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Kranken Ehemann vernachlässigt: Witwe vor Gericht

Weil sie ihren kranken Mann, einen bekannten Psychoanalytiker, vernachlässigt und ihm nicht die entsprechende Pflege zugekommen lassen haben soll, musste sich am Dienstag eine 62-jährige Frau im Wiener Straflandesgericht verantworten.

So soll der Mann laut Anklage “stunden- und tagelang” in nassen Windeln und in seinem Kot gelegen sein. Die Witwe, eine Krankenschwester, erklärte, ihre Pflege sei “nicht nur eine liebevolle, sondern auch eine professionelle” gewesen. Die Verhandlung findet im Februar ihre Fortsetzung.

Der Angeklagten wird vorgeworfen, sich in den letzten Monaten ihres Mannes bis zu seinem Tod im Jahr 2007 nicht ausreichend um ihn gekümmert zu haben, der als Dialyse-Patient und an Inkontinenz Leidender auf fremde Hilfe angewiesen war. So soll dem mobil eingeschränkten Mann nicht genügend Flüssigkeit bereitgestellt worden sein. Die Frau soll laut Staatsanwaltschaft lieber “Fernreisen gemacht haben, statt bei ihm zu bleiben”.

Sie habe sehr wohl eine Betreuung für ihren Mann organisiert, während sie bei der Arbeit gewesen sei, erklärte die 62-Jährige. “Vormittags war die Hausbesorgerin da, dann kam der Pfleger und dann kam ich.” Der Mann befand sich in Pflegestufe fünf: “Kontinuierliche Bereitschaft, aber nicht kontinuierliche Anwesenheit (eines Pflegers, Anm.), so habe ich das verstanden.”

Die benötigte 24-Stunden-Betreuung habe einfach gefehlt: “Wenn ich Mittags zu ihm gekommen bin, hat er öfters noch in seinem Kot gelegen”, sagte eine Bekannte des Mannes. Das Bett sei nicht gemacht und die Kleidung nicht wechselt worden, er sei oft nicht gewaschen worden.

Die Kinder des Mannes erklärten, Beschimpfungen und Drohungen wie “Dann bleibst du eben allein” seitens der Angeklagten seien “Usus” gewesen; man habe sich auch mit dem Thema Scheidung befasst. Ebenso habe es Lecks in der Betreuung von einigen Stunden gegeben, während derer der Vater allein in der Wohnung gewesen sei. Weder Medikamenteneinnahme noch Flüssigkeitszunahme seien kontrolliert worden, eine von den Kindern organisierte Pflegerin und ein Krankenbett seien abbestellt worden.

Verteidiger Farid Rifaat erklärte, der Fall sei ein “Klassiker”, der aus dem gespannten Verhältnis zwischen Angeklagter und den Kindern des Mannes aus dessen erster Ehe resultiere. Ihr Mann sei nicht so hilflos gewesen, wie ihn sein Nachwuchs beschreiben würde: “Er war noch unterwegs, er hat sich Musik und DVDs gekauft, hat noch Konferenzen eröffnet”, sagte die 62-Jährige, die die Woche vor sowie den Tag, an dem ihr Mann starb, zur Erholung ihrer herzkranken Mutter in Tirol verbrachte.

Es habe Spannungen gegeben mit den Kindern: “Die wollten allein entscheiden, was zu tun ist”, so die Angeklagte. Weil die Kinder sich ihr gegenüber unangemessen verhalten hätten, habe sie per Anwalt Hausverbot erteilt. Einmal habe sie sogar eine Ohrfeige von der Tochter erhalten: “Mein Mann hat nichts unternommen. Er war schwach und emotional erpressbar, die Kinder haben ihn unterdrückt. Sie wollten, dass wir uns scheiden ließen.” Ein Bekannter hingegen sagte aus, er habe den Eindruck gehabt, dass “das Gefühl der Zuneigung” in der letzten Zeit etwas “abgekühlt” gewesen sei. Die Verhandlung wurde vertagt.

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