AA

Lieber Helsinki als Bregenz

Dornbirn - Fachkräftemangel: Gute Osteuropäer zog’s schon längst nach England und Finnland. Von zwei gegenläufigen Trends geprägt ist der Arbeitsmarkt in Vorarlberg. Beschäftigungsausblick Österreich [.pdf - 362KB]

Während sich die Arbeitslosigkeit in 12 Monaten um 6,3 Prozent verringerte und die Zahl der Stellenangebote um 32 Prozent über Vorjahresniveau notiert, klafft gleichzeitig eine immer größere Lücke bei den Fachkräften – am dramatischsten bei Technikern, IT-Spezialisten und Logistik-Fachleuten.

Suche in Deutschland

Diesen generellen, wiederholt berichteten Trend brachen gestern bei einer Diskussion im Dornbirner Panoramahaus die Personalchefs von Haberkorn-Ulmer Wolfurt und Kranbauer Künz Hard, Ing. Christoph Winder und Mag. Gerold Kaufmann, auf ihr Unternehmen konkret herunter. Bei Künz sucht man vorallemMaschinenbau-Konstrukteure mit HTL-Abschluss sowie gut ausgebildete Schlosser, CNC- und Maschinentechniker wie die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen. Haberkorn-Ulmer wiederum hält händeringend Ausschau nach „HTL-Absolventen, die gerne verkaufen würden, und nach technikbegeisterten HAKAbsolventen“, wie Winder formulierte. Auch die vom größten technischen Händler Österreichs benötigten Logistik-Spezialisten „sind am Markt nicht existent“.

“Überlebensstrategie“ von Künz in diesem Umfeld: Den verstärkt rekrutierten Lehrlingen versucht man schon während dieser Ausbildung „Künz-spezifische Facharbeiterqualifikation mitzugeben“ (Mag. Kaufmann), auch Inserate in deutschen Medien und die Verpflichtung von dortigen Fachhochschul-Absolventen ließen „uns durchaus positive Erfahrungen machen“, so der Personalchef. Haberkorn-Ulmer möchte nicht nur noch Manpower GmbH, dass die österreichische Arbeitsmarktöffnung für Fachkräfte aus Osteuropa für unsere Betriebe a) zu spät kommt und b) kein wirkliches Rezept zur Linderung unseres Spezialistenmangels darstellen dürfte. Die wirklich gut ausgebildeten Polen, Tschechen etc. sind nämlich längst nach England, Irland und Skandinavien übersiedelt, wo sie nicht nur viel mehr verdienen, sondern auch „nachvollziehbar willkommener“ sind als in der Alpenrepublik, die sie lediglich „zum Abarbeiten von Auftragsspitzen“ rufe. Pichorner: „Wenn Sie heute eine Job-Messe ausrichten, stehen am finnischen Stand z. B. 50 Osteuropäer Schlange. Beim österreichischen sind’s vielleicht zwei.“

mehr Lehrlinge einstellen, sondern „in der Wahrnehmung der jungen Menschen so eine Art Blum im kaufmännischen Bereich werden“ (Winder). Auch die Doppelqualifikation durch Gesellenbrief und Maturazeugnis sei in Unternehmen wie seinem „mit Handkuss willkommen“.

Stärker auf 50+ setzen

AMS-Landeschef Anton Strini beschwor einmal mehr den unübersehbaren Zusammenhang zwischen Qualifikation und Betroffenheit von Arbeitslosigkeit. Von „Nur-Pflichtschülern“ sind 16 Prozent ohne Job, von den Topqualifizierten gerade mal 3 Prozent. Als Strategie, dem Fachkräftemangel nicht rettungslos ausgeliefert zu sein, müssten noch viel mehr Firmen als heute noch viel konsequenter als bisher auf das Mitarbeiter-Potenzial im Alter 50+ setzen.

home button iconCreated with Sketch. zurück zur Startseite
  • VOL.AT
  • Vorarlberg
  • Lieber Helsinki als Bregenz
  • Kommentare
    Kommentare
    Grund der Meldung
    • Werbung
    • Verstoß gegen Nutzungsbedingungen
    • Persönliche Daten veröffentlicht
    Noch 1000 Zeichen