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Klima-Glossar zur CO2-Speicherung

Wenn von CO2-Speicherung die Rede ist, ist meist Carbon Capture and Storage (CCS) gemeint.
Wenn von CO2-Speicherung die Rede ist, ist meist Carbon Capture and Storage (CCS) gemeint. ©Canva (Symbolbild)
Die Welt muss den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid (CO2), das die Wärme in der Atmosphäre bindet, stark reduzieren, um die Erderhitzung zu bekämpfen.

Kraftwerke, die fossile Brennstoffe verbrennen, stoßen einen großen Teil dieses CO2 aus. Mit der CO2-Speicherung soll das Gas aus der Atmosphäre ferngehalten werden. Sie gilt als Zukunftstechnologie für Branchen, die nur schwer auf Erneuerbare umsteigen können, ist aber umstritten und in Österreich derzeit verboten.

CO2-Speicherung meint meist Carbon Capture and Storage

Wenn von CO2-Speicherung die Rede ist, ist meist Carbon Capture and Storage (CCS) gemeint, was so viel bedeutet wie CO2 abtrennen ("Capture") und speichern ("Storage"). Bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe entstehen neben CO2-Molekülen auch andere Gase. Diese können zum Beispiel mit chemischen Lösungsmitteln voneinander abgetrennt werden, damit reines CO2 entsteht. Dieses wird zusammengepresst und verflüssigt über Rohrleitungen, in Lastwagen oder in Tankschiffen zum Speicherort transportiert. Das CO2 kann in leeren Öl- und Gasfeldern, aber auch in Salzwasser führenden Gesteinen kilometertief unter der Erde gespeichert werden. Die geologischen Formationen wirken wie ein Deckel, der das CO2 am Entweichen hindert und so aus der Atmosphäre fernhält. Zudem verfestigt sich das CO2 nach und nach.

Fachleute befürworten die CO2-Speicherung für energieintensive Industrien, die fossile Brennstoffe nur schwer durch Erneuerbare ersetzen können. Das gilt für Branchen wie Stahl, Zement, Papier oder Chemie, die für einen großen Teil der weltweiten Emissionen verantwortlich sind. Acht Prozent der globalen Treibhausgasemissionen gehen allein auf die Zementproduktion zurück, so ein Bericht der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC) der Europäischen Kommission.

APA ©APA

Wissenschafter warnen vor Verlassen auf CO2-Speicherung

Wissenschafterinnen, Umweltaktivisten und der Weltklimarat (IPCC) warnen jedoch davor, sich bei der Reduktion der Emissionen allein auf die CO2-Speicherung zu verlassen. Die CO2-Speicherung kann nur ein Teil der Lösung der Klimakrise sein, sagt Tobias Pröll, Professor für Energietechnik an der Universität für Bodenkultur in Wien. Der Schwerpunkt müsse auf der Vermeidung von CO2-Emissionen liegen, bevor diese überhaupt entstehen, und auf dem raschen Ausbau der Erneuerbaren.

Der Weltklimarat hat bereits 2005 einen Sonderbericht zur Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoffdioxid veröffentlicht. Darin wurde das Potenzial der CO2-Speicherung als beträchtlich bezeichnet, das in vielen Szenarien die Kosten zur Eindämmung der Klimakrise deutlich senken könnte. Ob CCS in Zukunft tatsächlich eine Rolle spielen wird, hänge aber etwa von den finanziellen Anreizen ab. Nur wenn die Technologie wirtschaftlich sei, werde sie sich durchsetzen.

Der Preis für CO2-Zertifikate liegt derzeit bei rund 80 Euro pro Tonne (Stand: November 2023). Ab 120 bis 150 Euro Emissionspreis pro Tonne CO2 rechne sich CCS betriebswirtschaftlich für die Unternehmen, sagt Pröll. Dieser Preis werde aber nach Einschätzung des Forschers bald erreicht werden. Ein Zertifikat bedeutet ein Emissionsrecht. Stößt ein Unternehmen mehr CO2 aus, als ihm durch seine durch die CO2-Zertifikate erworbenen Rechte zusteht, muss es Strafen zahlen oder zusätzliche Zertifikate kaufen.

Weitere Hürden für die CO2-Speicherung

Neben der Wirtschaftlichkeit gibt es weitere Hürden für die CO2-Speicherung. In Österreich zum Beispiel ist sie seit 2011 verboten, weil es Bedenken wegen möglicher Umweltschäden gibt, sollte das CO2 plötzlich entweichen. Allerdings wird alle fünf Jahre überprüft, ob das Verbot noch gerechtfertigt ist. Der zuständige Bergbauminister Magnus Brunner (ÖVP) hat sich im Herbst 2023 für eine Aufhebung des Verbots ausgesprochen, die notwendige Zustimmung aus dem Grünen Klimaministerium fehlt aber nach wie vor. Neben Österreich ist die CO2-Speicherung in acht weiteren EU-Staaten verboten, darunter auch in Deutschland (Stand: 2023).

Heute ist die Technologie zwar besser erforscht, die Akzeptanz in der Bevölkerung sei aber nach wie vor gering, sagt Energietechnikprofessor Pröll. Der Forscher sieht auch keinen Bedarf dafür, dass jedes kleine Land wie Österreich einen eigenen CO2-Speicher hat. Wichtiger sei es, dass Österreich Transportstrukturen aufbaut, um das CO2 in andere Länder zu bringen, wo die geologische CO2-Speicherung bereits erprobt und aufgrund der geologischen Gegebenheiten besser möglich ist. Für Norwegen etwa ist die kommerzielle Speicherung von abgeschiedenem CO2 ein wichtiger Schritt zur Erreichung der Pariser Klimaziele - seit 1996 wird die Technologie in dem skandinavischen Land praktiziert. Der teilstaatliche österreichische Öl-, Gas- und Chemiekonzern OMV hat sich schon eine Lizenz zur CO2-Speicherung in Norwegen gesichert. Auch EU-Staaten wie Dänemark investieren kräftig in diese Methode.

In den nächsten Jahren und Jahrzehnten werden die Kapazitäten zur Abtrennung, Nutzung und Speicherung von CO2 nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) weltweit massiv ausgebaut: von 45 Millionen Tonnen im Jahr 2022 auf 1.024 Millionen Tonnen im Jahr 2030. Allein im vergangenen Jahr stiegen die CO2-Emissionen aus Industrie und Energienutzung jedoch um 321 Millionen Tonnen auf 36.800 Millionen Tonnen.

(APA/Red)

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