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Kampfansage der Piraten

Piraten-Landessprecher Marc Fuhrken
Piraten-Landessprecher Marc Fuhrken ©VOL.AT/Steurer
Schwarzach - Vorarlbergs Piraten haben sich Strukturen verpasst. Im VN-Interview kritisiert Piraten-Landesvorstand Marc Fuhrken (41) die etablierten Parteien – und erklärt, warum die Piraten seiner Meinung nach eine Alternative sind.
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Vorarlbergs Piraten, mittlerweile 60 Personen stark, haben sich Freitagnacht Strukturen verpasst. Landesvorstand Marc Fuhrken (41) erklärt, was die Piraten wollen – und was ihnen an der etablierten Politik so gar nicht passt.

Vorarlbergs Piraten haben sich gegründet. Was ist jetzt Sache?

Fuhrken: Wir haben jetzt eine Landesorganisation, die nach den Statuten der Piraten-Partei Österreichs gegründet worden ist. Wir können nun 2013 in Österreich mit den gleichen Grundlagen in einen nationalen Wahlkampf einsteigen. Wir werden jetzt bundeseinheitliche Werte und Ziele definieren – und diese dann auf Landesebene in konkrete Forderungen umlegen.

Haben Piraten denn Werte?

Fuhrken: Wir haben einen Piratenkodex entwickelt. Ein zentraler Wert ist die Freiheit der persönlichen Meinung und ein wertschätzender Umgang mit Andersdenkenden. Wir haben uns die Menschen- und Bürgerrechte als Grundlage genommen.

Diese ‚Freiheit der persönlichen Meinung‘ hat bei den deutschen Piraten auch dazu geführt, dass Mitglieder rechtsextremes Gedankengut von sich gaben. Haben Vorarlbergs Piraten Platz für die Rechten?

Fuhrken: Nein, überhaupt nicht. Wir stehen grundsätzlich für die Integration verschiedener Gruppen, Kulturen und Meinungen. Alles Nationalistische, Radikale und Destruktive hat bei uns keinen Platz. Die deutschen Piraten lösen dieses Problem gerade, indem sie mit einer breit angelegten Kampagne sehr transparent dagegen vorgehen. Aber Tatsache ist auch, dass unsere freie Kommunikationskultur dazu einlädt, Dinge zu sagen, die man sich woanders nicht zu sagen traut. Meiner Meinung nach haben auch die anderen Parteien mindestens das gleiche Problem. Aber sie gehen damit nicht offensiv um.

Bleiben die Nationalratswahl 2013 und die Landtagswahl 2014 Ziele der Piraten?

Fuhrken: Ja. Wir möchten als Piratenpartei Österreich Abgeordnete sowohl im Nationalrat als auch in den Landtagen haben. Und warum? Weil die Entscheidungen der bekannten Politgruppen zu der Misere geführt haben, in der wir heute stecken. Wir haben heute eine völlige Überschuldung der Gemeinden bis hin zum Bund, wir haben eine große Chancenungleichheit bei Bildung und Ausbildung. Und wir haben eine Arbeitssituation der Menschen, die deren Existenz kaum noch sicherstellt. Wir wollen auch deutlich mehr Transparenz bei den Entscheidungen.

Sie als deutscher Staatsbürger haben allerdings bei Landtags- und Nationalratswahl weder das aktive noch das passive Wahlrecht.

Fuhrken: Derzeit bin ich nicht wählbar. Das stimmt (lacht). Aber wenn meine Partei möchte, dass ich für sie kandidiere, halte ich mir den Schritt offen, um die österreichische Staatsbürgerschaft anzusuchen. Ich lebe seit neun Jahren in Österreich. Ich bin mit einer Dornbirnerin verheiratet, wir haben zwei Kinder.

Wie erklären Sie sich den Erfolg der Piraten in Deutschland?

Fuhrken: Die Piraten trauen sich, Fragen zu stellen an die schon lange niemand mehr gedacht hat. Und sie versuchen, Antworten zu geben, die teilweise sehr idealistisch sind. Unsere Antworten greifen aber Wünsche und Bedürfnisse der Menschen auf. Das animiert viele, bei uns mitzumachen.

Das klingt pathetisch.

Fuhrken: Die Bedürfnisse der Menschen werden durch die Politik kaum noch befriedigt. Der kleine Mann wird zunehmend eingeschränkt und in seiner Freiheit geknebelt – und soll dafür immer mehr zahlen. Auf Dauer kann das nicht gutgehen.

Eine Frage können wir uns nicht verkneifen. Tragen Sie oft eine Augenklappe?

Fuhrken: (lacht) Nein, nur im Fasching. Mit unserem Wirken hat das nichts zu tun. Das ist eher eine Erwartungshaltung, die man da erfüllt.

Zur Person

Marc Fuhrken
Piraten-Landesvorstand, Landessprecher, Architekt und Produktmanager
Geboren: 19. Juni 1970, in Delmenhorst bei Bremen
Ausbildung: Architekturstudium in Oldenburg, Produktmanagement-Studium in Stuttgart; nun in Dornbirn als Produktmanager für Bausoftware beschäftigt.
Familie: verheiratet mit Birgit, zwei Kinder: Marlene (6) und Viktor (3), wohnhaft in Lustenau

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