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Kroatien: Pädophilie-Skandal in Zagreb

Die Ex-Chefin der Caritas, Jelena Brajsa, ist vom Vorwurf freigesprochen worden, im Zuge eines Pädophilie-Skandal in einem Kinderheim in der Nähe von Zagreb Beweise unterschlagen zu haben.

Brajsa (70) war vorgeworfen worden, sie habe ein Tagebuch des ehemaligen Kochs des Caritas-Waisenhauses in Brezovica bei sich zu Hause versteckt. Das Gerichtsurteil wurde laut Medienberichten bereits in der Vorwoche gefällt.

Darin beschreibt Mijo Penic (28) in allen Einzelheiten die Vergewaltigung eines minderjährigen Mädchen, das in dem Waisenhaus wohnte. Kroatische Zeitungen hatten schon im Mai einige Passagen daraus veröffentlicht. Brajsa hatte jedoch stets beteuert, das Tagebuch nie gesehen zu haben. Ende Juli 2005 fand die Polizei das Buch jedoch in ihrem Haus. Das Gericht befand nun aber, dass sich Brajsa keines strafrechtlich relevanten Vergehens schuldig gemacht habe.

Im Sommer des Vorjahres war Brajsa, die seit 1968 die Zagreber Caritas leitete, vom Zagreber Erzbischof Kardinal Josip Bozanic ihres Amtes enthoben worden. In katholischen Kreisen ist Brajsa eine Symbolfigur, weil sie ihre kirchliche Sozialarbeit auch unter widrigsten Bedingungen im ehemaligen Jugoslawien von Marschall Josip Broz Tito leistete.

Der „Fall Brezovica“ erschütterte die Caritas und die Katholische Kirche in Kroatien. Seit Anfang 2005 veröffentlichten kroatische Medien sporadisch Geschichten über Fälle von Misshandlung in diesem Heim. Die Caritas und besonders ihre Chefin wiesen die Vorwürfe jedoch stets zurück.

Ab Anfang Mai mehrten sich aber die Berichte über sexuelle Übergriffe einzelner Angestellter in Brezovica auf ihre minderjährigen Schützlinge. Buben und Mädchen aus dem Heim hatten anonym davon erzählt. Mitte Juni 2005 begann die Staatsanwaltschaft mit der Untersuchung.

Kardinal Bozanic sagte im Juni des Vorjahres während eines Gottesdienstes, an dem auch Staatspräsident Stipe Mesic und Ministerpräsident Ivo Sanader teilnahmen: „Wir verurteilen die Verbrechen, falls sie begangen wurden“. Er rief die Justizbehörden auf, die Vorwürfe aufzuklären, würdigte aber auch „alle guten Taten, welche die Caritas unter der Leitung von Jelena Brajsa in schwierigen Jahrzehnten vollbracht“ habe.

Der Anwalt von Brajsa nahm das Urteil laut Nachrichtenagentur Hina mit Zufriedenheit zur Kenntnis. Immerhin handle es sich bei Brajsa um eine Frau, die sich über viele Jahre karitativ um „zwei- bis dreitausend“ Kinder angenommen habe.

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