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"Kabel-Lametta" hängt von der Decke und der berühmteste Kübel des Landes ist weg

Lokalaugenschein am Bahnhof Bregenz.
Lokalaugenschein am Bahnhof Bregenz. ©VOL.AT
Der Bregenzer Bahnhof steht im scharfen Kontrast zur weihnachtlichen Glanzzeit: Verschmutzung und maroder Zustand prägen das Bild.

Darum geht's:

  • Lokalaugenschein: Verschmutzung und maroder Zustand prägen den Bregenzer Bahnhof
  • Was ist mit dem berühmtesten Kübel des Landes geschehen?
  • "Kabel-Lametta" an den Bahnhofsdecken

Kurz vor Weihnachten, in der Zeit des Glanzes und der Freude, steht der Bregenzer Bahnhof im Kontrast dazu: Kabel hängen wie Lametta von den Decken, überfüllte Mistkübel und allgegenwärtige Verschmutzung prägen das Bild. Ein Lokalaugenschein von VOL.AT offenbart den desolaten Zustand des Bahnhofs, der eines Tages einem neuen weichen soll.

Am Donnerstagmorgen: Ein überfüllter Müllkübel bei der Bushaltestelle am Bahnhof. ©VOL.AT

Wo ist der blaue Kübel hin?

Der blaue Kübel hat es in den letzten Jahren, ja schon fast Jahrzehnten, zum berühmtesten Haushaltsgegenstand des Landes geschafft. Jetzt steht dort statt des Kübels eine grüne Abfalltonne. Passanten entsorgen dort natürlich ihren Müll und von der Decke tropft es hinein. Das ist offensichtlich dem Wetter geschuldet und schon fast ein innovativer Ansatz.

Der Kübel am Bregenzer Bahnhof hat schon österreichweit für Schlagzeilen gesorgt.
Wo ist der berühmteste Kübel des Landes hin?
Jetzt steht dort eine grüne Abfalltonne.

Ein Symbol für Vernachlässigung

Der Bregenzer Bahnhof, oft als der "hässlichste Bahnhof Österreichs" bezeichnet, bildet einen scharfen Gegensatz zu den schönsten Bahnhöfen des Landes, wie dem Feldkircher Bahnhof, der den VCÖ-Bahnhofstest gewann. Bei den größeren Bahnhöfen außerhalb der Landeshauptstädte schnitten andere Vorarlberger Bahnhöfe wie Rankweil, Hohenems und Lauterach gut ab. Bregenz hingegen blieb auf dem letzten Platz.

Auch sehr triste, aber zumindest sind die Temperaturen in der Schalterhalle erträglich.
Für Durchlüftung ist gesorgt und vermutich auch für steigende Energiekosten, ...
... was die WC-Anlagen betrifft.

Mehr erfahren -->> Der undichte Bahnhof und das geparkte Grundstück

Diese Bewertung spiegelt sich auch in Google-Bewertungen wider, die trotz einer durchschnittlichen Bewertung von 3,9 Sternen (309 Rezenssionen) oft sarkastische Kommentare über den maroden Zustand enthalten. Der Bahnhof, bekannt für sein leckes Dach und die omnipräsenten gelben und blauen Plastikkübel, die das durchsickernde Regenwasser auffangen, steht symbolisch für Vernachlässigung und Verfall.

In einem traurigen Zustand: der Bregenzer Bahnhof.
Die sichtbaren Kabel erinnern eher an die Infrastruktur in einem unterwickelten, armen Land.

Politische Debatten und Verzögerungen

Die Sanierung oder Erneuerung des Bahnhofs ist seit Jahren ein Thema politischer Debatten. 2019 wurde ein Umbau beschlossen, der jedoch durch einen Wechsel im Rathaus und neue Visionen von Bürgermeister Michael Ritsch verzögert wurde. Ritsch strebt eine umfassende Neugestaltung des Viertels an, einschließlich der Verlegung von Bahnhof und Straßenverkehr unter die Erde, um mehr Raum zu schaffen.

