"La Bohème" eröffnete die Linzer Opernsaison eindrucksvoll

Puccinis Meisterwerk "La Bohème" geriet musikalisch sehr beachtlich
Puccinis Meisterwerk "La Bohème" geriet musikalisch sehr beachtlich ©APA/Linzer Musiktheater
Mit einer musikalisch sehr beachtlichen, szenisch teilweise nüchtern geratenen Neuinszenierung der Oper "La Bohème" von Giacomo Puccini hat am Samstag das Landestheater Linz die neue Opernsaison im Linzer Musiktheater begonnen. Unter der musikalischen Leitung von Markus Poschner am Pult des Bruckner Orchesters Linz bescherte die Aufführung uneingeschränkten Hörgenuss, geboten von einem tadellosen Solistenensemble und den darstellerisch und sängerisch eindrucksvollen Chören.

An der Spitze der vier mittellosen Freunde fasziniert von Beginn weg als Gast Rodrigo Porras Garulo als Rodolfo. Sein strahlender Tenor verbindet sich mit großer Ausdruckskraft. Erica Eloff setzt als Mimi ihren bisherigen Partien in Linz ein weiteres Glanzlicht hinzu. Regisseur Georg Schmiedleitner - wegen Erkrankung der ursprünglich vorgesehenen Regisseurin kurzfristig eingesprungen - gab dieser Mimi einen neuen Akzent: Sie sucht von Beginn selber zielstrebig die Nähe zu Rodolfo. Ilona Revolskaya weiß als Musetta die sanglichen und darstellerischen Vorzüge der Partie bestens zu nützen. Adam Kim (Marcello), Martin Achrainer (Schaunard) und Dominik Nekel (Colline) ergänzen spielfreudig und stimmkräftig das Quartett der Freunde.

Die kleineren Partien (Benoit, Alcindoro) sind bei Reinhard Mayr in besten Händen. Die großen Auftritte der Chöre (des Landestheaters sowie des Kinder- und Jugendchores) im zweiten Akt bilden in den üppigen, geradezu skurrilen Kostümen einen Kontrast zur anderen Lebenswelt der Bohèmiens. In Bewegung und Gesang eine beachtliche Darbietung. Im dritten Akt machen Mimi und Rodolfo ihr Zusammenfinden nach vorangegangener Trennung musikalisch zu einem berührenden Höhepunkt.

Markus Poschner versteht es, Instrumentalisten und Sängerensemble in gewohnt animierender Art zu einer rundum erfreulichen Gesamtleistung zu führen. Der Inszenierung Georg Schmiedleitners haben Sabine Mäder (Bühne) und Martina Lebert (Kostüme) ihre Ideen vorgegeben. Der Regisseur setzt in der Personenregie seine beruflichen Erfahrungen erfolgreich um. Sein Angelpunkt ist es, das Scheitern von Liebe, das aneinander Vorbeileben zu zeigen. Dazu präsentiert sich die Bühne in der Gegenwart angesiedelt, optisch sparsam und atmosphärisch nüchtern. Container bilden die Wohnstätten der Menschen. Das turbulente Leben Rodolfos und seiner Freunde zu Beginn der Oper als Live-Stream auf eine große Videowand auf der Bühne zu übertragen, wird wohl als Brücke ins Heute gemeint sein, lenkt aber von Gesang und Personenregie ab. Dass Gegenwartsbezüge in Regie und Bühne dann oft nicht mit der Handlung und den Texten übereinstimmen, daran stößt man sich schon kaum mehr. Schlussendlich gibt es viel Beifall für alle Mitwirkenden und das bereits obligate "Standing".

(S E R V I C E: "La Boheme" von Giacomo Puccini, Premiere am 25.9.2021 im Musiktheater Linz, weitere Vorstellungen: 30.9., 2.10., 6.10., 8.10., 26.10., )

(APA)

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