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Kritik und Proteste auch zum Olympia-Abschluss

Auch der Abschluss der XXIX. Olympischen Spiele in Peking am Sonntag ist von Kritik an den Menschenrechtsverletzungen in China überschattet worden.

Die USA zeigten sich “enttäuscht” über die mangelnde Öffnung Chinas durch die Spiele und forderten die sofortige Freilassung westlicher Pro-Tibet-Aktivisten, die wegen Protestaktionen in Peking inhaftiert wurden. IOC-Präsident Jacques Rogge räumte in seiner Abschlussbilanz ein, dass die Lage für ausländische Medienvertreter in Peking “nicht perfekt” gewesen sei.

“Wir sind enttäuscht, dass China die Gelegenheit der Olympischen Spiele nicht genutzt hat, um größere Toleranz und Offenheit zu demonstrieren”, hieß es in einer Stellungnahme der US-Botschaft vom Sonntag in Peking. Sie forderte die Freilassung von acht amerikanischen Tibet-Aktivisten, die gemeinsam mit einer Britin und einem Deutsch-Tibeter für zehn Tage inhaftiert worden sind. Nach einer Serie von acht pro-tibetischen Protesten hatte die Polizei kurz vor Ende der Spiele ihr Vorgehen gegen Aktivisten verschärft und erstmals seit Beginn der Spiele längere Haftstrafen verhängt. Zuvor waren die Protestler meist nach wenigen Stunden abgeschoben worden.

Der Chef des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Jacques Rogge, verteidigte die Vergabe der Olympischen Spiele an Peking erneut gegen Kritik von Menschenrechtlern. “China hat sich geöffnet, die Welt hat mehr über China gelernt, und China hat mehr von der Welt erfahren. Ich glaube, dass sich das in Zukunft positiv auswirken wird”, sagte er bei einer Pressekonferenz zum Abschluss der 17-tägigen Sommerspiele am Sonntag. Zum Thema Internet-Zensur für ausländische Journalisten sagte er, das IOC habe China zu größtmöglichem Zugang “gedrängt”. “Wir haben interveniert, die Situation war nicht perfekt, aber sie ist jetzt weit anders als noch vor den Spielen.” Als “ungewöhnlich” bezeichnete Rogge die Tatsache, dass es während der Spiele 77 Anträge auf Demonstrationen in den von den Behörden eingerichteten Protestzonen gegeben habe, aber keine Kundgebung stattgefunden habe.

Eine positive Bilanz der Spiele zog auch der österreichische Botschafter in Peking, Martin Sajdik. Es sei “faszinierend zu sehen” gewesen, wie sich Peking verändern musste, um die Erwartungen zu erfüllen, sagte Sajdik gegenüber der APA. “Am Umweltsektor, aber auch bei kleinen Schritten, was die Freiheiten der Berichterstattung, besser gesagt der Recherche, betrifft.” Viele langjährige Auslandskorrespondenten hätten ihm zugesichert, “dass es Besserungen gegeben hat”. Dagegen beklagte der Club der Auslandskorrespondenten in China (FCCC) am Samstag, dass Gewalt und Schikanen gegen Journalisten während der Spiele noch zugenommen hätten. “China verpasst in der Medienfreiheit das olympische Siegertreppchen”, hieß es in Anspielung auf den unangefochtenen ersten Platz des Reichs der Mitte in der Olympia-Medaillenwertung.

In Nepal demonstrierten am Sonntag 2.000 Exil-Tibeter gegen die chinesische Herrschaft in ihrer Heimat. Die Beamten schritten diesmal nicht ein, da die Kundgebung nicht in der Nähe der chinesischen Botschaft in Kathmandu stattfand. Bei den fast täglich stattfindenden Protesten war es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten gekommen.

In Wien gedachten Exil-Tibeter am Samstagabend mit einer religiösen “Niederwerfungszeremonie” der Opfer von Gewalt und Unterdrückung in China. Etwas später versammelten sich vor der Botschaft Chinas in Wien-Landstraße Sympathisanten Tibets, um im Zuge einer weltweiten Aktion “Candle for Tibet/Licht für Tibet” am Vorabend der Beendigung der Olympischen Spiele in Peking Kerzen zu entzünden. Am heutigen Sonntagabend wollten einige Tibeter in einem Protestzelt am Schwedenplatz in einen Hungerstreik treten. Die Exil-Tibeter befürchten, dass die chinesische Regierung nach dem Ende der Spiele härter durchgreifen werde und die Tibeter für die Protestaktionen im Vorfeld der Spiele bestrafen werde.

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