"Kabelsalat in Sicht": Was für ein Blick nach oben, wenn man mit der Rolltreppe hochfährt.

Ambitionierte Pläne

Diese ambitionierten Pläne stießen jedoch auf Widerstand. Landesrat Marco Tittler lehnt die kostspielige unterirdische Straßenführung ab und betont die Intaktheit der bestehenden Straße. Die grüne Vizebürgermeisterin Sandra Schoch und die ÖVP hingegen kritisierten die Vorgehensweise des Bürgermeisters und befürchten weitere Verzögerungen.

Nach der Rolltreppe geht's zum Übergang zum See bzw. den Gleisen.
Auch hier bietet sich den Menschen kein besseres Bild.

Trotz der Kontroversen und der tristen Gegenwart des Bahnhofs, gibt es Hoffnung. In einer seltenen Demonstration politischer Einigkeit haben die Verkehrssprecher der Landtagsfraktionen einen gemeinsamen Antrag zum Bahnausbau im Großraum Bregenz eingebracht. Die Zielsetzung ist klar: Keine oberirdische Gleiszulegung im dicht besiedelten Raum und entlang des Bodenseeufers. Die Landesregierung wird aufgefordert, den Start einer Arbeitsgruppe zur Findung der besten Variante voranzutreiben.

Ein Ambitioniertes Unterfangen

Der Antrag signalisiert den Beginn eines ambitionierten Projekts. Die Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der Gemeinden, des Landes, der ÖBB und des Klimaministeriums, soll einen ergebnisoffenen Prozess leiten. Der Fokus liegt auf zahlreichen Kriterien: Schutz der Anrainer vor Immissionen während der Bauphase, ein verbindlicher Klimacheck, Schutz der Grundwasserversorgung, minimale Eingriffe in Eigentumsrechte, sowie die Schaffung attraktiver Bedingungen für öffentlichen Verkehr und für Radfahrer und Fußgänger.

Abgang zu Gleis 4: Die Rolltreppe ist defekt.
Auch hier haben Menschen einfach ihre Knabbereien entsorgt, anstatt in einen Mülleimer zu werfen.

Der Ruf nach einem neuen Bahnhof

Ein zentrales Anliegen des Antrags ist eben der Bau eines neuen Bahnhofs in Bregenz. Dieser soll möglichst zeitnah realisiert werden, um längere Unterbrechungen des Bahnbetriebs zu vermeiden. Außerdem soll das freie Bodenseeufer erhalten bleiben – ein wichtiges Anliegen, insbesondere angesichts der hohen Kosten der revitalisierten Pipeline.

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VOL.AT
Ein symbolische Durchhalteparolle.

Lokale Unterstützung und Dringlichkeit

Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, die sich vor einem Jahr zur Interessengemeinschaft unterirdischer Bahntrassenausbau im Großraum Bregenz (IGUB) zusammengeschlossen haben, begrüßen den Landtagsantrag. Sie drängen jedoch auf eine beschleunigte Umsetzung. Bürgermeister Michael Ritsch betont die Notwendigkeit, die Baukriterien schnellstmöglich festzulegen und nicht auf die Entscheidungen der ÖBB bezüglich des Zielnetzes 2040 zu warten. (VOL.AT)

Mehr lesen -->> Schandfleck in der Landeshauptstadt

  • Im vierten "European Railway Station Index" des Consumer Choice Centers wurden Europas 50 größte Bahnhöfe nach Kriterien wie Fahrgasterlebnis, Erreichbarkeit, Sauberkeit und barrierefreiem Zugang bewertet. Der Hauptbahnhof in Zürich führt die Liste an, gefolgt vom neuen Wiener Hauptbahnhof und dem Hauptbahnhof in Berlin. Deutsche Bahnhöfe, bis auf Berlin und Frankfurt, schneiden mehrheitlich schlecht ab, mit Bremen als Schlusslicht.
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