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Kommandant beißt Polizistin

Bregenz - Ihren Dienst bei der Österreichischen Bundespolizei hat sich eine junge Frau aus dem Unterland wohl anders vorgestellt. Direkt nach der Polizeischule wurde die rund 20-Jährige einer kleinen Polizeiinspektion im Bezirk Bregenz zugeteilt. "Völlig inakzeptables Verhalten"

Was die Polizistin aber seit ihrem Dienstantritt 2007 auf dem örtlichen Polizeiposten ertragen musste, hört sich unglaublich an – die Vorwürfe, ausgerechnet gegen den Vorgesetzten der Frau, sind aber bittere Realität.

An den Haaren gepackt

Laut Akten hat der 50-jährige Postenkommandant die junge Polizistin zwei Mal gebissen – mitten im Wachzimmer. Einmal im Bereich der Schulter, ein anderes Mal in die Hand. An ihren langen Haaren habe der Kontrollinspektor die junge Beamtin öfters gepackt, einmal wurde sie von ihrem Chef auf der Toilette des Polizeipostens eingesperrt. „Sie musste über Handy einen anderen Kollegen um Hilfe bitten, damit sie befreit wird“, schildern Polizisten den „VN“. Was unter Kollegen noch als Scherz durchgeht, stellt sich im vorliegenden Fall anders dar. Denn die Erniedrigungen durch den Chef zogen sich ein Dreivierteljahr hin. „Als junge Beamtin aus der Polizeischule traust Du dich nicht gegen den Kommandanten aufzumucken“, sagen Beamte, die die Gepflogenheiten kennen müssen. Eines Abends, als die junge Frau die Dienststelle nach der Arbeit verlassen wollte, stellte sich der Chef ihr in den Weg, bedrängte sie. „Ich glaube, dass du etwas gestohlen hast. Ich muss dich durchsuchen“, soll der 50-Jährige seiner jungen Kollegin gesagt haben. Da reicht es der jungen Frau, sie entzieht sich der Situation – kurz darauf werden die Vorfälle in Polizeikreisen bekannt.

Erniedrigungen

„Die Erniedrigungen durch den Mann passierten in aller Öffentlichkeit. Er hat sogar im Beisein von polizeifremden Personen über die junge Beamtin gesagt, sie sei ,keine Kollegin, nur eine Frau in Uniform‘“, heißt es. Für den Mann gilt bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung, es zeichne sich aber ab, dass er ein Problem mit Polizistinnen gehabt haben muss. Denn eine zweite Frau, die auf demselben Posten arbeitete, bestätigte, dass der Chef auch sie drangsaliert habe: „Aber niemals so schlimm wie bei ihr“, so die Frau.

Nicht suspendiert

Die vom Landespolizeikommando eingeleiteten internen Ermittlungen führte das Bezirkspolizeikommando Bregenz durch, nicht das Wiener Büro für Interne Angelegenheiten (BIA). „Ich habe den Fall dem BIA-Chef geschildert, wir haben dann beschlossen, den Fall im Land zu erheben“, sagt der Landespolizeikommandant Manfred Bliem den „VN“. Die vorläufig getroffenen Maßnahmen überraschen in Polizeikreisen: Der Ortskommandant wurde nicht suspendiert – wenn er auch eine Versetzung ins Landespolizeikommando in Kauf nehmen musste. Bei vollen Bezügen wird dem Mann zusätzlich durch die Zuteilung ins Polizei-Hauptquartier eine sogenannte Zuteilungsgebühr ausbezahlt: er verdient also mehr als vor der Versetzung.

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