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Kunstwerke in Gefahr

Während sich die Menschen unbequemen Temperaturen anpassen können, zeigen die Werke im Vorarlberger Landesmuseum längst Spuren einer Unterbringung, die "absolut nicht dem Standard" entspricht.

Ein Altar von Wolf Huber (1485–1553) zählt zu den wertvollsten Kunstschätzen, zur „heißesten Ware“, die das Vorarlberger Landesmuseum beherbergt und präsentiert. Das Werk des Malers mit Wurzeln in Feldkirch umgeben weitere Gemälde und Objekte aus der Spätgotik, denen es unter dem Dach des Hauses am Bregenzer Kornmarkt eindeutig zu heiß ist. Dass es bei sommerlicher Hitze, die vor zwei Jahren bekanntlich besonders massiv in Bregenz „weilte“, nicht einmal die Besucher aushalten, ist den Angestellten bekannt.

Während sich die Menschen unbequemen Temperaturen (im Winter hat es dafür dann leicht einmal weit unter 20 Grad) anpassen können, zeigen die Werke längst Spuren einer Unterbringung, die, wie es Museumsdirektor Helmut Swozilek offen betont, „absolut nicht dem Standard“ entspricht.

Mängelliste liegt vor

Swozilek ist Kunstfachmann, Aufruhr scheut er, Skandale will er sowieso vermeiden. Seit fünf Jahren liege aber beim Land sowie bei der Kulturhäuser Betriebsgesellschaft (Kuges) die Mängelliste eines Gutachters. Ohne jegliche Wirkung. Schlimmer noch, eineinhalb Jahre hatte das Museum ohne Restaurator auszukommen, in einem Monat soll die Stelle nun endlich wieder nachbesetzt sein.

Fast alles angegriffen

Die Fachkraft wird, schätzen fachkundige Museumsbesucher, erst einmal eine Weile damit beschäftigt sein, die Mängelliste zu erweitern. Denn man könne davon ausgehen, dass auch aufgrund der nun in den letzten Jahren stärker gewordenen Klimaschwankungen im nicht klimatisierten Haus vor allem sämtliche Arbeiten aus Holz in der Schausammlung (von der Skulptur, über das Bild bis zu Möbeln) bereits angegriffen sind.

Risse und Fäulnisbildung werden als schwerwiegendste Schäden genannt. Swozilek spricht von dreißig bis vierzig Werken, die allein dem Spätmittelalter zuzuordnen sind und wohl zu den gefährdetsten Objekten im Museum gehören.

„Keine kurzfristigen Maßnahmen“

Ab 2007 soll das Museum bekanntermaßen aus- und umgebaut werden. Bis dorthin wird wahrscheinlich nichts geschehen. Der Baubeginn hat sich verzögert. Da Land ist ja nicht im Besitz des Gebäudes, die Verhandlungen mit dem Bund ziehen sich dahin.

„Kuges“-Geschäftsführer Artur Vonblon, der erst jüngst für die geplante Ausstellung mit Werken des Pop-Art-Stars Roy Lichtenstein (1923–1997) im Kunsthaus eine zusätzliche Klimatisierung genehmigen musste (weil man die Bilder sonst erst gar nicht bekommt), hält fest, dass es „keinen Sinn mache, nun kurzfristig Maßnahmen zu setzen“. Ungute Verhältnisse unter den Dachkuppeln seien ihm bekannt. Es brauche aber „enorme Investitionen“.

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