wird.

Landwirtschaftskammer sieht erfolgreiche Arbeit

Aus Sicht der Landwirtschaftskammer gibt es keine Zweifel an einer erfolgreichen Tätigkeit des Ländle Marketings. Dies würde die Nachfrage nach heimischen Lebensmitteln belegen. Unter der neuen Geschäftsführung würde auch der geforderte Businessplan umgesetzt wie auch weitere organisatorische Forderungen. Bisher habe man sich an die jährlich aufgestellten Leistungsvereinbarungen mit dem Land orientiert. Bei der Markenentwicklung will die Landwirtschaftskammer sich noch mit Experten und Partnern beraten.

NEOS: “Blindflug beenden”

Die NEOS sparen angesichts des aktuellen Prüfberichts nicht mit Kritik: Es zeige sich ein “gewohntes Bild”. Das Land schütte hohe Summen an Fördergeldern aus – “immerhin 3,57 Millionen Euro allein im Prüfungszeitraum” – nehme aber seine Steuerungs- und Kontrollfunktion nicht oder nur höchst mangelhaft wahr. “Dass es seit einem Businessplan aus dem Jahr 2003 kein abgestimmtes und schriftliches Entwicklungskonzept der LQM mehr gibt – und das obwohl sich Aufgaben und Prioritäten in den Jahren maßgeblich verändert haben – ist bezeichnend. Hier ist man offensichtlich im absoluten Blindflug unterwegs”, kommentiert NEOS-Landwirtschaftssprecherin Martina Pointner den Bericht, der insgesamt 22 Empfehlungen ausspricht.

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Pointner wittert Quersubventionen

Ähnliches gelte offensichtlich auch für die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft, “die sich – dank der hohen Landesförderungen – als durchaus komfortabel erweist”, so die NEOS. “Das Land hat nicht einmal die Jahresabschlüsse der LQM eingefordert, wohl auch daher wurde die finanzielle Lage bei der Bereitstellung von Fördermitteln nie berücksichtigt. So konnten im Prüfungszeitraum überwiegend Überschüsse erwirtschaftet werden – und das trotz höchst großzügiger Personalausstattung von bis zu 6,2 Vollzeitbeschäftigten”, betont Pointner. Der Überschuss komme natürlich direkt dem Eigentümer, der Landwirtschaftskammer, zu gute: “Hier wird also einmal mehr mit zusätzlichem öffentlichen Geld die Kammer quersubventioniert.“

Aber auch inhaltlich und hinsichtlich der Wirksamkeit ihrer Leistung sei die LQM weitgehend planlos unterwegs: Zum einen sei weder die künftige strategische Ausrichtung geklärt, noch seien die zahlreichen Ländle Produktmarken und Siegel durchgängig und einheitlich geregelt. Zum andern würden vorsorglich gleich gar keine messbaren Ziele und Indikatoren definiert.

SPÖ fordert Umsetzung von Rechnungshof-Empfehlungen

Die SPÖ spricht von einigen Fehlentwicklungen, die erstaunlich seien. “Bemerkenswert ist mehrerlei. So hat die Gesellschaft im Prüfungszeitraum trotz überwiegender Jahresüberschüsse ganze 65 Prozent mehr Fördergeld vom Land erhalten als bisher. Und das, obwohl dem Amt der Landesregierung nicht einmal Informationen über die finanzielle Entwicklung vorliegen“, so SP-Landwirtschaftssprecher Reinhold Einwallner. “Das heißt, ein Unternehmen der Landwirtschaftskammer wurde ‚blind‘ mit Steuermitteln subventioniert. Und das noch dazu äußerst großzügig“, gibt er zu bedenken.

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Dass dabei das Land nicht einmal den Aufsichtsratsvorsitz innehat, sei äußerst fragwürdig. “Wenn das Land Geld in so großem Stil ausgibt, soll es auch über notwendige Kontrollmechanismen verfügen“, so der Sozialdemokrat. Bei der Kontrolle liege generell einiges im Argen. So gilt für das Bankkonto nicht einmal das übliche Vier-Augen-Prinzip; stattdessen verfügen die Verantwortlichen über Einzelzeichnungsberechtigungen. “Das ist eigentlich unglaublich. Offensichtlich setzt sich der lasche Umgang der Landwirtschaftskammer in Finanzfragen auch in der Ländle-Marketing GmbH fort“, so Einwallner, der damit auf die nach wie vor fehlende doppelte Buchführung in der Kammer hinweist.

Der rote Landwirtschaftssprecher drängt daher auf die Umsetzung aller 22 Rechnungshof-Empfehlungen.

