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Letzte jüdische Siedler verlassen ihre Heimat

Die israelischen Behörden haben am Montagnachmittag mit der Evakuierung der letzten jüdischen Siedler aus dem Gaza-Streifen begonnen. Dies berichtete ein Korrespondent der französischen Presseagentur (AFP).

Nach 38 Jahren Besatzung hat Israel sich vollständig aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen. Am Montagnachmittag verließen die letzten 600 Einwohner in Bussen friedlich die jüdische Siedlung Netzarim. Dort gab auch Polizeichef Uri Bar-Lev den Abschluss der Räumungsaktion am frühen Abend bekannt. Die erste Räumungsphase sei damit abgeschlossen, sagte der zuständige israelische Kommandant, General Dan Harel. Es war das erste Mal, dass Israel besetztes palästinensisches Gebiet verlassen hat.

Die Evakuierung betraf 8.500 Bewohner von insgesamt 21 Siedlungen. 1.500 Abzugsgegner hatten gegen die Räumung, bei der rund 50.000 Sicherheitskräfte zum Einsatz kamen – teils gewaltsam – protestiert. Der am vorigen Mittwoch begonnene Abzug ging weitaus schneller vonstatten als zuvor mit drei Wochen veranschlagt.

In der Früh war die israelische Armee in Netzarim eingedrungen und hatte die noch verbliebenen Siedler aufgefordert, ihre Sachen zu packen und die Siedlung zu verlassen. Obwohl die Bewohner von Netzarim sich besonders heftig gegen die Räumung gewehrt hatten, leisteten sie am Schluss kaum Widerstand.

Hinter Thora-Rollen und einem hölzernen Kandelaber zogen die Bewohner von Netzarim durch ihre Siedlung, um Abschied zu nehmen. Zum Mittagsgebet versammelten sich Hunderte in der Synagoge, bevor sie mehr als 30 gepanzerte Busse bestiegen und nach Israel gebracht wurden. Die Siedler hatten den friedlichen Abzug zuvor mit den Streitkräften ausgehandelt. Einige Bewohner versuchten bis zuletzt, die Wirklichkeit zu ignorieren. So waren sie zum Beispiel noch mit der Reparatur eines Daches beschäftigt.

Netzarim war in den letzten Jahren immer wieder Ziel von Angriffen palästinensischer Extremisten. Rund 550 Soldaten standen zum Schutz der Siedlung bereit. Mit Netzarim verschwindet eine Siedlung im Gaza-Streifen, die den Palästinensern ein besonderes Ärgernis war: Weil es zum Schutz der Siedler oft Straßensperren gab, gerieten Autofahrten rund um Netzarim zu einer Geduldsprobe.

Unterdessen richteten sich die Blicke auf das Westjordanland. Dort soll am Dienstag die Räumung der beiden Siedlungen Sanur und Homesh beginnen. Dabei befürchten die Streitkräfte gewaltsame Auseinandersetzungen mit rund 2.000 jugendlichen Ultra-Nationalisten, die nach Angaben aus Sicherheitskreisen Handgranaten, Tränengas, Metallprojektile und andere Waffen gehortet haben.

Mehr als 5.000 Soldaten wurden ins Westjordanland verlegt und haben Stellung um die beiden Siedlungen bezogen. „Wir sind auf alle Eventualitäten vorbereitet“, sagte ein Sprecher der Polizei, „Wenn sie Pistolen haben, werden wir mit ihnen über die Herausgabe verhandeln.“ Nach Einschätzung der Sicherheitskräfte halten sich in Homesh rund 1.200 Menschen auf, in Sanur mindestens 650.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas sagte, es sei den palästinensischen „Märtyrern“ zu verdanken, dass Israel sich aus dem Gaza-Streifen zurückgezogen habe. „Die Verletzungen, die ihnen zugefügt wurden, sind Medaillen“, erklärte er bei einem Treffen mit Palästinensern, die im Palästinenseraufstand seit September 2000 verletzt wurden und Behinderungen davontrugen. „Sie werden dafür heute durch den Abzug des letzten Siedlers entschädigt.

Nach einem Bericht des israelischen Militärrundfunks errichten evakuierte Siedler zwei Zeltcamps an der Grenze zum Gaza-Streifen, um gegen die ihrer Meinung nach unzureichende Angebote der Regierung für ihre Unterbringung zu protestieren. Israels Ministerpräsident Ariel Sharon sprach von einem politischen Trick, um Sympathien zu gewinnen.

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