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Koalition: Erste Studentenproteste

Nicht lange warten lassen haben Studenten-Proteste gegen die rot-schwarze Einigung bei den Studiengebühren, die unter anderem einen Ersatz gegen die Leistung von Sozialarbeit vorsieht.

Rund 30 Studenten haben am Montag Nachmittag symbolisch als erste „Sozialarbeiter“ den Ring vor der Universität Wien gekehrt.

Der Studenten-Protest sorgte am Ring gegen 15.00 Uhr kurzfristig für Verkehrsbehinderungen. Autofahrer standen beim Schottentor etwa eine Viertelstunde im Stau, sagte eine Sprecherin der Polizei zur APA. Auch Straßenbahnen der Wiener Linien waren von der Blockade betroffen: Die Linien 1 und 2 wurden etwa eine halbe Stunde lang über den Franz Josefs-Kai zwischen Börse und der Bellaria kurz geführt. Eine Umleitung über den Franz Josefs-Kai wurde für die Linie D eingerichtet.

Nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Hochschülerschaft haben an der gesamten Aktion mehr als 200 Studenten teilgenommen. Anschließend zogen sie weiter zur SPÖ-Zentrale in der Löwelstraße, wo sie die SPÖ an die „Einhaltung ihrer Wahlversprechen“ wie die Abschaffung der Studiengebühren erinnern wollten. „Gusenbauer muss sich schon noch überlegen, wie viel SPÖ noch in dieser Regierung steht“, hieß es aus der ÖH gegenüber der APA.

„Ungläubigkeit“ herrscht auch in der Bundesjugendvertretung (BJV) zu der Einigung bei den Studiengebühren. „Diese Regelung kann nur ein schlechter Scherz sein“, hieß es in einer Aussendung zum Modell des Zurückverdienens der Gebühren gegen gemeinnützige Arbeit: „Wir vermuten, dass sich die künftige Regierung damit jene billigen Arbeitskräfte, die sie über die Verkürzung des Zivildienstes verloren hat, über die Hintertür wieder zurückholen will. Für uns ist das inakzeptabel!“

Studenten fühlen sich „verarscht“

Durchwegs auf Ablehnung stieß bei einem Lokalaugenschein der APA an der Universität Wien und der Technischen Universität (TU) Wien die Koalitionseinigung zwischen SPÖ und ÖVP zur Studiengebühren-Rückerstattung mittels Sozialarbeit. Der angehende Diplom-Ingenieur Markus W. fühlt sich „verarscht“: Mit jedem anderen Job würde man deutlich mehr verdienen als mit den sechs Euro pro Stunde für Sozialarbeit.

Parteipolitischer sieht es Daniel E. von der Uni Wien: „Die SPÖ hat sich über den Tisch ziehen lassen, und die Studenten müssen es ausbaden.“ Von einem freien Hochschulzugang sei man mittlerweile sehr weit entfernt, so der Student der Politikwissenschaft. Bezüglich einer Mitwirkung bei Sozialarbeit müsse außerdem geklärt werden, dass ja für die meisten derartigen Jobs Ausbildungen nötig seien. „Wird erwartet, dass die Studenten das auch noch in ihrer spärlichen Freizeit absolvieren?“, so E.

„Ich werde lieber etwas Gescheites arbeiten und dabei das Doppelte verdienen“, erklärte Germanistik-Studentin Sonja H. Die Situation sei nun eigentlich schlimmer als vorher, man werde effektiv dafür bestraft, dass man studiere. „Es könnte auch sein, dass die Maßnahme ein Ersatz für den verkürzten Zivildienst ist“, mutmaßte die Studentin.

Zusätzliche Sozialarbeit kann sich Klaus G. von der TU Wien schon aus Zeitgründen “überhaupt nicht vorstellen“. „Es ist schon jetzt an unserer Universität kaum möglich, in der vorgesehenen Zeit zu studieren“, sagte G. In der Privatwirtschaft werde man als Student zwar auch ausgenommen, man verdiene aber immer noch das Dreifache von dem, was jetzt im Raum stehe. G. arbeitet nach eigenen Angaben als Barkeeper und gibt Nachhilfe.

„Angesichts des drastisch gestiegenen Bierpreises sind sechs Euro Stundenlohn ein Witz“, sagte Martin P., der neben seinem TU-Studium auch als Bogenschießlehrer arbeitet. Es sei zudem fraglich, ob man durch die Sozialarbeit zusätzlich zu dem fast von jedem Studenten ausgeübten Job nicht Probleme mit der Steuer bekomme und letztendlich schlechter aussteige als vorher. Letztendlich sei alles besser als ein Sechs-Euro-Job, ist P. überzeugt.

Häupl: Sozialarbeit kein „billiger Zivildienst“

Laut dem Wiener Bürgermeister und stellvertretenden SP-Bundesobmann Michael Häupl wird der im Koalitionsabkommen genannte Sozialdienst für Studenten kein „billiger Zivildienst“ werden. Qualifizierte Arbeiten, wie sie Zivildiener machen und für die es eine Ausbildung braucht, gehören demnach nicht zu den vorgesehen Tätigkeiten.

Stattdessen sollen Studenten, die sich die Studiengebühren ersparen wollen, etwa Nachhilfe geben. Auch Besuchsdienste sind laut Häupl möglich: „Dazu gehört etwa, dass man eine Zeit mit den Kindern verbringt oder dass man ältere Menschen besucht.“

In Wien kommt dabei Unterstützung von Seiten der Stadt: „Wir werden in Wien eine Organisation auf die Füße stellen, die der Studentschaft bei der Suche nach geeigneten Stellen hilft.“

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