Grüne: Alle Ländle-Marken brauchen klare Qualitäts-Kriterien

“Der Rechnungshofbericht zeigt einmal mehr, dass nicht die Menge an Siegeln und Marken ausschlaggebend ist, sondern die Qualität, die dahinter steckt. Für Konsumenten muss eindeutig nachvollziehbar und erkennbar sein, was der Vorteil eines Ländle-Produkts ist“, nimmt der Grüne Landwirtschaftssprecher Daniel Zadra zum Landesrechnungshof-Bericht zur Ländle Qualitätsprodukte Marketing Gesellschaft Stellung.

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Der Landesrechnungshof stellt am Beispiel der Ländle Gastronomie fest, dass nicht immer klar geregelt ist, was das Gütesiegel genau bedeutet. “Das hat Auswirkungen. Denn es gibt 17 Marken. Und wenn bei einem Produkt ein Fehler passiert, können Konsumenten auch anderen Produkten nicht mehr vertrauen. Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind ist das höchste Gut einer Marke“, betont Zadra.

Einmal mehr werde sichtbar, dass sich das Ländle Qualitätsmarketing, die Landwirtschaftskammer und das Land als Fördergeber entscheiden müssen, ob Ländle Marketing eine reine Werbeplattform für Vorarlbergs Landwirtschaft oder aber ein Exzellenz-Förderprogramm für die besten Landwirten sein soll. “Wir wollen die besten regionalen Produkte für die Konsumenten. Fördern wir also die besten Branchen und holen wir die besten Landwirte vor den Vorhang“, schließt Zadra.

FPÖ: “Empfehlungen zur Weiterentwicklungen nutzen”

Das Ergebnis der Prüfung der Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH ist ein wichtiger Impuls für die konsequente Weiterentwicklung dieser für die heimische Landwirtschaft wichtigen Gesellschaft. Eine geforderte Schärfung der strategischen Ausrichtung, eine Optimierung der Marken- und Siegelpolitik oder das Vorantreiben der Vertragslandwirtschaft sind Forderungen, die aus freiheitlicher Sicht entscheidend sind und daher auf unsere ungeteilte Zustimmung stoßen“, so die erste Reaktion des Obmannes des Kontrollausschusses im Vorarlberger Landtag, Klubobmann Daniel Allgäuer, auf den heute präsentierten Prüfbericht des Landes-Rechnungshofs.

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“Die 22 ausgesprochenen Empfehlungen müssen daher umfangreich genutzt werden. Die Basis für eine positive Entwicklung der heimischen Landwirtschaft und der Vermarktung der qualitativ äußerst hochwertigen Produkte wurde in den vergangenen Jahren gelegt. Mit der Umsetzung der Empfehlungen des Landes-Rechnungshofes kann diese Entwicklung weiter vorangetrieben und die Position unserer landwirtschaftlichen Betriebe am Markt gestärkt und ausgebaut werden“, so Allgäuer.

“Ich gehe davon aus, dass die Empfehlungen in der zukünftigen Ausrichtung und Arbeit der Ländle Marketing GmbH berücksichtigt werden und das aufgezeigte Optimierungspotenzial genutzt wird“, so der Kontrollausschuss-Obmann abschließend.

ÖVP: LQM Wesentlicher Motor für mehr Regionalität

Der Rechnungshofbericht über die „Ländle Qualitätsprodukte Marketing GmbH“ (LQM) ist aus Sicht von VP-Landwirtschaftssprecher Josef Türtscher insgesamt eine Bestätigung der professionellen Arbeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der kammereigenen Marketingagentur. „Das LQM hat mit der Marke „Ländle“ in Sachen Regionalität für den Konsumenten eine echte Wegmarke geschaffen. Das rechtfertigt auch die bedeutenden finanziellen Zuwendungen des Landes, weil in den vergangenen Jahren gerade die Politik bei Lebensmitteln genau diese Regionalität immer wieder einfordert hat.“

Stärkung der Marke

Die von Seiten des Landes-Rechnungshofes eingeforderte Schärfung der Marke „Ländle“ wird von Türtscher unterstützt: „Das Profil der „Ländle“-Produkte im Sinne von noch mehr Qualität und Regionalität weiterzuentwickeln macht Sinn. Gleichzeitig wird es notwendig sein, die Produzenten in diesen Prozess aktiv einzubinden. Wichtig ist auch, dass dabei die Marktgegebenheiten nicht aus dem Auge verloren werden. Schlussendlich muss der Konsument auch Bereitschaft zeigen, für die gebotene Qualität einen entsprechenden Preis zu zahlen!“

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In der Frage der strategischen Zielsetzungen der LQM, ist der Eigentümer gefordert: „Die Politik definiert laufend neue Aufträge an die LQM. Im kommenden Landtag wird wieder ein entsprechender Antrag beschlossen werden. Hier braucht es eine längerfristige Gesamtstrategie.“

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