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Komponist Dieter Kaufmann feiert 80. Geburtstag

Jubeltag für variantenreicher Vielarbeiter
Jubeltag für variantenreicher Vielarbeiter ©APA (Archivbild)
Erst vor wenigen Tagen gab es die letzte Uraufführung: Für die Verleihung des Gert-Jonke-Preises in Klagenfurt hatte der Komponist Dieter Kaufmann Gedichte Jonkes vertont, die vom Ensemble Hortus Musicus gespielt wurden. Dazu gab es auch eine eigene Fanfare zur Preisverleihung, interpretiert vom Jazztrompeter Daniel Nösig. Heute, Donnerstag, feiert Kaufmann seinen 80. Geburtstag. Morgen wird er in der Alten Schmiede mit einem Onlinekonzert gefeiert.

Vom Chorsänger zum Pionier der Elektroakustik: Geschätzt ist der gebürtige Wiener als variantenreicher Vielarbeiter, der Dogmen auch innerhalb der Neuen Musik infrage stellt und eine ganze Generation von Komponisten an der Wiener Musikuniversität elektroakustisch und experimentell schulte. Damit gehört Kaufmann zu den Wegbereitern des elektronischen Klangs in Oper, Chor, Kammer- oder Kirchenmusik - auch über Österreich hinaus.

Kaufmann wurde am 22. April 1941 in Wien geboren, wuchs aber in Kärnten auf. Er studierte Germanistik, Musikerziehung und schließlich Komposition bei österreichischen Größen wie Gottfried von Einem und Karl Schiske. Darauf folgten Studienjahre in Paris bei musikalischen Vorbildern wie Rene Leibowitz, Olivier Messiaen und Francois Bayle. Neben Engagements als Chorsänger an den Wiener Opernhäusern arbeitete Kaufmann als Journalist und leitete von 1983 bis 1990 die Kompositionsklasse am Kärntner Landeskonservatorium. Von 1991 bis 2006 hatte er eine Kompositionsprofessur an der Wiener Musikuniversität inne und war dort Leiter des Instituts für Elektroakustik und Experimentelle Musik.

Gemeinsam mit seiner Frau, der Sängerin und Schauspielerin Gunda König, gründete er 1975 das K & K Experimentalstudio in Wien. Viele Arbeiten von Kaufmann sind von sozialkritischem Engagement getragen: "Der Tod des Trompeters Kirilenko" ist zum Beispiel ein Gedenkstück für einen von Nationalsozialisten ermordeten Musiker. Für Aufsehen sorgten auch seine Kollaborationen mit heimischen Literaten: Für das Mozart-Jahr 2006 komponierte Kaufmann nach einem Libretto von Josef Winkler das "Requiem für Piccoletto", in der Neuen Oper Wien wurde 2008 "fuge - unfug - e" nach Elfriede Jelineks Theaterstück "er nicht als er" uraufgeführt.

2020 war er beim Festival "Die Verbesserung der Welt" des sirene Operntheaters mit der Uraufführung der Kammeroper "Ikarus" nach einem Text von Thomas Arzt vertreten. "So einfach lässt sich die Verbesserung der Welt musikalisch gar nicht darstellen. Wie in der Politik geht es auch in der Musik um die Überwindung von liebgewordenen Gewohnheiten: Um die Befreiung vom Tonika-Dominante-Denken, ohne auf den Dreiklang als akustisches Phänomen oder auf den Leitton am Ende einer Phrase zu verzichten", ließ Kaufmann dazu programmatisch verlauten. "Es geht um den Verzicht auf Dur- oder Molltonleitern, zugunsten von weniger abgenützten Wegen, wie Skalen aus abwechselnd Halb- und Ganzton, wie sie Olivier Messiaen gerne verwendet hat, oder um Ganzton-Konstruktionen, jenseits von Ost-Charme und Impressionismus." Und weiter: "Der gegenwärtige Trend, Musik als Mittel zur Unterhaltung statt als Lebensmittel zu sehen, läuft parallel zur Rolle des Konservativismus in der Kunst überhaupt, zur Ablehnung einer kritischen Auseinandersetzung von Künstlerinnen und Künstlern mit der Gegenwart, ja, zu einer Ablehnung alles Ungewohnten, Fremden oder fremd Wirkenden, zu jeder Form der Veränderung auch in der Politik?"

Mit seinen Produktionen war Kaufmann in ganz Europa auf Tournee. Auf Einladung spielte er auch in Nord- und Lateinamerika, in Ägypten und Taiwan. Der Künstler erhielt für seine Opern, Kammermusik, Chormusik, Klavier- und Orgelmusik aber auch für die elektroakustischen Kompositionen und Computermusik zahlreiche Auszeichnungen, etwa den Kompositionspreis beim Steirischen Herbst 1975, den Ernst-Krenek-Preis der Stadt Wien 1990, den Preis der Stadt Wien für Musik 1991 oder den Würdigungspreis des Bundes 1996. 2008 wurde ihm der Kärntner Landeskulturpreis zuerkannt.

Bei der morgigen Geburtstags-Hommage in der Alten Schmiede, die online übertragen wird, sind Dietmar Pickl (Kontrabass), Igor Gross (Schlagwerk) und Dieter Kaufmann selbst (Klangregie) im Einsatz. Zu hören sind u.a. Auszüge aus seinem 24-teiligen Werk "Musik und Bewegung" für Tänzer, Darsteller, Instrumente und Klänge im Raum (komponiert zwischen 1966 und 2017), sowie die rein akustischen Werke "Aphorismen und Zitate" und "Redensarten, Sprichwörter, Zaubersprüche und Zitate". Sie verarbeiten Aphoristisches und Floskelhaftes kompositorisch zu einem dynamischen, fließenden Ganzen und suggerieren versteckte Korrespondenzen.

(S E R V I C E - Dieter Kaufmann zum 80. Geburtstag: 23.4., 20 Uhr, Alte Schmiede, )

(APA)

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