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Liszt und Bruckner mit Hochglanz

Der Pianist Benjamin Moser begeisterte das Publikum.
Der Pianist Benjamin Moser begeisterte das Publikum. ©SOV

Im 4. Abo-Konzert des SOV im Montforthaus überraschte ein junger Meisterpianist.

Feldkirch. Das 4. Abo-Konzert des Symphonieorchesters Vorarlberg unter Leitung seines Chefdirigenten Gérard Korsten im ausverkauften Montforthaus stand im Zeichen der österreichischen Großmeister Franz Liszt (1811 -1886, Jahresregent) und Anton Bruckner (1824-1896). Als Solistin bei Liszts erstem Klavierkonzert war die prominente rumänische Pianistin Mihaela Ursuleasa angekündigt; sie musste aber wegen plötzlicher Erkrankung absagen. Ein glücklicher Umstand wollte es, dass das Feldkircher Konzertpublikum die höchst erfreuliche Begegnung mit dem jungen deutschen Pianisten Benjamin Moser erleben konnte, der für seine Kollegin spontan “einsprang”. Nun, der 1981 geborene Münchner Pianist gewann namhafte internationale Wettbewerbspreise und gilt als Spezialist für russische Klaviermusik.
Moser und das SOV leiteten den Ostermontagabend mit dem Konzert für Klavier und Orchester, Nr.1, Es-Dur, ein. Das 1855 in Weimar uraufgeführte Opus steht nach Mozart und Beethoven für einen neuen Typus, denn Liszt komponierte sein erstes Klavierkonzert in fünf ineinanderfließenden Abschnitten, welche thematisch zusammenhängen. Benjamin Moser, das Orchester und Korsten kosteten den effektvollen Glanz des Werks voll aus. Der Solist ließ die pianistischen Kaskaden donnern, versenkte sich aber auch in die köstliche Melodik des “Quasi Adagio”. Für den stürmischen Applaus bedankte sich der junge Meister mit einem innigen “Intermezzo” von Brahms und der sensibel zelebrierten Liszt-Transkription von Richard Wagners “Isoldes Liebestod”.

Bruckner-“Debütant” Korsten

Man mag´s nicht glauben – Gérard Korsten, der vielseitige Maestro, debütiert erst jetzt als Dirigent einer Bruckner-Symphonie. Er wollte sich dafür eben “Zeit lassen”. Und wenn man nun die gewaltige siebte Symphonie in E-Dur von Anton Bruckner, dem “Musikanten Gottes”, unter dem Dirigat Korstens und mit dem wieder einmal exzellent spielenden Symphonieorchester Vorarlberg erleben durfte, spürt man, dass hier ein ebenso großartiger wie auch demütiger Musiker am Pult stand. Der deutsche Dirigent Enoch zu Guttenberg sagte einmal über Bruckner-Interpretationen, man dürfe nicht nur die emporstrebenden Bruckner´schen “Dome” im Auge haben, sondern auch die “Seitenaltäre” darin. Auf Korsten übertragen – er schuf in gewaltigen Steigerungen gewiss himmelstrebende Klang-“Dome”, doch in wunderbarer Feinarbeit mit den einzelnen Instrumentengruppen widmete er sich auch den vielen kleinen Schätzen, die sie bargen. Von düsterem Glanz etwa das “Trauermarsch”-Adagio, gespenstisch die Scherzo-Rasanz, machtvoll gesteigert das Finale als Apotheose des Glaubens und des himmlischen Lichts. Wahre Jubelstürme für einen wohl singulären Konzertabend!

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