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Küchenstudio-Insolvenz: Kundin trotz Bonitätscheck ins offene Messer gerannt

Der KSV stellte dem betroffenen Küchenstudio eine gute Bonitätsbewertung aus.
Der KSV stellte dem betroffenen Küchenstudio eine gute Bonitätsbewertung aus. ©MJ
Joachim Mangard (VOL.AT) joachim.mangard@russmedia.com
Konkurs trotz positiven Rankings: Der Kreditschutzverband stellte dem Rankweiler Küchenstudio "Art Of Kitchen" 23 Tage vor der Insolvenz eine positive Bewertung aus, mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 1,11 Prozent. Für die 23-jährige Gläubigerin eine Frechheit.
"Uns wurde vor dem Konkurs Geld aus der Tasche gezogen"
Kunden zittern um viele Tausend Euro

Wenn man einem Geschäftspartner nicht das vollste Vertrauen entgegenbringt, bietet der österreichische Kreditschutzverband einen Bonitätscheck an, um die Vertrauenswürdigkeit des Unternehmens zu prüfen.

Im Fall des insolventen Küchenstudios "Art Of Kitchen" irrte sich der KSV1870 aber gewaltig. Sehr zum Missfallen der geprellten Kundin Victoria Bernatzik, die ihrem Ärger Luft macht.

KSV-Risiko-Check vor dem Kauf

"Wir haben uns auch auf das zunächst wohlwollende Zureden des Geschäftsführers am 31. Oktober für ein Angebot entschieden, bei dem es um den zusätzlichen Einbau von Garderoben und Schränken in unserer Wunschküche ging. Aufgrund eines mulmigen Gefühls wandten wir uns an den KSV und führten die, zugegeben günstigere, Variante ihrer Bonitätsprüfung aus", erzählt Victoria Bernatzik gegenüber VOL.AT. Für den "RiskChecker" verrechnet der KSV rund 10 Euro.

Der Verband, der sich dem Gläubigerschutz verpflichtet, stellte der Machek GmbH am selben Tag ein positives Zeugnis aus, mit einer Ausfallwahrscheinlichkeit von 1,11 Prozent. "Aus Bonitätsgründen spricht nichts gegen eine Aufnahme einer Geschäftsbeziehung", heißt es in der angeforderten Risikoeinschätzung.

Am 6. November überwiesen Victoria Bernatzik und ihr Freund das Geld, in der Hoffnung, bald ihren Traum von der eigenen Wunschküche zu realisieren. Dazu sollte es aber nie kommen, denn am 23. November wurde das Konkursverfahren eröffnet.

"Das war für uns ein Schlag ins Gesicht. Abgesehen von der Mitteilung über die Insolvenz hat uns die Risikoeinschätzung des KSV richtig wütend gemacht. Zumal wir aufgrund von Gesprächen mit anderen Betroffenen erfahren haben, dass 'Art Of Kitchen' bereits am 3. November bei ihrem Franchise-Partner Dan-Küchen nicht mehr zahlen konnten. Das belegt auch ein E-Mail, das wir von einer weiteren Gläubigerin bekommen haben", führt die 23-Jährige weiter aus.

Bereits am 3. November wurde Dan-Küchen über die Zahlungsunfähigkeit informiert.

Außerdem belege die Kommunikation zwischen der geprellten Kundin und dem Franchise-Partner, dass dieser bereits über ein anstehendes Insolvenzverfahren in Kenntnis gesetzt worden sei. Was Victoria Bernatzik dazu veranlasste, nochmals beim KSV nachzufragen, wie denn so ein positives Bonitätsranking angesichts dieser offenbar doch heiklen Situation des Küchenstudios vertretbar sei.

Victoria Bernatzik zeigt sich enttäuscht von der Einstufung durch den KSV.

