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Leben an der Rennstrecke

©Sams
Autorennen, Lärm, Müll, Drohungen: Hafen-Anrainer in Hard schlagen Alarm – auch wegen fehlender Hilfe.

von Anja Förtsch/Wann & Wo

Ein Büro am Harder Hafen, Montagabend: Krisensitzung. Mindestens 20 Menschen müssen sich versammelt haben angesichts der lauten Diskussion darin. Tritt man ein, sieht man nur eine Handvoll Anwohner – deren Wut aber der Lautstärke nach für zwei Dutzend reicht. Um zu wissen, worüber die Harder sich so aufregen, braucht man nur aus dem Fenster zu sehen: Auf dem großen, öffentlichen Parkplatz am Thaler-Areal stehen gleich mehrere, teils getunte Autos. Laute Musik dringt aus den offenen Fenstern, der Boden ist übersät mit Zigarettenstummeln, hin und wieder fahren Wagen mit quietschenden Reifen und deutlich mehr als den erlaubten 30 Stundenkilometern an dem Parkplatz vorbei.

Bedroht und schikaniert

„An den Wochenenden und teils unter der Woche trifft sich hier diese Raser-Clique. Zehn bis 20 Autos stehen regelmäßig dort“, klagt eine Anwohnerin gegenüber WANN & WO. Die Kohlplatzstraße zwischen dem Café am See und dem Thaler-Areal sei deren Rennstrecke, auf gut 100 Stundenkilometer schätzen die Anwohner die Geschwindigkeiten, die dort gefahren werden. Das sei ihnen auch bei einer der bereits mehrfach abgehaltenen Anwohnerversammlungen mit der Gemeinde gesagt worden, auf Grundlage einer testweisen Geschwindigkteitsmessung vor Ort. Mehrfach habe man die Polizei gerufen, sich an die Gemeinde gewandt, passiert ist: nichts, so die Anrainer. „Es wurden einmal Flutlichter aufgestellt. Aber die Raser haben die lediglich dazu benutzt, um ihre Autos darin zu präsentieren und zu fotografieren“, erzählt ein Anderer. „Wir verstehen nicht, warum man hier keine Radarbox aufstellt, keine Schweller auf der Straße anbringt oder zumindest öfter kontrolliert.“ Seinen Namen will niemand aus der Gruppe in der Zeitung lesen – aus Angst vor Übergriffen. „Einmal bin ich hinübergegangen und wollte die Leute zur Rede stellen. Da kam einer auf mich zu und hat mir das Telefon aus der Hand getreten“, erzählt ein Anwohner. Alle kennen ähnliche Geschichten: von Drohungen, von Rasern, die plötzlich vor ihren Gartenzäunen oder Haustüren stehen, von Hupkonzerten vor ihren Fenstern. „Wenden wir uns an die Polizei, verweist die auf die Gemeinde. Gehen wir zur Gemeinde, schickt die uns zur Polizei. Wir kommen uns langsam wirklich veralbert vor“, schimpft eine der Anrainerinnen. „Das ‚lebenswerte Hard‘, wie es sich selbst bezeichnet, ist es für uns schon lange nicht mehr.“ Wer die vermeintlichen Raser überhaupt sind? „Da sind überwiegend Nummernschilder aus St. Gallen, Lindau oder Tirol dabei“, sagen die Anwohner. Den Harder Tunern um die Procharged-Werkstatt jedenfalls sind die Treffen nicht bekannt. „Ich war noch nie selbst dort oben und habe auch noch nichts in der Richtung gehört“, so Helbock gegenüber WANN & WO

Polizei sieht kein Problem

Die Harder Polizei kann die Aufregung der Anwohner nicht nachvollziehen: „Dort treffen sich nicht bis zu 20 Autos, sondern vielleicht zwei bis fünf. Von einer Tuning-Szene kann gar keine Rede sein“, sagt ein Sprecher auf Anfrage von WANN & WO. Auch von Rennen zu sprechen, hält man für übertrieben: Eine kürzliche Geschwindigkeitsmessung über vier Stunden habe kaum Überschreitungen ergeben. „Von aggressivem Verhalten oder von Drohungen haben wir ebenfalls noch nie gehört.“ Zudem sei es nicht verboten, sich auf einem öffentlichen Parkplatz zu treffen. „Damit wir gegen die Treffen vorgehen könnten, müsste die Gemeinde eine Schranke installieren oder eine Nachtruhe verhängen“, so die Polizei weiter, „aber das will die Gemeinde ja nicht.“ Diese aber widerspricht: „Derzeit prüfen wir Möglichkeiten, um mit baulichen Maßnahmen das Straßenbild zu verändern und so das Geschwindigkeits-
regime zu verringern“, sagt Markus Gritschacher, Obmann des Harder Mobilitätsausschusses, auf WANN & WO-Anfrage. „Eine Sperrung des Parkplatzes ist leider nicht umsetzbar, da die Parkplätze auch von Benutzern der Hafenanlagen, Besuchern der benachbarten Gastronomiebetriebe, sowie Besitzern von Dauerparkkarten benötigt werden.“ Außerdem habe man bereits reagiert: „Die Gemeinde hat im Hinblick auf die Vermüllung eine Littering-Verordnung erlassen. Weiters wurde eine Detektei damit beauftragt, hier speziell in den Nachtstunden verstärkt zu patrouillieren. Auch werden von der Polizei regelmäßig Geschwindigkeitskontrollen, sowie Kontrollen der Fahrzeuge hinsichtlich ihrer technischen Verkehrsmäßigkeit durchgeführt.“

Sorgen um Außenwirkung

Für Burkhard Wiedenbauer, Harder Hafenmeister und Obmann des Fischereivereins Hard, sind gar nicht die vermeintlichen Rennen das größte Problem, sondern eine Begleiterscheinung der abendlichen Treffen: „Es wird von der Clique sehr viel Müll hinterlassen, das ist wirklich störend. Zumal das auch ein Bereich ist, der gerade von Gästen der Gemeinde stark frequentiert wird. Da ist sowas einfach kein schönes Bild.“ Anders als Anwohner, Polizei und Gemeinde schlägt Wiedenbauer versöhnlichere Töne an. „Die Gemeinde und auch die Polizei sind schon an dem Thema dran, das kann man nicht absprechen“, sagt er gegenüber WANN & WO. „Aber das Ganze ist halt ein rechtliches Problem: Solange die Autos ordnungsgemäß angemeldet sind und eben auf einem öffentlichen Parkplatz und nicht unerlaubt auf Privatgrund stehen, kann die Polizei nichts machen. Natürlich wäre es schön, wenn die Geschwindigkeit regelmäßiger überwacht und dafür mehr Personal eingesetzt würde. Aber die Beamten haben eben auch andere Aufgaben, das darf man nicht vergessen.“ Die Anwohner dürfte das kaum beruhigen. Hinter der Bürotür gegenüber des Thaler-Parkplatzes jedenfalls wird so schnell wohl keine Ruhe einkehren. (Text: Anja Förtsch/Wann & Wo)

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