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Kein Grund zur Sorge

Vom Ufer aus gesehen wirkt der Bodensee diesen Winter wie ein Wattenmeer: Das Wasser hat sich von den Stränden weit zurückgezogen, lange Kies- und Schlammflächen säumen den Seerand.

Die Pfahlbauten des Freilichtmuseums in Unteruhldingen stehen auf dem Trockenen, und um auf die Blumeninsel Mainau zu kommen, ist derzeit keine Brücke nötig. Laut der Hochwasser-Vorhersagezentrale liegt der Wasserstand in Konstanz am Mittwoch mit 2,33 Meter so niedrig wie schon lange nicht mehr. Vor rund einer Woche war der Pegel noch zwei Zentimeter höher. Die Ursache dafür ist zu wenig Niederschlag. „2003 war ein Trockenjahr, und das haben wir auch 2004 nicht aufgeholt“, erklärt Hans Güde, Biologe vom Institut für Seenforschung der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW). Vergangenen Sommer hatte es zwar ein Hochwasser gegeben – am 22. August kam es zum höchsten, je gemessenen Anstieg des Seepegels an einem einzigen Tag. Aber seit September ist der Regen wieder ausgeblieben. Ausserdem sei der Wasserstand im Winter immer bescheiden, sagt Hans Güde: Der Bodensee wird mit Nachschub aus den Alpen gespeist, vom Gotthard und vom Vorarlberg fliesst das Wasser über den Rhein und die Bregenzer Ahr in den See. Während der Schneeschmelze von April bis Juni steigt der Pegel deshalb wieder, von August an sinkt er langsam und erreicht im Februar und im März seinen tiefsten Punkt. „Der See ist keine Badewanne mit Stöpsel“, erklärt der Biologe. Im Gegensatz zu den vielen Stauseen werde die Wassermenge im Bodensee über natürliche Zu- und Abläufe reguliert. „Und im Moment läuft mehr ab als zu.“ Dass der Niedrigwasserrekord dieses Jahr erreicht wird, kann also durchaus sein. Am 17. Februar 1858 wurde ein Pegel von 2,26 Metern gemessen. „Aber davon geht die Welt nicht unter“, sagt Güde. Ökologische Folgen erwartet er nicht, der alljährliche Wechsel sei nicht schädlich. Für die Wasservögel sind die Schlickgebiete ein Schlaraffenland. Sollte der Boden gefrieren, dient es der Sauerstoff-Zufuhr. Auch die Wasserversorgung von Städten wie Stuttgart ist nicht gefährdet: Die Ansaugstellen liegen zwischen 40 und 60 Meter unter Wasser. Der Fährverkehr muss sich dem niedrigen Wasserstand allerdings ein wenig anpassen. Zwischen Konstanz und Meersburg nehmen die zwei kleineren der insgesamt sechs Schiffe keine Lastwagen und Busse mehr mit. Ausserdem wurden die Landungsbrücken umgebaut. „Wir können auch bei einem Wasserstand von unter 2,30 Meter fahren“, sagt Silke Rockenstein von den Konstanzer Stadtwerken. Auf der Strecke von Friedrichshafen nach Romanshorn könne es bei 2,25 Meter kritisch werden, weil sich die Landungsbrücken nicht umbauen liessen. Auf diesen Fahrten wird die Ladung pro Schiff auch etwas reduziert. „Wir messen den Wasserstand jeden Tag“, sagt Silke Rockenstein. Und die Kapitäne fahren ihr zufolge sehr vorsichtig in die Häfen ein. Bei der Einfahrt in Friedrichshafen hat sich einmal die Kette der Boje um die Schraube des Katamarans gewickelt. Wegen der seichten Fahrrinne hatte die Kette zu viel Spiel. Passiert ist jedoch nichts, Taucher lösten das Problem. Zwtl: Feuchtes Wetter in den kommenden Tagen „Insgesamt haben wir nur zwei Prozent weniger Wasser als sonst“, betont jedenfalls Güde. Das Aralsee-Phänomen liege an den Flachwasserzonen am Rand des Sees, den so genannten Halden. In Überlingen oder Meersburg ist dieses Stück nur 20 Meter breit, bis es dann in die Tiefe geht. An den Flussmündungen sind die Flächen wesentlich grösser. „Für Spaziergänger ist das ein schönes Erlebnis“, sagt der Biologe. Laut Wolfgang Pfisterer, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst in Stuttgart, ist es mit der Trockenheit jedoch bald vorbei: Nass-kaltes Wetter sagt er für die kommenden Tage voraus – Regen in den tieferen Lagen und bis zu einem Meter Schnee in den Alpen.

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