Lehrlings-Alarm bei Hundstorfer

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ÖGB-Loacker und AK-Hämmerle sehen "Zukunft der Jugend grob fahrlässig gefährdet" und wenden sich deshalb in einem offenen Brief an Sozialminister Hundstorfer.
Der offene Brief

Nicht mehr länger zusehen, wie das Lehrstellenangebot österreichweit dramatisch schrumpft und die Bundesregierung durch Untätigkeit „die Zukunft unserer Jugend grob fahrlässig aufs Spiel setzt“, wollen die Vorarlberger Spitzen der Arbeitnehmer-Interessensvertretungen, AK-Präsident Hubert Hämmerle und ÖGB-Landesvorsitzender Norbert Loacker. In einem offenen Brief an den zuständigen Arbeitsminister Rudolf Hundstorfer, der auch an Kanzler und Vizekanzler gerichtet ist, fordern sie die „umgehende Reparatur des Jugendbeschäftigungspakets“ und eine Reaktivierung des Blum-Bonus, wobei der vom ursprünglichen Bonus-Modell verbliebene karge Rest um zusätzliche Komponenten ausgeweitet gehöre.

“Auf ein Schreiben ähnlichen Inhalts direkt an Kanzler Faymann habe ich bis heute nicht eine Zeile als Antwort erhalten. Nachdem Minister Hundstorfer aber ausgerechnet in den ,VN’ beteuerte, unter keinen Umständen auf das Knowhow von Egon Blum verzichten zu wollen, werden wir jetzt in der Angelegenheit solang insistieren, bis man auch in Wien den Ernst der Lage erkennt und angemessen reagiert“, signalisierte Loacker im Gespräch mit uns Entschlossenheit.

Der Ernst der Lage ist Hämmerle zufolge „schon fast für Blinde einsichtig. Während Vorarlberg noch im Sommer immerhin einziges Bundesland mit steigenden Zahlen der Erstjahr-Lehrlinge war, ist ihre Zahl seit neuestem auch bei uns um 4,5 Prozent rückläufig. Bundesweit gab’s im August um 5587 betriebliche Ausbildungsplätze weniger als 12 Monate davor, und das, obwohl die Arbeitgeber im Abtausch gegen Einführung der unsinnigen Lehrlingskündigung 5000 zusätzliche Lehrstellen versprochen hatten.“ Das bezeuge, welchen Bärendienst Bundessozialpartner und Bundesregierung der dualen Ausbildung mit der Demontage des Blum-Bonus erwiesen haben, grollte Hämmerle.

AK- und ÖGB-Chef sind sich einig: Überbetriebliche Ausbildungszentren, auf die sich die Wiener hinausreden, vermitteln Pseudo-Ausbildungen, die jungen Menschen auf dem Arbeitsmarkt keine echten Chancen eröffnen“. Denn es gebe, erstens, viel zu wenige davon, zweitens deckten diese nur einen Bruchteil der 250 Lehrberufe ab, drittens sei dort vollwertige duale Ausbildung nicht möglich.

Wenn sich Hundstorfer bzw. die Regierung Faymann/Pröll nicht den Vorwurf einhandeln möchten, “durch Untätigkeit grob” fahrlässig gegenüber unserer Jugend zu handeln”, müssen sie Loacker und Hämmerle zufolge “als erste Sorfortmaßnahme” einen um die drei Komponenten Zusätzlichkeits-, Treue- und Qualitätsbonus aufgewerteten “Blum-Bonus neu” ins Leben rufen. Der Zusätzlichkeits-Bonus (3000 Euro) solle jene Unternehmen belohnen, die ihren Lehrlingsstand gegenüber dem Vorjahr erhöhen, der Treue-Bonus (2000 Euro) solche, die ihren Lehrlingsstand auf Vorjahresnveau halten. Den Qualitäts-Bonus (3000 Euro) sollen jene Betriebe kassieren, die ihre Lehrlinge zu Mitte der Lehrzeit einem Qualifikationscheck unterziehen, weil das die Ausbildungsqualität nachweislich steigere.

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