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Kunst abseits ausgetretener Pfade

Oliver Heinzle mit der derzeit in der Galerie Hollenstein ausstellenden Künstlerin Judith Saupper.
Oliver Heinzle mit der derzeit in der Galerie Hollenstein ausstellenden Künstlerin Judith Saupper. ©privat
Oliver Heinzle möchte die Galerie Hollenstein zur Plattform für Kunst und Kultur machen.   Lustenau. Anfang des Jahres hat Oliver Heinzle die Leitung der Galerie Hollenstein übernommen.
Interview Oliver Heinzle

Wie der weltoffene Lustenauer, der zunächst eine technische Laufbahn eingeschlagen hatte, über Umwege zum Galeristen wurde und welche Bedeutung für ihn Kunst, Kultur und Lustenau haben, erzählt er im VN-Heimat-Interview.

 

Wie kam es zur Übernahme der Galerie Hollenstein?

Heinzle: Im Februar habe ich von Willi Oberfrank die administrative und technische Galerieleitung übernommen; ich werde aber zunehmend auch als Kurator tätig sein. Die Übernahme dieser Tätigkeiten sehe ich als interessante Herausforderung. Besonders die Kontakte mit den Künstlern und die Auseinandersetzung mit ihren Werken empfinde ich als persönliche Bereicherung.

 

Sind Sie weiterhin auch im Historischen Archiv der Marktgemeinde tätig?

Heinzle: Ja, gemeinsam mit dem Leiter des Archivs Wolfgang Scheffknecht möchte ich Lustenaus „historisches Gedächtnis“ bewahren. Für nächstes Jahr ist ebenso eine eingehende Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus im Rahmen einer Vortragsreihe vorgesehen, wie auch die bereits seit längerem geplante Errichtung eines Denkmals für die Opfer der NS-Zeit.

 

Welche Ziele verfolgen Sie mit der Galerie Hollenstein?

Heinzle: Mir ist es ein Anliegen, den hohen Qualitätslevel durch anspruchsvolle Kunst zu halten. Mit einer guten Mischung von jungen und arrivierten Künstlern möchte ich ein breites Publikum ansprechen und für Kunst begeistern. Die regelmäßigen Führungen durch die Ausstellungen werden weiterhin jeden Freitag stattfinden und sollen zu einer Plattform für einen Austausch über Kunst und Kultur werden.

 

Welche Ausstellungen sind als nächste geplant?

Heinzle: Am 1. März startet die erste Ausstellung 2013 mit Hinterglasbildern von Gerhard Winkler. Bereit fixiert ist auch eine Ausstellung mit der jungen Künstlerin Anne Zwiener – mit Ruben Aubrecht und Maria Anwander laufen noch Gespräche über eine gemeinsame Ausstellung. 2014 wird neben zwei Kunstausstellungen eine historische Ausstellung des Archivs über Lustenau und den Ersten Weltkrieg zu sehen sein. Für 2015 ist eine größere Ausstellung geplant, die sich kritisch mit dem Leben und dem Werk von Stephanie Hollenstein auseinandersetzen wird.

 

Was bedeutet Kunst für Sie persönlich?

Heinzle: Ich denke, Kunst ist in erster Linie Kommunikation. Das Schöne an der Kunst ist, dass sie sehr viele Freiheiten genießt und bietet, aber auch immer wieder provoziert und manchmal gesellschaftspolitisch wichtige Diskussionen anstößt. 

 

Was bedeutet Kunst für Lustenau?

Heinzle: Eine Bereicherung, die das Denken abseits ausgetretener Pfade anregen kann.

 

Welche Bedeutung hat Lustenau für Sie?

Heinzle: Lustenau ist in gewisser Weise Heimat. Auch wenn es Dinge gibt, die mir weniger gefallen, so ist es doch der Ort an dem meine Familie lebt und ich viele Freunde habe. Lustenau ist ein Ort mit einer interessanten Geschichte. Es ist ein Ort, an dem ich mich wohlfühle und mein Dialekt verstanden wird.

 

Wir würden Sie die Lustenauer beschreiben?

Heinzle: Da empfehle ich die Lektüre des „Lustenau Lesebuchs“. Der darin enthaltene Text von Eugen Gabriel beschreibt das Wesen der Lustenauer, wie ich denke, recht treffend.

 

Haben Sie einen Lieblingskünstler?

Heinzle: Schwierig nur einen zu nennen: zu meinen Lieblingskünstlern gehören Michelangelo, Paul Gauguin und Andy Goldsworthy.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Heinzle: Das momentane Wohlergehen unser Gesellschaft und Wirtschaft ist von ständigem Wachstum abhängig. Ich denke es wäre wichtig, neue Wege zu suchen und auch zu beschreiten, die uns aus dieser „Wachstumsfalle“ führen. Das Ziel muss dabei sein, mehr Zufriedenheit und Gerechtigkeit einerseits innerhalb unserer Gesellschaft und andererseits im weltweiten Gefüge zu schaffen.

 

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Zur Person:

 

Oliver Heinzle

Geboren: 1976 in Lustenau

Studium: ein Jahr Architekturstudium in Innsbruck, Abschluss eines HTL-Kollegs für Hochbau in Wien, später PH Feldkirch, Lehramt Geschichte und Englisch

Berufliche Stationen: Techniker bei einer Baufirma in Wien, längere Reisen (u.a. zum Mt. Everest Basislager), Gartenbauarbeiter in der Schweiz, Hauptschullehrer in Höchst, nebenberuflich im historischen Archiv der Marktgemeinde Lustenau

Publikationen (gemeinsam mit Wolfgang Scheffknecht): „Vespa, Petticoat und Kofferradio – Lustenau in den Langen 50er Jahren“, 2008; „Migrationen in der Geschichte Lustenaus“, 2011; „Lustenau Lesebuch“ (UnartVerlag), 2011; „Lustenauer Neujahrsblätter“, Jg. 1 – 3

Hobbys: „Ich reise sehr gerne und bin hier wie dort sehr an Kunst und Kultur interessiert.“

Motto: „Ich bin sehr freiheitsliebend und möchte ʺleben und leben lassenʺ.“

 

 

Tipp:

„…vom Großen und vom Kleinen“

Ausstellung mit Werken von Judith Saupper

noch  bis 16. Dezember 2012 in der Galerie Stephanie Hollenstein

Öffnungszeiten der Galerie:
Freitag und Samstag: 17 bis 20 Uhr
Sonn- und Feiertage: 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr

 

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