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Kämpfe in Bagdader Schiitenviertel außer Kontrolle

Die Lage in Bagdads Schiiten-Vorstadt Sadr-City gerät fünf Wochen nach Beginn der Offensive von US-Truppen und Regierungseinheiten gegen die Miliz "Mahdi-Armee" des radikalen Predigers Muktada al-Sadr immer mehr außer Kontrolle. Das US-Militär berichtete am Mittwoch von neuerlichen heftigen Kämpfen, bei denen seit Dienstagmorgen 32 Milizionäre getötet und sechs amerikanische Soldaten verletzt worden seien.

Bewohner des Schiitenviertels gaben noch höhere Opferzahlen an. Eine US-Militärsprecherin erklärte, die Milizionäre seien “Feiglinge”, die aus Wohnhäusern feuerten und sich nicht um zivile Opfer scherten.

In der Nacht auf Mittwoch töteten Aufständische im Nordwesten der irakischen Hauptstadt nach Militärangaben zwei US-Soldaten. Ein weiterer Soldat sei am Montag bei einem Raketenangriff auf einen Militärstützpunkt in Bagdad gestorben, hieß es. Die “Mahdi-Armee”, die landesweit rund 60.000 Mann unter Waffen haben soll, hatte die jüngsten Gesprächsvorschläge von Ministerpräsident Nuri al-Maliki verworfen. Was Maliki anzubieten habe, sei kein “konstruktiver Dialog”, erklärte ein Milizsprecher in Najaf. Die Miliz werde sich nicht widerstandslos entwaffnen lassen und lehne es ab, von der Regierung gesuchte Milizangehörige auszuliefern. Viele irakische Soldaten hatten im März während einer von Maliki angeordneten Offensive gegen die Mahdi-Miliz in der südlichen Hafenstadt Basra und in Sadr-City den Befehl verweigert. Unter den Befehlsverweigerern waren Schiiten, die nicht auf “schiitische Brüder” hatten schießen wollen, und Soldaten, die mögliche spätere Racheakte der Milizionäre fürchteten.

Maliki hatte vier Bedingungen für ein Ende der Offensive gegen die Mahdi-Miliz und andere illegale bewaffnete Gruppen genannt. Sie müssten ihre schweren und mittelschweren Waffen abgeben und damit aufhören, sich in die Angelegenheiten der Regierung und der Streitkräfte einzumischen, forderte Maliki am Freitag vorigen Woche in einem Interview des Fernsehsenders “Al-Arabiya”. Ferner müssten die Milizen alle gesuchten Personen ausliefern und eine Liste mit Namen jener erstellen, die in Gewalttaten verwickelt seien. Muktada al-Sadr hatte mit einem “offenen Krieg” gedroht, wenn die Regierung die gemeinsamen Angriffe mit den US-Streitkräften gegen seine Anhänger nicht einstelle.

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