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Leverkusen feiert Alonso und gefühlt schon den Titel

Bald wird Alonso mit Leverkusen wohl den Titel feiern
Bald wird Alonso mit Leverkusen wohl den Titel feiern ©APA/AFP
Sehr besondere 28 Stunden haben Bayer Leverkusen am Osterwochenende auf Wolke sieben gehoben. Am Freitag hatte Erfolgstrainer Xabi Alonso verkündet, bei Bayer zu bleiben. Am Samstagnachmittag folgte ein emotionales und im Finish erspieltes 2:1 gegen TSG Hoffenheim, ehe am Abend Verfolger Bayern München gegen Borussia Dortmund mit 0:2 verlor. Der erste Meistertitel in der deutschen Fußball-Bundesliga ist dem lange als Vizekusen verhöhnten Club damit kaum mehr zu nehmen.

"Es ist noch ein bisschen was zu tun", sagte Alonso zur Meister-Frage. Die Meisterschaft doch noch zu verspielen, erscheint aber nur theoretisch möglich - besonders bei einer Mannschaft, die in 39 Pflichtspielen dieser Saison nicht zu schlagen war. In der Bundesliga ließ Bayer in 27 Partien nur acht Punkte liegen. Dazu kommt der Last-Minute-Faktor wie gegen Hoffenheim, als Robert Andrich in der 88. Minute den Ausgleich erzielte und Patrick Schick in der 91. Minute zum Sieg traf. Späte Leverkusener Treffer führten in der Liga zu sieben Punkten mehr.

Bayer reist bei noch sieben ausstehenden Spielen mit 13 Punkten Vorsprung zum Spiel beim 1. FC Union Berlin am kommenden Wochenende, bei optimalem Verlauf aus Leverkusener Sicht könnte der Titelgewinn bereits eine Woche später vor dem Spiel gegen Werder Bremen feststehen. "Es ist wieder ein Spiel weniger, deshalb ist die Situation wieder etwas besser", sagte Alonso trocken nach dem Sieg gegen Hoffenheim.

Der Spanier ist dabei, aus Leverkusen eine Erfolgsstory zu machen, und war bei Bayern München und in Liverpool zum Wunschkandidaten geworden. Entsprechend erfreut nahmen Spieler und Fans das Treue-Bekenntnis auf. An den Eingängen wurden "Danke Xabi"-Schals verkauft, auf den Rängen gab es zahlreiche Plakate mit den Namen des Trainers und Herzen zu sehen. Bei Verkündung der Aufstellung wurde der Coach extra laut gefeiert. Andrich berichtete, Alonso habe "ganz trocken mitgeteilt, dass er nirgendwo hingeht. Wir haben uns gefreut. Jetzt haben wir einen Haken dran, dass er noch eine Saison bleibt. Jetzt wollen wir gemeinsam noch einiges erreichen."

Ganz anders die Gemütslage in München. Die Bayern waren konsterniert. Nicht nur wegen der wahrscheinlich endgültig verspielten Meisterschaft, sondern vielmehr wegen des Auftritts zu Hause im deutschen Klassiker. "Völlig frustrierend, völlig unerklärlich", sagte Joshua Kimmich bei Sky. "Gegen den BVB brauchst du eigentlich keinen, der dich motiviert, da musst von selbst rennen schon einen Tag vorher. Das haben wir überhaupt nicht gezeigt."

In der zweiten Halbzeit habe man "quasi das Gefühl gehabt, es geht um nichts, es ist ein Freundschaftsspiel", fügte der Nationalspieler an. "Unabhängig von der Tabellensituation darf uns das nie und nimmer passieren - und erst recht nicht in einem Heimspiel gegen Dortmund", kritisierte Kimmich schonungslos und forderte eine schnelle Verbesserung.

Denn auch wenn der Meistertitel wohl passe ist, in der Champions League sind die Bayern noch im Rennen. In etwas mehr als einer Woche steht das erste Viertelfinal-Duell mit dem FC Arsenal an. "Zuversichtlich macht mich heute im Moment gar nichts, aber sobald wir am Dienstag wieder ins Training einsteigen, alles. So ist das Geschäft. Wir können unsere Leistung heute berechtigterweise komplett zerlegen und können trotzdem im nächsten Spiel wieder eine tolle Leistung zeigen", erklärte Routinier Thomas Müller.

Für Trainer Thomas Tuchel ist es die letzte Chance, sich mit einem Titel aus München zu verabschieden. Der Bayern-Coach gratulierte Leverkusen bereits zur Meisterschaft und haderte mit dem unerklärlichen Leistungsabfall seiner Elf. "Es ist schwer zu erklären und natürlich absolut zu wenig", sagte Tuchel. "Ich dachte, dass wir da nicht mehr zurückgehen zu diesem Punkt. Da habe ich offensichtlich nicht recht gehabt", erklärte der Trainer.

Die Suche nach seinem Nachfolger läuft auf vollen Touren und ist Aufgabe von Sportvorstand Max Eberl. "Ich habe tatsächlich Freunden von mir geschrieben: "Ihr sucht am Sonntag Eier, und ich suche den Trainer." Die Arbeit geht weiter", sagte Eberl lächelnd im Interview des ZDF-Sportstudios.

Zu den in Medien gehandelten Kandidaten wie Bundestrainer Julian Nagelsmann wollte er sich aber wie zuvor schon nicht äußern. "Ich weiß, dass es jeden interessiert, aber es ist noch nicht der Punkt, wo man sagen kann, man kann offensiver werden", sagte Eberl: "Wir checken, wir prüfen, wir sind uns klar, was wir wollen und versuchen, das umzusetzen".

(APA/dpa)

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