KSV reagiert in Form einer Stellungnahme

Die Antwort des Kreditschutzverbands ließ nicht lange auf sich warten, eine Woche nach der Eröffnung des Konkursverfahrens erhielt das betroffene Paar folgende Stellungnahme:

"Wir haben umgehend eine Prüfung in die Wege geleitet und informieren Sie gerne nachfolgend über das Ergebnis. Das KSV1870-Rating ist eine Risikoeinschätzung von Unternehmen, dass das Ausfallsrisiko eines Unternehmens (die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen insolvent wird) auf Basis historischer Erfahrungswerte anzeigt. Die Erstellung des KSV1870-Ratings ist ein dynamischer Prozess, bei dem harte Ratingfaktoren (u.a. Bilanzdaten aus Formblättern oder kompletten Jahresabschlüssen) eine hohe Bedeutung haben, aber auch weiche Faktoren wie die Zahlweise, Unternehmensalter, Rechtsform, Branchenzugehörigkeit, Umsatzverlauf, Beteiligungen etc. gehören zu den Einflusskriterien. Die Bilanz zum 31.12.2022 wurde eingereicht am 10.10.2023. Laut Anhang wurden im Laufe des Jahres 2023 in allen Bereichen Kosteneinsparungen vorgenommen. Durch Vornahme der Einsparungen ergibt sich für das Jahr 2023 eine positive Planungsrechnung und somit auch eine positive Fortbestehungsprognose. Es wurde keine Zahlungsanstände in Form von Inkasso Betreibungen oder gravierende Zahlungsanstände bekannt Aufgrund der zum Zeitpunkt der Recherche vorliegenden Informationen ist eine schlechtere Bewertung des Unternehmens nicht möglich gewesen. Die Firma bezeichnet sich nun selbst als zahlungsunfähig. Eine Insolvenzverfahren wurde per 23.11.2023 jedoch nicht eröffnet. Das Rating ist eine Prognose für eine künftiges Ereignis und besteht kein wie immer gearteter Vergütungsanspruch. Wir können Ihnen nochmals versichern, dass der KSV1870 stets bemüht ist unsere Dienstleistungen seriös und korrekt auszuführen."

Die geprellte Kundtin wandte sich mit ihrem Anliegen an VOL.AT.

KSV: "Man hätte ja auch ohne Prüfung kaufen können"

Auf eine weitere VOL.AT-Anfrage beim KSV informierte Markus Magrutsch (Team Special Research Business & Consumer) über die angebotene Dienstleistung: "In diesem Fall bezieht sich die Bonitätsprüfung und der 'RiskCheck' auf die Daten, die uns zu diesem Zeitpunkt vorlagen. Für eine aktuellere Recherche und eine schnellere Auswertung haben wir andere Modelle, auch für KSV-Mitglieder im Angebot." Diese Anfragen variieren je nach Spezifikationen zwischen rund 10 und 85 Euro, natürlich geht es je nach Dringlichkeit noch teurer. Auf die Frage, ob es denn nicht irreführend für eine Privatperson sei, wenn der KSV eine Ausfallquote des Unternehmens von 1,11 Prozent bescheinige, erfolgte die Antwort, dass man ja auch ohne Prüfung kaufen hätten könne. Und dass diese Aussagen nicht verpflichtend seien.

Das VOL.AT vorliegende Rating des KSV bescheinigt der maroden Firma gute Bonität.

"Finde es eine Frechheit, dass so ein 'RiskChecker' überhaupt angeboten wird"

Für Victoria Bernatzik und ihren Partner bringt das selbstverständlich wenig, sie zeigt sich deswegen in Form einer Videobotschaft abschließend wenig überzeugt vom "RiskChecker" des KSV: "Ich möchte euch nur warnen, nehm diesen 'RiskChecker' vom KSV nicht ernst. Überprüft selbst die Sachen, holt euch Firmenbuchauszüge, schaut da auf jeden Fall genauer nach und vertraut bitte nicht auf diesen 'RiskChecker'. Ich finde es eine Frechheit, dass dieses Produkt überhaupt angeboten wird, wenn man sich eh nicht darauf verlassen kann."

(VOL.AT)

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