Kompatscher bringt "digitalisierte Autobahn" in Rom ein

Kompatscher sieht in "digitalisierter Autobahn" eine große Chance.
Kompatscher sieht in "digitalisierter Autobahn" eine große Chance. ©APA/EXPA/JOHANN GRODER
Südtirols LH Arno Kompatscher (SVP) wird in den kommenden Wochen das Konzept einer "digitalisierten Brennerautobahn" bei der Regierung in Rom einbringen und sieht darin die einmaligen Chance, mittel- und langfristig dem überbordenden Transitverkehr auf der Brennerstrecke Herr zu werden. Mit dem neuen System soll umweltfreundlicher Transitverkehr belohnt und umweltschädlicher per Maut verteuert werden, sagte Kompatscher im APA-Interview und ortete großen Rückhalt in Rom.

Zudem enthält das System die Möglichkeit einer "Buchbarkeit" der Strecke durch die Frächter, so der Landeshauptmann. Das bedeute, dass neben der Umweltfreundlichkeit auch die Belastung der Infrastruktur ein Kriterium sein soll, ob eine höhere oder eine niedrigere Maut zu entrichten ist. "Die Maut wird entrichtet entsprechend der Umweltklasse des Fahrzeuges. Je weniger Schadstoffe, umso billiger. Je mehr Schadstoffe, umso teurer. Zudem muss man mehr bezahlen, wenn mehr Verkehrsteilnehmer an dem Tag die Autobahn benützen - und umgekehrt". Die Frächter würden also selber entscheiden können, wann sie eine Fahrt unternehmen und entsprechend buchen. So würden weniger Staus generiert: "Besser ein fließender, umweltfreundlicher Verkehr, als ein blockierter Stauverkehr", argumentierte Kompatscher. Über die Erstellung einer Machbarkeitsstudie für ein solches "Slot-System" für Lkw auf der Brennerautobahn hatte zuletzt auch die "Tiroler Tageszeitung" berichtet.

Der Landeshauptmann ortete gegenüber der APA reelle politische Chancen, dass das Projekt mittel- und langfristig zur Anwendung kommen könne. Die "digitalisierte Autobahn" werde von Südtirol und anderen Provinzen wie dem Trentino im Zuge der Einbringung des Konzepts für die Neuvergabe der Brennerautobahn-Konzession miteingebracht. "Eine Umsetzung ist realistisch, weil die Grundidee vom italienischen Umweltminister, vom Verkehrsminister sowie vom Ministerpräsidenten Draghi begrüßt wird. Sie beurteilen diese als interessant und innovativ". Ebenso EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sei darüber informiert worden. Und auch Brüssel habe bereits positive Signale gesendet. Zudem wären die Frächter - wenn auch "mit Bauchschmerzen" - mit an Bord. "Wird das Projekt mitsamt der Neuvergabe der Konzession genehmigt, dann gilt es als Regierungsauftrag", betonte der Landeschef. Dann komme es im besten Fall zu einem schrittweisen Umsetzen. Dafür brauche es aber die jeweilige staatliche Ebene sowie die EU-Ebene.

"Wir brauchen neue Konzepte und Ideen. Und wir haben sie", sah Kompatscher mögliche "Gamechanger". Die Maßnahmen des Landes Tirol mit Blockabfertigungen und dergleichen seien "Notmaßnahmen", die von Südtirol solidarisch unterstützt würden. Aber sie bringen langfristig keine Lösung. "Es braucht Lösungen, die tatsächlich einen Einfluss auf die Entscheidungen der Verkehrsteilnehmer haben. Und das sind Lösungen über die Brieftasche".

Indes steht einmal mehr die Frage eines sogenannten "trilateralen Gipfels" - also zwischen Deutschland, Italien und Österreich - in Sachen Transit im Raum. "Es sollte und kann einen solchen Gipfel noch heuer geben. Aber er gehört gut vorbereitet - einen solchen zu veranstalten, nur um sich zu treffen und eine Absichtserklärung zu unterschreiben, ist zu wenig. Es müssen konkrete Pflöcke eingeschlagen werden", so Kompatscher. Ein solches Treffen mit klaren Inhalten würden jedenfalls unter anderem Südtirol, Trentino und das Bundesland Tirol mit Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und LHStv. Ingrid Felipe (Grüne) vorantreiben.

Der Verkehrssprecher der Tiroler NEOS, Andreas Leitgeb, konnte dem von Kompatscher ins Treffen geführtem Konzept "einiges abgewinnen", wie er in einer Aussendung wissen ließ, machte aber auch Schwachstellen ausfindig. So müsse "unbedingt eine Stunden- und Tageskapazitätsgrenze festgelegt werden". "Günstige Mauttarife für umweltfreundliche Lkw" sah Leitgeb kritisch: Er zweifle daran, dass der "überbordende Verkehr" so in den Griff zu bekommen sei. "Schließlich sind die Fahrzeuge zahlreicher Frächter auch jetzt schon am neuesten umwelttechnischen Stand", betonte Leitgeb.

(APA)

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