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Lawinenkatastrophe jährt sich zum 50. Mal

Bei Lawinenschutz aus der Katastrophe 1954 gelernt. „Das war ein Ereignis in Richtung Götterdämmerung!“ - Tagesaktueller Lawinenwarndienst ist heute Selbstverständlichkeit.

Die Lawinenkatastrophen von Vorarlberg, die sich am 10. bis 12. Jänner 2004 zum 50. Mal jähren, haben den Lawinenschutz nachhaltig verändert. Damals kamen insgesamt 125 Menschen ums Leben. Der Name des Großwalsertaler Bergdorfs Blons, wo allein 57 Tote zu beklagen waren, wurde zum Synonym der größten Lawinenkatastrophe seit Menschengedenken in Österreich.

Bis heute sei man dabei, im Großwalsertal die Sicherheit zu erhöhen, erklärt Andreas Reiterer, Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg, die naturbedingt langfristig ausgelegte Aufgabenstellung. Schutzbauten sind der eine Pfeiler der Arbeit, die Aufforstung und Pflege der Schutz- und Bannwälder der zweite. Im Großwalsertal flossen seit 1954 etwa 54,5 Mill. Euro in den Lawinenschutz, rund 30.000 Laufmeter Stahlschneebrücken wurden verbaut und über 300.000 Pflanzen gesetzt.

Der 1954 vorhandene Schutzwald war verwahrlost. Die Katastrophe führte zu einem Umdenken. „Bis dahin bestand ein enormer landwirtschaftlicher Druck auf die Wälder“, weiß Reiterer und schildert die Auswirkungen fehlender Waldgürtel drastisch: “50 Prozent der Bodenfläche des Großwalsertals wurden 1954 von Lawinen überfahren. Das war ein Ereignis in Richtung Götterdämmerung!“ Aus dieser und unzähligen neueren Erfahrungen seien der technische Lawinenschutz und die Gefahrenzonenpläne laufenden Anpassungen unterworfen: Man versuche, von der Natur noch mehr zu lernen. Es sei Ehrensache, Verbesserungen in technischen Details unter den Kollegen im ganzen alpinen Raum auszutauschen.

Erst in den Kinderschuhen steckte im Katastrophenjahr der Vorarlberger Lawinenwarndienst – als erster in Österreich. Vor allem die Kommunikations-Voraussetzungen waren noch völlig unzulänglich. Den Ausschlag gegeben hatte ein Unglück am Arlberg: In Klösterle riss am 22. Dezember 1952 eine Lawine 24 Insassen eines Postbusses in den Tod.

Heute, schildert Lawinenwarndienst-Leiter Andreas Pecl, stehe ein dichtes Netz an Informanten täglich bereits ab 6.00 Uhr im Einsatz, um mit Schneedeckentests und anderen Methoden buchstäblich die Lage zu sondieren: In 45 Gemeinden mit eigenen Lawinenschutzkommissionen, bei Straßenerhaltern und Liftbetreibern. Die Informationen der ortskundigen Beobachter fließen zusammen mit den Ergebnissen von 20 automatischen Messstationen in den täglichen Lagebericht, der pünktlich um 7.30 Uhr bei 120 Multiplikatoren per Fax oder E-Mail landet.

Der Lawinenwarndienst kann jederzeit abgerufen werden: 200.000 Zugriffe gab es vergangenen Winter auf die Homepage und rund 5.000 Mal wurde der Tonbanddienst angewählt. Pecl: „Die Sensibilisierung der Leute ist eindeutig in den letzten Jahren gestiegen.“

(S E R V I C E – Lawinenwarndienst für Vorarlberg im Internet unter http://www.vorarlberg.at/lawine/, Tonbanddienst 1588  – am besten mit Landesvorwahl (Vorarlberg: 05522), um nicht unter Umständen beim Warndienst des Nachbarlandes zu landen)

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