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Leben hinter der Friedhofsmauer

Friedhöfe sind Orte der Stille und Besinnung - nicht nur an Allerheiligen. Vor diesem Fest jedoch herrscht auf dem Bregenzer Friedhof St. Gallus reges Treiben. Gottesdienste zu Allerheiligen [.pdf - 84KB]

Menschen mit Gestecken treten durch das schmiedeeiserne Eingangportal, andere füllen gelbe Gießkannen, lockern die Erde und pflanzen Erikastöcke oder Chrysanthemen. Morgen ist Allerheiligen. Bis dahin soll das Grab seinen winterlichen Glanz erhalten haben.

Für viele allerdings nicht der wahre Grund, warum sie hier sind. Hier am Friedhof, dem Ort der Stille und Besinnung, wird der Tod zur gegenwärtigen Realität. Versteckt sich nicht hinter der Geräuschkulisse des Alltags.

Platz für Gefühle

Es ist, als prallt alles an den Friedhofsmauern ab und dahinter ist der Platz für Gefühle. Für Angelika Homann war es anfänglich schwer, hierher zum Grab des Schwiegervaters zu kommen. Zu sehr schmerzte die Endgültigkeit. „Er war ein Bilderbuch-Vater“, beschreibt sie Fritz Homann, „ein Herzensmensch.“ Er habe mit beiden Beinen im Leben gestanden. „Sechs Jahre ist es nun her, dass er seinem Krebsleiden erlag, doch der Schmerz geht nie vorbei“, erklärt sie, „wir vermissen ihn sehr.“

Stück Heimstätte

„Der Tod hinterlässt eine Lücke, die man nicht mehr schließen kann“, beschreibt Gerlinde Heim ihre Gefühle. Jeden Tag findet man sie hier am Grab ihres Mannes. Seit sechs Jahren. Ihr Mann, Gustav Heim, habe sie ganz plötzlich verlassen, ohne jede Möglichkeit, sich zu verabschieden. „Das macht’s besonders schwer.“ Geblieben sind die gemeinsamen Erinnerungen und das lieb gewonnene Ritual. Hier am Grab fühlt sie sich ihm nahe. „Es ist mir ein Stück Heimstätte geworden“, verrät sie.

Familie Kogler ist eigens aus Amstetten angereist. „Der Besuch des Grabes war meiner Schwester sehr wichtig“, berichtet Herbert Kogler. Christine Bernroider ist krank und nicht mehr in der Lage, sich in ihrer Bregenzer Wohnung selbst zu versorgen. Ihr Bruder hat sie zu seiner Familie nach Amstetten geholt. Teilnahmslos sieht sie zu, wie die Schwägerin und deren Tochter die Erde vom Laub befreien. Eine Sisyphusarbeit im Regen des herabfallenden Laubes. Und doch ist da was in ihrem Gesicht – ein kaum merklicher Ausdruck der Zufriedenheit.

Und so stecken hinter jedem der Gräber Geschichten – die der Toten und die der Lebenden.

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