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Linzer Brucknerfest mit Blick in "Neue Welten" eröffnet

Van der Bellen eröffnet Brucknerfest
Van der Bellen eröffnet Brucknerfest ©APA (Archiv)
In Linz ist am Sonntag das Internationale Brucknerfest eröffnet worden, das heuer den Titel "Neue Welten - Bruckner und die Sinfonik" trägt. Sowohl Festredner Wolf D. Prix als auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen widmeten sich in ihren Ansprachen neuen Welten abseits der Musik. Van der Bellen hob dabei vor allem die Weiterentwicklung der EU, die Klimakrise und die Digitalisierung hervor.

In einer launigen Rede gratulierte der Bundespräsident dem Brucknerfest und der Ars Electronica - sie hätten viel dazu beigetragen, dass Linz heute nicht nur eine Industrie-, sondern auch eine Kulturstadt sei. Der Ars Electronica wünschte er: "Arbeiten Sie weiter 'Out of the Box'" (so das diesjährige Festivalthema), was er mit "Raus aus der Blase" übersetzte. Seine Würdigung des Festival-Namensgebers verband er mit einem Ausflug in die Ökonomie: Anhand von Anton Bruckner, der in seiner Zeit ein Avantgardist gewesen sei und Impulse für spätere Komponisten gesetzt habe, erklärte Van der Bellen, dass "der Markt ein Wunderwerk ist", aber keine Garantie dafür gebe, "dass echte Leistung noch zu Lebzeiten belohnt wird".

An "Neuen Welten", in die die Politik aufbrechen müsse, nannte er u.a. die Weiterentwicklung der EU. Die Gemeinschaft "weltpolitikfähig" zu machen, sei mit der derzeitigen Struktur der EU nicht möglich. Darüber hinaus müsse man sich mit dem Klimawandel befassen, wobei er diesen Ausdruck als "viel zu euphemistisch" erachte, denn "es ist eine echte Krise". "Produktion und Konsum werden sich deutlich zu verändern haben" und das werde ohne politische Interventionen wohl nicht funktionieren. Eine neue Welt, in die man bereits aufgebrochen sei, sei die Digitalisierung mit ihren "enormen Möglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten". Angesichts dessen, was in der digitalen Welt an Verfälschungen bereits alles möglich sei - "da meine ich gar nicht die Hacker" - sei er "dankbar, dass es klassische Printmedien gibt und, dass es einen staatlichen ORF gibt".

Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) gedachte in seiner Rede dem heuer verstorbenen oberösterreichischen Komponisten Balduin Sulzer und kündigte an, dass das Land in dessen Namen "in regelmäßigen Abständen" einen Preis für Komponisten ausschreiben werde. Darin enthalten solle auch ein Preis für Unter-19-Jährige sein.

Die traditionelle Festrede hielt heuer Wolf D. Prix, Mitbegründer des Architekturbüros Coop Himmelb(l)au, der gemäß des Themas "Neue Welten" eine Lanze für Offenheit gegenüber Neuem und Fremden brach. "Ich fordere die Worte Utopie und Vision zurück in unseren Sprachgebrauch", so der international renommierte Architekt.

Probleme einer komplexen Gesellschaft bräuchten komplexe Lösungen, gab Prix zu bedenken. Diese hätten zwar den Nachteil, sehr schwer kommunizierbar zu sein, "aber komplexe Lösungen sind immer neu, währenddessen einfache Lösungen leicht zu verstehen - Ausländer raus, Grenzen zu, Mauern bauen -, aber nie neu sind. Wir kennen diese Methode von unseligen Zeiten her." Er warnte vor dem Versuch, Stillstand als Reform zu verkaufen, "um dann Mauern zu bauen". Angst solle in einer neuen Welt nichts zu suchen haben, "Angst macht abhängig von Autokraten und Clowns und verhindert Weitsicht", mahnte der Architekt.

Er sehe mit Genuss, "wie sich Teile unserer jungen Mitbürger aus der Bequemlichkeitszone lösen und das Recht auf eine neue und bessere Welt fordern", lobte er die Jugend - um gleichzeitig die Politiker zu tadeln, die "nicht in der Lage sind, ihr Bild einer zukünftigen Welt zu beschreiben". Möglicherweise "aus Angst, nicht verstanden und daher nicht gewählt zu werden" oder, weil sie "im Trubel der sogenannten Realpolitik vergessen haben, wie eine Kultur einer neuen Welt auszusehen hat". Eine neue Welt werde auch nur gelingen, "wenn wir keine Angst vor Fremdheit haben, denn alles Neue ist zuerst mal fremd", so Prix.

Die Veranstaltung wurde musikalisch umrahmt vom Oberösterreichischen Jugendsinfonieorchester unter Gabor Kali und dem Chor V.I.P.-Voices in Progress unter Stefan Kaltenböck, der die Uraufführung eines A-Capella-Stücks über Franz Jägerstätter von Thomas Mandel nach einem Text von Franzobel zum Besten gab. Höhepunkt des heuer von 4. September bis 11. Oktober dauernden Klassik-Festivals wird die Gesamtaufführung aller Sinfonien von Anton Bruckner sein. Das Programm umfasst weiters Chorkonzerte, Kammermusik, Klavierabende sowie ein Symposium zum Thema "Bruckner und die Frauen". Neben dem Linzer Brucknerhaus wird auch die Basilika des Stiftes St. Florian für die Konzerte bespielt.

(APA)

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