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Keine Blauen am Blauen Platz

Lustenau (VN) -  Fünf Jahrzehnte lang hatten ausschließlich blaue Bürgermeister Österreichs größte Marktgemeinde regiert. Am 14. März 2010 endete diese Herrschaft der FPÖ jäh – als sich FPÖ-Kandidat Ernst Hagen dem ÖVP-Herausforderer Kurt Fischer in der Bürgermeister-Direktwahl klar geschlagen geben musste.

Und seither? Ist Fischer in Lustenau ominpräsent, während von den Blauen schlichtweg nichts mehr zu sehen und zu hören ist. Hagen ist zwar noch Ortsparteichef in Lustenau – doch das war es dann auch.

Ein langer Weg nach unten

Am Blauen Platz, so könnte man plakativ sagen, ist mittlerweile kein Blauer mehr zu sehen. Damit setzt sich freilich nur fort, was sich schon lange vor der Gemeindewahl 2010 angekündigt hatte. Maßgeblichen Anteil amblauen Niedergang hatte Langzeit-Bürgermeister Hans-Dieter Grabher, der die Frage nach einer Kandidatur lange offen gelassen – und erst am 30. Dezember 2009 angekündigt hatte, bei den Wahlen im März nicht mehr antreten zu wollen. Hagen, der von vornherein als chancenlos galt, musste einspringen – und scheiterte klar.

Ein potenzieller Nachfolger für Grabher war allerdings Jahre zuvor schon keiner in Sicht – und wurde von der Partei auch nicht aufgebaut. Durchaus auch zum Ärger der Landespartei, die öffentlich zwar stets Grabher den Rücken stärkte, intern das Treiben in Lustenau allerdings regelrecht empört verfolgte. Und was vor der Wahl galt, gilt auch nach der Wahl: Es drängt sich in den Reihen der Blauen schlichtweg kein Mandatar auf, dem man es zutrauen könnte, die Marktgemeinde bei den nächsten Wahlen wieder in FPÖ-Hand zurückzuführen. Vor allem die bürgerlichen Blauen fehlen der Partei, sagen Beobachter – bürgerliche Blaue vom Schlage der einstigen FPÖ-Granden Robert Bösch und Dieter Alge. Hagen selbst wird 2015 nicht mehr kandidieren – der Landtagsvizepräsident wird im September 59 Jahre alt. Anfang 2012 ist Ortsparteitag der Lustenauer FPÖ: „Und dort werde ich die Parteiführung in jüngere Hände, an den potenziellen Nachfolger übergeben.“

“Suchen, bis man einen findet”

Was sagt die Konkurrenz? Die ist, salopp gesagt, verblüfft. So erklärt ÖVP-Landtagsabgeordneter Albert Hofer: „Es würde mich interessieren, was die Blauen machen – denn in Lustenau hat man das Gefühl, Blau ist gar nicht da.“ Hofer schmunzelnd: „Früher hatte man das Gefühl, die würden einen erdrücken, so viele waren herum – jetzt muss ich immer suchen, bis ich einen seh.“ Bernd Bösch von den Grünen bestätigt dies, wenn er sagt: „Die Blauen sind in Lustenau ziemlich abgetaucht.“

In der Gemeindevertretung seien sie zwar noch zugegen, aber auch dort ohne die großen Themen; bei öffentlichen Veranstaltungen dagegen so gut wie gar nicht mehr präsent. Bösch sagt es recht plakativ: „Die FPÖ regierte seit 1960, ich bin Jahrgang 1961. Ich habe zu meinen Lebzeiten noch nie so wenige Blaue in Lustenau gesehen, wie heute.“ Sieht denn Bösch einen blauen Politiker, der die Marktgemeinde wieder in die Hand der FPÖ zurückführen könnte? „Nein, da gibt es überhaupt niemanden.“

“Sukzessiver Rücktritt”

Wie wertet Hagen die Lage? „Intern ist bei uns viel zu sehen, aber nach außen hin nicht – da haben Sie recht.“ Nach der Wahl sei „Lethargie und Enttäuschung eingetreten“. Die Lustenauer FP ist laut Hagen dabei, sich neu zu formieren: „Die alte Garde wird sukzessive den Rücktritt antreten.“ Wer aber rückt nach? „Wir werden das noch vor Ende des Jahres öffentlich machen. Doch bitte ich zu akzeptieren, dass wir das noch im Verborgenen halten.“ Eine ähnliche Ankündigung hatte freilich auch FPÖ-Landeschef Dieter Egger im VN-Sommerinterview gemacht – konkrete Namen konnte oder wollte allerdings auch Egger keine nennen. Nach Hagens Rückzugsankündigung gibt es freilich kein Zurück mehr. Man darf gespannt sein.

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