Konstantes Hoch statt Winter

Meteorologe Karl Gabl von der ZAMG erklärt, warum es bei uns derzeit so mild ist. VN-INTERVIEW: ZAMG-Meteorologe Karl Gabl über den frühlingshaften Winter

VN: Frühlingshafte Temperaturen statt tiefem Winter. Spielt das Wetter verrückt?

Gabl: Nein. Schuld an dem milden Winter ist ganz einfach die derzeitige Großwetterlage. Die warme Atlantikluft, die seit Wochen zu uns strömt, sorgt für diese Temperaturen.

VN: Mit kuriosen Auswirkungen.

Gabl: Richtig. So gibt es derzeit zwischen Österreich und der Sahara keinen Druckunterschied.

VN: Eine Folge der Klimaerwärmung? Gabl: Das kann man nicht sagen. Von den 30 er-Jahren bis 1970 sind die Temperaturen um zwei Grad gestiegen. Der Trend geht zu wärmeren Wintern. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, dass es uns später einschneit und früher ausapert.

VN: Kommt der Winter in dieser Saison noch?

Gabl: Ich traue mich jedenfalls nicht zu sagen, dass der Winter gelaufen ist. Im Jänner 1999 war es zum Beispiel auch sehr mild und trocken. Kurz darauf – Ende Februar – ist in Warth binnen 48 Stunden 5,60 Meter Schnee gefallen und in Galtür ist die tödliche Lawine ins Tal gedonnert.

VN: Wollen Sie damit sagen, dass uns der Winter heuer noch arg zu schaffen machen wird?

Gabl: Wenn sich die Strömung plötzlich dreht und die Luft aus dem Norden (Norwegen, Skandinavien) zu uns strömt, dann kann’s ganz schnell ganz schön heftig werden.

VN: Deutet sich schon eine Änderung an?

Gabl: Im Raum Neufundland entwickelt sich ein Tiefdruckgebiet, das sich über die Britischen Inseln, die Nordsee und Dänemark bis zur Ostsee zieht – das heißt, dass morgen, Donnerstag, ein Sturm über Deutschland fegen wird.

VN: Der auch bei uns zu spüren ist?

Gabl: Ja. Deutlich sogar. In der Nacht auf Freitag erreicht uns die Störung. Wir erwarten im Gebirge orkanartige Stürme mit Spitzen von 180 km/h und mehr. Dazu kommt erheblicher Regen in Tallagen.

VN: Aber kein Schnee?

Gabl: So wie’s derzeit aussieht, eher nicht. Die Schneefallgrenze dürfte so auf 1600 Metern Seehöhe liegen.

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