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Kultur-Plakatierer haben schwere Zeiten

Schwere Zeiten für Kultur-Plakatierer
Schwere Zeiten für Kultur-Plakatierer ©APA
Der coronabedingte Stillstand des Kulturlebens hat nicht nur Musiker, Clubbetreiber, Theaterleute, Museen oder Veranstalter getroffen - sondern auch jene, die Konzerte, Stücke und Ausstellungen im öffentlichen Raum ankündigen: die Plakatierer. Einer davon ist Rudi Hübl, Jahrgang 1956 und Urgestein in der Wiener Szene. Nach jahrelangem Indoor-Plakatieren in Cafes und Lokalen werkt er derzeit wieder wie zu seinen Anfangszeiten: "Ich geh auf der Straße und picke wild herum."

Mit dem Aufkleben von Ankündigungspostern hat Hübl vor fast vier Jahrzehnten angefangen. "Ich bin seit 1984 im Geschäft. Mein erstes großes internationales Konzert war das Doppelkonzert von Bob Dylan und Santana in der Stadthalle", erinnert er sich im APA-Gespräch. Das sei sehr kurzfristig eingeschoben worden, weshalb die Veranstalter "ganz dringend Leute gebraucht haben, die ganz Wien zupflastern". So sei er eher zufällig ins Plakatierer-Business eingestiegen.

Nach Jahren des Herumziehens mit Kleisterkübel und -bürste hat sich Hübl - studierter Ethnologie - mit seiner Ein-Mann-Firma Vienna Poster Service ("Ich bin mein eigener Ausbeuter") auf das Bekleben von Kaffeehaus-, Club- und Szenelokalwänden spezialisiert und ist dabei geblieben: "Da wird man nicht dreckig und ist wetterunabhängiger." Corona und die damit verbundenen monatelangen Gastro-Pausen haben den 64-Jährigen allerdings dazu genötigt, wieder outdoor Hand anzulegen, wobei er - ausgerüstet mit Plakatbögen und Klebeband - vor allem Baustellengitter im Visier hat. Er selbst nimmt's gelassen: "Das ist eine Änderung, die ich gar nicht einmal so negativ sehe von der Arbeitszeit her. Normalerweise habe ich am Abend erst angefangen, jetzt habe ich am Abend frei."

Aber was gibt es überhaupt anzukündigen, wenn die Kulturlandschaft seit Monaten großteils brach liegt? Seit den ersten Öffnungsschritten gibt es immerhin wieder Ausstellungen in Museen und Galerien, deren Werbeplakate für Hübl einen Teil der Entgänge durch die weiterhin völlig ausfallende Konzert-, Theater- und Eventsparte auffangen. Da sei es ein Vorteil, dass er thematisch breit vernetzt sei. "Bei Kollegen, die sich nur auf die Musik spezialisiert haben und die vor allem im subkulturellen Bereich wie WUK, B72, Fluc oder Reigen plakatieren und zusätzlich auch noch Flyer verteilen müssen, liegt das Geschäft völlig flach", betont Hübl.

Allerdings sind auch bei ihm beispielsweise die Monate Dezember, Jänner und Februar, als ausnahmslos alle Kultureinrichtungen geschlossen waren, ein Totalausfall gewesen. Vor einem vollkommenen Einkommensverlust in dieser Zeit hätten ihn die geänderten Abrechnungsmodalitäten der Museen gerettet. Normalerweise rechne er mit diesen erst am Ende einer Ausstellung ab, nun habe er aber früher bereits eine Zwischenrechnung gelegt, da die Häuser selbst keine Ausstände haben dürften, um staatliche Corona-Unterstützung zu bekommen, erklärt Hübl.

In den Genuss von Kulturhilfen kommt das Plakatierer-Urgestein jedenfalls nicht, denn mit seinem Gewerbeschein zählt er branchenmäßig nicht zur Kunst- und Kultursparte. "Ich dürfte als Werbevermittler auch Ballonfahrten machen, aber meine Spezialität, dass ich mich auf Kunst und Kultur eingelassen habe, tangiert die anderen wenig." Aber Hübl rechnet damit, immerhin aus anderen Corona-Unterstützungstöpfen Geld zu erhalten.

So oder so: Auf seine traditionelle Winter-Auszeit in Form ein- bis zweimonatiger Aufenthalte auf Sri Lanka oder Thailand wird der ansonsten bis zu 80 Wochenstunden arbeitende Plakatierer-Profi in naher Zukunft einmal verzichten müssen - und das nicht wegen etwaiger strenger Einreisebestimmungen, sondern aus finanziellen Gründen: "Heuer und nächstes Jahr wird es sicher Urlaub auf Balkonien werden." Und das Virus hat auch Hübls Pensionspläne ins Wanken gebracht. Er wollte eigentlich mit Ende dieses Jahres das Plakatieren sein lassen. Wegen der Umsatzeinbußen seit Pandemiebeginn fürchtet er nun eine geringere Pension. "Ob ich jetzt deshalb doch noch zwei oder drei Jahre weitermache und mit welchem Arbeitsaufwand, muss ich mir noch überlegen." Die Lokale, die er üblicherweise beklebt hat, will er jedenfalls auch im Ruhestand weiter besuchen - sollten sie denn irgendwann wieder aufsperren.

(S E R V I C E - )

(APA)

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