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Keine Markthalle für Bregenz

Der Seestadt-Entwurf von Eberle, Chipperfield und Diener wurde abgelehnt.
Der Seestadt-Entwurf von Eberle, Chipperfield und Diener wurde abgelehnt. ©VN
Bregenz – Architekt Eberle kritisiert die Änderungen in den Seestadt-Plänen. Sein Entwurf wurde abgelehnt.

Eine Markthalle hatte der international renommierte Architekt Dietmar Eberle (59) entworfen. Für Bregenz, für das Seestadtareal. Gemeinsam mit den Architekten David Chipperfield und Roger Diener entwickelte Eberle die Entwürfe nach den Vorbildern des Palazzo della Ragione in Padua oder der Tuchhallen in Krakau. Doch: Die Pläne des Architektenteams wurden beim Wettbewerb nicht berücksichtigt. Die Jury, bestehend aus Fachpreisrichtern und Vertretern der Politik, entschied sich im April 2010 für die Pläne der Architekten Aicher, Zechner, Ludescher, Lutz. Einstimmig. Denn Eberles Entwurf widersprach dem Masterplan. Kein einzelner Baukörper, sondern eine kleinteilige Struktur solle entstehen. Das war dann auch beim Siegerprojekt zu sehen: Drei Baukörper, dazwischen Wege.

Pläne adaptiert

Das hat sich in den letzten Monaten ein wenig geändert. Nach mehreren Adaptierungen ist zwar immer noch geplant, drei Baukörper zu errichten, diese sind aber mittels einer durchgängigen Einkaufspassage verbunden. Die Adaptierungen sorgen für Gesprächsstoff in der Architekturszene. Etwa bei Eberle, der mit einem völlig anderen Konzept, das den Ausschreibungskriterien des Wettbewerbs widersprach, zu reüssieren versucht hatte. „Wir haben gewusst, dass wir damit ein anderes Konzept vorlegen“, sagt Eberle. Nur dafür sieht er noch heute gute Gründe. „Der Bebauungsplan und das Nutzungskonzept widersprachen sich aus unserer Sicht in ganz wesentlichen Punkten. Wir waren der Meinung, dass drei Bauteile keinen Sinn ergeben.“ Man habe dafür zwar inoffiziell viel Zustimmung erhalten, zu einem Umdenken im Prozess habe das aber nicht geführt. Dass das jetzige Projekt zusammengewachsen ist, hat ihn überrascht. Und auch, dass nach dem Wettbewerb der Bebauungsplan abgeändert wurde. Eberle wundert sich noch heute über die sehr schnelle und einstimmige Entscheidung der Jury: „Ich kenne keine andere Wettbewerbsentscheidung, die in vier Stunden getroffen wurde. Nachdem mir einige Jurymitglieder gesagt haben, dass sie mein Projekt für das beste hielten, hat mich auch die Einstimmigkeit überrascht.“

„Bei null anfangen“

Der Bebauungsplan wurde ein Mal geändert, bestätigt Stadtbaumeister Bernhard Fink (44). „Geringfügig. Teilbereiche wurden höher, Teilbereiche niedriger. Das Ausmaß hat sich nicht vergrößert.“ Um Eberles Entwurf umzusetzen, hätte man den Bebauungsplan „über Bord werfen“ müssen. Er schätze Eberle als Architekten sehr, sagt Fink. „Aber er hat den Bebauungs- und den Masterplan negiert. Da waren nicht ein paar Zeilen, sondern der Titel falsch.“ Dass die jetzigen Pläne vom Siegerprojekt abweichen, bestätigt Architekt Gerhard Aicher (47). „Natürlich ergeben sich in der Detailplanung Änderungen. Aber unser städtebauliches Programm wird beibehalten“, unterstreicht er. Dass die ursprünglich geplanten Wege zwischen den Häusern geschlossen werden, zumindest mit einer Glasfront, streitet er nicht ab. „Die Schneisen wird es nur noch optisch geben.“

Gestaltungsbeirat involviert

„Der Bebauungsplan hat eine hohe rechtliche Verbindlichkeit, der Masterplan eine moralische“, erklärt Werner Binotto (54), St. Galler Kantonsbaumeister und Mitglied des Bregenzer Gestaltungsbeirats. „Dass sich Projekte verändern, ist nicht unüblich. Die Frage ist: Was ist im Kern vom Siegerprojekt noch erhalten?“ Die Frage will er erst im kommenden Jahr beantworten, wenn er die aktuellen Pläne kennt, die dem Gestaltungsbeirat bald vorgelegt werden. Eberles Entwurf fand er im Übrigen gut. „Ich könnte ihn mir auch in Bregenz vorstellen. Aber er entspricht nicht dem Masterplan, der mit der Öffentlichkeit erarbeitet wurde.“ Gänzlich leer ausgegangen beim Umbau des Bregenzer Zentrums ist Eberle jedoch nicht: Er gestaltet den hinteren Teil des neuen Bahnhofsviertels Seequartier.

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