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Drogen-Großprozess in Klagenfurt vertagt

Auf der Anklagebank sitzen 20 Personen
Auf der Anklagebank sitzen 20 Personen ©APA
Wegen Suchtgifthandels im großen Stil haben sich am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt 20 Männer vor einem Geschworenensenat verantworten müssen. Den Männern, die allesamt aus Afrika kommen, wird vorgeworfen, über eine firmenartige Struktur Heroin und Kokain verkauft zu haben. Wegen der Schwere der Delikte droht den drei Männern, die als Köpfe der Bande gelten, lebenslange Haft. Der Prozess wurde vertagt, mit einem Urteil wird nicht vor Jänner 2021 gerechnet.

Staatsanwältin Daniela Zupanc beschrieb in ihrem Anklagevortrag zum Prozessauftakt, wie die Bande vorgegangen sei, um "in einer in Kärnten noch nie da gewesenen Form" Drogen zu verkaufen, wie sie es formulierte. Die drei Männer, die sie als Haupttäter ausmacht, seien die Chefs gewesen. Sie hätten Bodypacker eingeteilt, die Heroin und Kokain aus Italien und Wien holten. In Kärnten seien die Drogen abgewogen, verpackt und an Verteiler weitergegeben worden, die wiederum Läufer mit dem Suchtgift zu den Abnehmern geschickt hätten. Eine Rolle habe auch ein 67-Jähriger gespielt, der das eingenommene Geld verwaltet habe. Laut Anklage habe er es unter anderem Schleppern zukommen lassen, die die Männer nach Europa geschleust hatten und bei denen sie noch Schulden hatten.

Der Anklage lagen lange Ermittlungen zugrunde, erklärte Zupanc. Im Rahmen von Telefonüberwachungen ordnete man 51 Telefonnummern den Angeklagten zu. "Sie haben ständig die Rufnummern gewechselt, also die SIM-Karten ausgetauscht", sagte die Staatsanwältin. 32.000 Gespräche und 12.500 Textnachrichten wurden ausgewertet: "Rund die Hälfte hatte suchtgiftrelevanten Inhalt."

Das System mit Verteilern und Läufern bezeichnete Zupanc als "geradezu typisch". Das habe auch dazu geführt, dass die Läufer nur wenig oder gar keinen Kontakt zu den Bossen hatten. Für eine Verurteilung wegen krimineller Vereinigung sei das aber auch gar nicht nötig: "Entscheidend ist nur, dass sie wussten, dass sie Teil einer riesengroßen Struktur sind." Man habe es hier nicht nur mit "ein bissl Drogenverkauf" zu tun, sondern mit Schwerstkriminalität, appellierte Zupanc an die Geschworenen.

Die Verantwortung der Angeklagten, die meisten sind im Alter von Mitte 20 bis Mitte 30, fiel unterschiedlich aus. Neun von ihnen - unter ihnen auch die drei Hauptangeklagten und der von der Staatsanwaltschaft als "Geldverwalter" bezeichnete Mann - bestritten jede Schuld. Ihre Verteidiger bemängelten etwa die Ergebnisse der Telefonüberwachung, die keine eindeutigen Schlüsse auf organisierten Drogenhandel zulassen würden. Außerdem würden die ärmlichen Verhältnisse, in denen die Angeklagten gelebt hätten, nicht zu den Vorwürfen passen. Einige von ihnen seien Analphabeten, sie hätten auch nicht das wirtschaftliche Talent, einen so professionellen Drogenring zu leiten.

Zehn weitere Angeklagte gaben zwar zu, mit Heroin und Kokain gehandelt zu haben. Die meisten wiesen jedoch die ihnen zur Last gelegten Mengen zurück. Mitglied in einer kriminellen Vereinigung will keiner von ihnen gewesen sein. In diesem Zusammenhang verwiesen gleich mehrere Verteidiger darauf, dass es sich bei ihnen lediglich um "kleine Fische" gehandelt habe, die teils aus Geldnot heraus mit kleinen Mengen zu dealen begonnen hätten.

Ein Angeklagter jedoch bekannte sich schuldig. "Er hat bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt, sowohl was die Organisation als auch was ihn selbst betrifft", sagte der Verteidiger des 22-Jährigen. Der Mann habe sämtliche Ermittlungsergebnisse bestätigt und auch zu den Ermittlungen beigetragen. Der 22-Jährige wurde am Dienstagnachmittag als erster durch den Geschworenensenat einvernommen, und zwar in Abwesenheit der anderen Angeklagten.

Dabei meinte er zwar, dass er nichts von einer kriminellen Organisation gewusst habe. Allerdings gab er zu, dass er wohl mehr als ein Kilogramm Heroin weitergegeben habe. Er bestätigte auch, dass er die Drogen teilweise von Mitangeklagten erhalten und andere mit Deals beauftragt hätte. Einen der mutmaßlichen Bosse hatte er als "First Big Man" in seinem Handy abgespeichert. Er sagte auch, dass er das Geld an den 67-Jährigen abgeben habe müssen.

Weiters zur Sprache kam die Tatsache, dass in den Telefonüberwachungen nie Worte wie "Drogen", "Kokain" oder "Heroin" auftauchten. Das erklärte der Angeklagte damit, dass man Codes verwendet habe. Ging es um Heroin, verwendete man die Bezeichnung "Our Land", bei Kokain "Your Land". Denn: "Heroin ist braun, Kokain ist weiß."

Die Einvernahme der Angeklagten wird am Donnerstag fortgesetzt. Insgesamt sind vorerst 20 Verhandlungstage anberaumt.

(APA)

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