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Keiner kontrolliert die Kontrolleure von ADAC und Co.

Skandale erschüttern in Deutschland das Vertrauen in hoch geschätzte Institutionen.
Skandale erschüttern in Deutschland das Vertrauen in hoch geschätzte Institutionen. ©DPA
Der Manipulations-Skandal beim ADAC ist nur heraus gekommen, weil Mitarbeiter die Informationen gezielt nach außen gegeben haben. Eine interne Kontrolle gab es nicht. Im Zusammenhang mit dem ADAC meldete sich inzwischen die Vereinigung deutscher Autohöfe. Diese hält dem ADAC vor, neben der Leserwahl zum Lieblingsauto der Deutschen auch den alljährliche Raststättentest manipuliert zu haben.

Der Vorwurf wiegt schwer: Der ADAC ist demnach Geschäftspartner des Raststättenbetreibers Tank&Rast und kassiert Geld durch Werbung. Dies sei der Grund, weshalb diese Raststätten im Test immer besser abschnitten als die mittelständisch betriebenen Autohöfe, beklagt die Vereinigung.

Kontrollinstanz fehlt

Ähnliche Vorwürfe gab es auch schon früher. Das Problem ist, dass eine unabhängige Kontrollinstanz fehlt. Weder die Verbraucherzentrale Bundesverband noch die Organisation Lobbycontrol kennen Einrichtungen, die bei solchen als Verbraucherinformation deklarierten Tests wie etwa von Raststätten eine Gegenkontrolle vornehmen. Im konkreten Fall steht somit dem – bis vor Kurzem unangekratzten – Vertrauen in den ADAC lediglich die vergleichsweise unbekannte Vereinigung deutscher Autohöfe gegenüber.

Im Skandal um den ADAC-Autopreis wird es wohl keine juristischen Folgen geben. Die Staatsanwaltschaft München I sieht sich zumindest meilenweit von einem Ermittlungsverfahren entfernt, weil der ADAC wohl durch eine Test-Manipulation keinen finanziellen Vorteil erringen konnte.

Ritter Sport ging gegen Bewertung vor

Anders war es im Rechtsstreit des Schokoladenherstellers Ritter mit der Stiftung Warentest: Dieser ging zumindest vorläufig erfolgreich gegen die Bewertung einer Ritter-Sport-Schokolade mit der Note mangelhaft vor. Das Landgericht München I bewertete den Test vergangene Woche als unfair, vorläufig darf die Stiftung die Schokolade nicht mehr kritisieren.

Nach Test: Hersteller gingen auf die Barrikaden

Für die Stiftung war es der zweite große Streit um einen Test binnen kurzer Zeit. Im Sommer hatten die Warentester 9 von 16 getesteten Pedelec-Fahrrädern (Elektro-Fahrräder) ein “mangelhaft” gegeben. Die Hersteller gingen auf die Barrikaden, kritisierten fehlende Transparenz bei den Tests und fehlerhafte Testdurchführungen. Stiftung Warentest korrigierte die Ergebnisse als Folge der Kritik aber nur minimal. Und die Organisation verweist auch darauf, als Stiftung bürgerlichen Rechts “frei bei der Testplanung und der Entwicklung und Anwendung ihrer Testkriterien” zu sein.

Der Test wurde zusammen mit dem ADAC durchgeführt. Beide Verbände bezeichnen sich als Verbraucherorganisationen. Lobbycontrol-Sprecherin Christina Deckwirth meint, dass diese Selbstbeschreibung zumindest beim ADAC nur bedingt zutrifft – dieser sei auch ein großes Wirtschaftsunternehmen mit entsprechenden Interessen.

Mehr Transparenz gefordert

Auf das Problem der großen wirtschaftlichen Interessen verwies auch Michael Adams, emeritierter Wirtschaftsrecht-Professor, im Deutschlandfunk. Die Deutschen würden unabhängige Institutionen lieben, etwa in der Wissenschaft und beim Tierschutz. Aber all diese Institution hätten das Problem, intern nicht die notwendige Transparenz zu organisieren.

Der Experte fordert für die Institutionen Transparenz, wie sie für Wirtschaftsunternehmen im Handelsgesetzbuch vorgesehen ist: Nämlich dass Geldströme, Verdienststrukturen der führenden Köpfe und die Umsätze der verschiedenen Geschäftsfelder veröffentlicht werden. Allerdings gebe es in den Institutionen Widerstand gegen solche Schritte, räumte Adams ein.

(APA)

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