"L'amico Fritz" in Erl bestach mit Balance und Nuancen

"L'Amico Fritz" feierte am Sonntag gelungene Premiere
"L'Amico Fritz" feierte am Sonntag gelungene Premiere ©APA/XIOMARA BENDER
Die Oper "L´amico Fritz" von Pietro Mascagni hat Sonntagabend zu Beginn der Wintersaison der Tiroler Festspiele Erl Premiere gefeiert. Für die Inszenierung des etwas in Vergessenheit geratenen Opernwerks setzte die Regisseurin Ute M. Engelhardt auf szenische Aufgeräumtheit, die der farbenreichen Musik und dem Bühnenbild viel Raum und Möglichkeit zur vollen Wirkungsentfaltung ließ.

Entwirren musste Engelhardt dafür aber eigentlich nicht viel. Die Geschichte der unbeschwert-leichtsinnigen Oper ist nämlich denkbar einfach gehalten. Der an sich heiratsunwillige Fritz verliebt sich mit ein wenig Hilfe des Rabbis David in Suzel, die zum Schluss nach einigen wenigen Irrungen und Wirrungen auch in seinen Armen landet.

Als roter Faden zeigte sich jedenfalls auch in Erl die Liebe, die alles überstrahlte und die Exzesse des Genussmenschen Fritz seelenlos und leer wirken ließ. Dem gegenüber stand die Ehe, die Fritz schließlich die seelische Vollendung und das tiefgründige Glück brachte.

Angesichts dieser Opern-Argumentationslinie war es dann auch nur allzu verständlich, dass Fritz, stimmgewaltig verkörpert von Gerard Schneider, für seine hochemotional angelegte, zentrale Liebesarie spontanen Szenenapplaus erhielt. Auch Suzel, gesungen von einer brillanten Karen Vuong, ließ sich in Sachen Gefühlsüberschuss nicht lumpen.

Emotionale Überwältigung war aber an sich gar nicht die Sache der Oper. Vor allem auf musikalischer Ebene geriet unter der musikalischen Leitung von Francesco Lanzillotta das Werk zu einem Paradebeispiel für Nuancenreichtum, der sich nicht aufdrängte.

Das Orchester der Tiroler Festspiele Erl musizierte unaufgeregt und mit viel Liebe zum Detail. Das genaue Hinhören wurde dadurch reichlich belohnt. Das Orchester brachte die zahlreichen Stimmungswechsel hervorragend zur Geltung und ließ den melodischen und harmonischen Einfallsreichtum der Musik bestens zur Geltung kommen.

Grundsätzlich war es auch die Balance von Musik, Bühnenbild und Darstellung, die der Oper eine ganz besondere Wirkung bescherte. Die Bühne von Sonja Füsti brauchte etwa nur wenige Elemente, um Innenräume und Naturlandschaften entstehen zu lassen, in denen sich das Darsteller-Ensemble punktgenau in Szene setzen konnte.

Für ebenjenes gab es dann schließlich begeisterten Schlussapplaus, den sich auch das Orchester und der musikalische Leiter abholen durfte. Schneider und Vuong durften sich zudem über Bravo-Rufe freuen.

(S E R V I C E - "L´amico Fritz" von Pietro Mascagni, Libretto von Nicola Daspuro nach der Komödie "L´ami Fritz" von Emile Erckmann und Alexandre Chatrian. Musikalische Leitung: Francesco Lanzillotta, Regie: Ute M. Engelhardt, Bühnenbild: Sonja Füsti, Kostüme: Henriette Hübschmann, Licht: Jakob Bogensperger. Mit: Gerard Schneider (Fritz), Karen Vuong (Suzel), Nina Tarandek (Beppe), Domen Križaj (David), Reilly Nelson (Caterina), Carlos Andrés Cárdenas (Federico), Giovanni Battista Parodi (Hanezò), Orchester und Chor der Tiroler Festspiele Erl. Weitere Vorstellungen am 2. Jänner (15:00 Uhr) und 4. Jänner (18.00 Uhr) 2022. )

(APA)

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