LeinwandLounge: Cineastische Highlights

Die sehr erfolgreiche Veranstaltungsreihe „LeinwandLounge“ besteht heuer seit nunmehr fünf Jahren. Kulturvermittler Wolfgang Maurer hat mit diesem Veranstaltungsformat neue Akzente im kulturellen Geschehen der Stadt Bludenz gesetzt.

Die LeinwandLounge ist mittlerweile ein fixer Bestandteil des kulturellen Lebens in Bludenz. In 14-tägigem Rhythmus wird der Saal der Remise Bludenz hierfür in einen Kinosaal umgewandelt. Die jeweiligen Filme werden in der Originalsprache mit Untertiteln gezeigt, die Kriterien für die Filmauswahl garantieren Filme auf einem hohen Niveau. Wolfgang Maurer, Obmann des Kulturvereins allerArt, war der Initiator dieses sehr erfolgreichen Formats.

Wie entstand das Projekt LeinwandLounge?

Wolfgang Maurer: Wir haben im Vorstand von allerArt Bludenz darüber diskutiert, dass im Kulturangebot der Stadt Bludenz so etwas wie ein Programmkino, das sich der Kunstform Film widmet, fehlt und wollten dies ändern. Da auch die Kulturabteilung der Stadt Bludenz und des Landes Vorarlberg dies so sahen und das Projekt unterstützten, konnten wir die entsprechenden Anschaffungen tätigen und im Herbst 2016 mit der LeinwandLounge starten.

Aus welchem Grund haben Sie sich für den Remise-Saal als Aufführungsort entschieden, da ja in Bludenz bereits ein Kino zur Verfügung stand?

Wolfgang Maurer: Ursprünglich wollten wir die LeinwandLounge im Invalidenkino in Bludenz ansiedeln, aber wir sind vor allem aufgrund von „terminlichen“ Schwierigkeiten mit Michael Wieser nicht zu einer Einigung gekommen. Er konnte uns wegen rechtlicher Verpflichtungen gegenüber großen Verleihfirmen keinen fixen Tag und keine fixe Uhrzeit zusagen, was uns für den Erfolg des Projekts unabdingbar schien. Die Adaptierungen im Saal der Remise halten sich im Rahmen: Der Projektor hat seinen fixen Platz in der Regiekabine, sodass wir in technischer Hinsicht „nur“ das in der Remise vorhandene Soundsystem für den jeweiligen Film „adaptieren“ müssen. Die große Leinwand ist ebenfalls vorhanden; am meisten Arbeit ist es, die bequemen LeinwandLounge-Stühle, die kleinen Beistelltische und die Bar aus dem Keller zu holen und aufzustellen.

Kam das Format von Anfang an bei den Besuchern gut an?

Wolfgang Maurer: Die LeinwandLounge ist von allem Anfang an sehr gut angenommen worden. Das liegt zuallererst an der Auswahl und der Qualität der Filme, dann am Ambiente, das wir schaffen: Der Veranstaltungssaal der Remise, der für sich schon ein Schmuckstück ist, verwandelt sich mit der bequemen LeinwandLounge-Bestuhlung und der roten Bar in einen großzügigen Kinosaal. Die ausgezeichnete Qualität der Getränke spielt sicher auch eine Rolle. Ganz wichtig ist auch die Beginnzeit: Wir spielen jeden zweiten Mittwoch um 19 Uhr. Diese Beginnzeit, die früher liegt als bei den meisten anderen Programmkinos im Land, wird von den Besuchern sehr geschätzt, weil man im Anschluss an den Film auch noch zusammensitzen, etwas trinken und über den Film reden kann, ohne dass man dann nach Mitternacht ins Bett kommt.

Welche Kriterien spielen bei der Filmauswahl eine Rolle?

Wolfgang Maurer: Die Filme, die wir in der LeinwandLounge zeigen, werden von Walter Gasperi ausgewählt. Qualität steht an erster Stelle, dazu gehört auch, dass alle Filme eine thematische Relevanz für das Hier und Jetzt und Heute haben. Dann achtet Walter Gasperi darauf, dass Filme aus den unterschiedlichsten Weltgegenden dabei sind, was ebenfalls sehr interessant ist, denn unsere Film-Sehgewohnheiten sind doch sehr vom amerikanischen und vom zentraleuropäischen Kino beeinflusst. Außerdem zeigen wir Filme aus unterschiedlichen Genres, vereinzelt auch herausragende Dokumentarfilme. So war etwa unser größter Publikumserfolg eine Dokumentation, nämlich „The Happy Film“ von Stefan Sagmeister.

Das Medium Film verfügt über eine ganz eigene Anziehungskraft. Worin besteht diese bei Ihnen?

Wolfgang Maurer: Zuallererst muss ich sagen, dass sich für mich die Faszination Film nur im Kino einstellt. Da bin ich absolut „Old- School“ – ich verstehe die jungen Leute nicht, die sich Filme am Smartphone anschauen. Ich brauche die große Leinwand, ein gutes Glas Wein, Leute um mich herum, die sich ebenfalls auf den Film freuen, das Ausgehen des Lichts im Saal, ein oder zwei Vorschauen auf die nächsten Filme – und dann kann es losgehen. Die Faszination Film besteht für mich aus vielen Komponenten: Im Film gibt es so viele kreative Möglichkeiten eine Geschichte spannend zu erzählen: Da ist für mich an erster Stelle die Kunst der Schauspieler: Man muss einfach Anthony Hopkins und Olivia Colman in The Father auf der großen Leinwand gesehen haben, um zu wissen, was große Schauspielkunst ist. Regie, Schnitt, die Filmmusik und all die Möglichkeiten, eine Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und auf verschiedenen Zeitebenen zu erzählen, machen für mich einen Film zu einem Gesamtkunstwerk.

Darf man einen Cineasten wie Sie nach einem Lieblingsfilm fragen? Oder können Sie ein Genre nennen, für das Sie ein besonderes Faible haben?

Wolfgang Maurer: Diese Frage ist für mich nicht zu beantworten, weil Filme auf so unterschiedliche Art und Weise gut sein können. Wenn ich dennoch einen Namen nennen sollte, so würde ich wohl David Lynch sagen, weil seine Filme – auch wenn ich sie mehrere Male anschaue – immer noch ein Rätsel in sich bergen.

Auf welchen Film freuen Sie sich im aktuellen Programm ganz besonders?

Wolfgang Maurer: Ich freue mich auf Hinterland von Stefan Ruzowitzky, den wir am 19. Jänner im Programm haben.

WOLFGANG MAURER
Geboren 26. August 1955
Familie Verheiratet
Wohnort Bludenz

Beruflicher Werdegang Lehrer am BG Bludenz für Deutsch, Psychologie, Ethik, Philosophie und Geschichte. Kulturamtsleiter der Stadt Bludenz von 2001 – 2006.
Obmann von allerArt Bludenz seit 2014.
Hobbys Lesen, Musik hören, Filme, Ausstellungen, Wandern, Tennis

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