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Kinderschutz wird in Vorarlberg auf neue Beine gestellt

Eine starke Verankerung soll weiterhin im Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe des Landes bleiben
Eine starke Verankerung soll weiterhin im Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe des Landes bleiben ©Bilderbox
Bregenz - Der Kinderschutz in Vorarlberg erhält eine neue Organisationsstruktur. Sie soll eine noch bessere Vernetzung der öffentlichen und privaten im Kinderschutz tätigen Institutionen sowie aller Systempartner (Polizei, Schule, etc.) erreichen.

Bei einer Pressekonferenz in Bregenz wurde zudem wiederholt eine stärkere öffentliche Sensibilisierung für das Thema Gewalt an Kindern gefordert.

Laut Studien und Umfragen erfahren in Vorarlberg rund 1.100 Kinder und Jugendliche pro Jahrgang – das sind ein Viertel aller Minderjährigen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren – Gewalt in den unterschiedlichsten Ausprägungen, einschließlich mehrmaliger schwerer körperlicher Strafen. Etwa sieben Prozent (300 Kinder pro Jahrgang) sind gravierenden körperlichen Angriffen ausgesetzt. Sexuelle Gewalt erleben pro Jahr etwa 80 bis 85 Minderjährige zwischen sechs und 16 Jahren. Rund die Hälfte davon wird schwer sexuell misshandelt. Drei Viertel dieser Opfer sind Mädchen, etwas weniger als die Hälfte ist mehrfach betroffen.

Verbesserte Öffentlichkeitsarbeit gefordert

“Nur 58 Prozent der Eltern wissen, dass es in Österreich seit 1989 ein Gewaltverbot in der Erziehung gibt”, machte der Vorarlberger Kinder- und Jugendschutzanwalt Michael Rauch am Donnerstag anlässlich der Präsentation des neuen Systems deutlich. Gemeinsam mit Ruth Rüdisser, der Leiterin des Bereichs Kinderschutz am Institut für Sozialdienste (ifs), und der Kinderschutzkoordinatorin des Vorarlberger Kinderdorfs, Anneli Kremmel-Bohle, forderte er eine verbesserte Öffentlichkeitsarbeit. “Das muss unser erstes Ziel sein”, machte Kremmel-Bohle deutlich und verwies auf Schweden als Vorreiter beim Thema Kinderschutz. Das skandinavische Land machte das Gewaltverbot einst auf Milchpackungen gedruckt publik. “Wir müssen an den Themen dranbleiben. Die Öffentlichkeitsarbeit sollte nicht nur punktuell passieren”, kritisierte die Kinderschutzkoordinatorin die herrschende Praxis. Immerhin habe Schweden damit erreicht, dass mittlerweile über 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen keinerlei Gewalt erleben, brachte Rauch sein Anliegen auf den Punkt.

Neuer Fachbeirat wird gebildet

“Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache”, schloss sich auch Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) an. Umso wichtiger sei es, das in Vorarlberg bewährte integrierte Kinderschutzsystem weiterzuentwickeln und auszubauen. Zu diesem Zweck erhält der Kinderschutz seine neue Organisationsform und Struktur. Eine starke Verankerung soll weiterhin im Fachbereich Kinder- und Jugendhilfe des Landes bleiben. Darüber hinaus wird ein Fachbeirat gebildet, der sich aus acht Vertretern der öffentlichen und privaten Kinder- und Jugendhilfe und der Kinder- und Jugendanwaltschaft zusammensetzt. Ihm komme eine steuernde und moderierende Funktion zu, informierte Wiesflecker. Ein “innerer Kreis” soll etwa 28 Experten in medizinischen und psychosozialen Einrichtungen einbinden, ein “äußerer Kreis” zudem alle Systempartner.

Ein erstes Treffen aller Beteiligten ist für Ende April anberaumt. Dort soll zunächst eine “Landkarte” zum Kinderschutz in Vorarlberg angelegt und künftige Vernetzungs- und Kooperationsstrukturen sollen festgelegt werden. Weitere Zusammenkünfte werde man nach Themen und Altersgruppen einberufen.

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