Leichte Entspannung im Vorarlberger Straßenstreit

Vorarlberger Verkehrszukunft mit Fragezeichen
Vorarlberger Verkehrszukunft mit Fragezeichen ©APA/JOCHEN HOFER
Die Vorbereitungen für die Bodensee-Schnellstraße S18 in der Variante CP werden von der Asfinag trotz der Evaluierung durch Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) ohne Unterbrechung fortgeführt. Das war laut Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) ein wesentliches Ergebnis eines etwa einstündigen Gesprächs mit der Ministerin am Montag, an dem auch Lustenaus Bürgermeister Kurt Fischer (ÖVP) teilnahm. Die Gesprächsatmosphäre war laut Wallner "vernünftig".

Die Prüfung des Straßenbauprojekts S18, das die Autobahnnetze Österreichs und der Schweiz verbinden soll, durch das Ministerium hatte im Sommer in Vorarlberg für großen Unmut gesorgt. Im Juli wurde Gewessler durch einen Entschließungsauftrag des Parlaments beauftragt, eine rasche und umfassende Lösung zur Verkehrsentlastung für Vorarlberg zu finden. Im Land wurde dadurch nicht nur eine Gefährdung des Projekts insgesamt, sondern auch eine Verzögerung der Vorbereitungen für die von der Asfinag favorisierte CP-Variante befürchtet. Zumindest diese Bedenken wurden bei dem Gespräch aus dem Weg geräumt.

Laut dem Entschließungsantrag sollen auch möglichst rasch umsetzbare Alternativen zur seit Jahrzehnten in Planung befindlichen S18-Schnellstraße genauer analysiert werden, insbesondere eine Verbindung bei Hohenems und Diepoldsau (CH). Dass das Ministerium auch diese Variante prüfe, nehme er zur Kenntnis, sagte Wallner - es müsse aber klar sein, dass es sich dabei nur um eine lokale Entlastungsmaßnahme und keinen Ersatz für die S18 handeln könne. Er forderte zudem Details über die Evaluierung, die laut Ministerium bis 2022 abgeschlossen sein soll.

"Ich war heute in Lustenau und durfte mir selbst ein Bild machen - dafür sind wir fast zwei Stunden durch das Auer Ried geradelt. Wir haben uns die unberührte Natur angeschaut, aber auch gesehen, was die viel zu vollen Straßen für die Menschen vor Ort bedeuten", erklärte Ministerin Gewessler nach dem Gespräch. Es brauche eine "vernünftige Lösung, die beides schafft: Naturschätze erhalten und die Menschen rasch von der Transitlawine entlasten." Genau das solle die Prüfung von Alternativen bringen. Dass die Zeit dränge, sei ihr klar.

Seit über 50 Jahren werden Pläne für die Bodensee-Schnellstraße S18 gewälzt und wieder verworfen. 2006 wurde die damalige Variante der S18 - sie hätte oberirdisch durch die letzte im unteren Vorarlberger Rheintal erhalten gebliebene Ried-Landschaft geführt - vom Verfassungsgerichtshof gekippt. Als Optionen blieben nach einer Neu-Aufgleisung zunächst eine 7,5 Kilometer lange das Ried querende Straße samt Untertunnelung eines Natura 2000-Schutzgebiets (Variante Z) sowie eine 8,6 Kilometer lange Ostumfahrung von Lustenau (Variante CP). Das Land hatte sich für die Z-Variante ausgesprochen, die Asfinag legte sich aber im November 2020 auf die Variante CP fest. Das nahm das Land zwar pragmatisch zur Kenntnis, bei Anrainern und der Gemeinde Lustenau ließ die Entscheidung aber neuerlich die Wogen hochgehen, umso mehr, da die Asfinag bisher keine genauen Daten zur Trassenführung herausgab.

Dass das seit Jahrzehnten diskutierte, bis zu 1,5 Mrd. Euro teure Projekt überhaupt auf dem Prüfstand steht, sorgte im Land für großen Unmut. Anrainer, Wirtschaftstreibende sowie ÖVP und FPÖ kritisierten Ministerin Gewessler scharf. Die Grünen zeigten sich bezüglich der Aufregung verwundert. Die Ministerin nehme die Klimaziele 2040 ernst und mache nur ihren Job.

(APA)

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