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Junge Wilde

Jung, gutaussehend und voller kreativer Ideen – führt die Riege neuer CEOs in den Managementetagen vieler Luxusuhrenmarken die Industrie in ein neues Zeitalter? Eine Bestandsaufnahme.
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Der Umbruch begann im Jahr 2015, als Apple seine erste Smart Watch auf den Markt brachte und die „Millennials“ – die Generation, die in den 80er-Jahren bis zum Jahr 2000 geboren wurde – mit einem Mal einen erheblichen Einfluss auf die Uhrenindustrie bekam. Die Branche wurde nervös. Ein Jahr später verkündete Johann Rupert, Verwaltungsratspräsident von Richemont, dass er weniger grauhaarige Männer in den Top-Management-Etagen sehen möchte. Wie sich kurze Zeit später herausstellte, war das nur der Auftakt zu umfassenden Umstrukturierungsmaßnahmen innerhalb des Konzerns. Rupert ernannte Jérôme Lambert zum neuen Unternehmenschef von Richemont. Zuvor war der 49-jährige Top-Manager jeweils CEO von Montblanc, Jaeger-LeCoultre und A. Lange & Söhne. Seit knapp zwei Jahren ist er nun als Chief Operating Officer für das operative Geschäft des Konzerns verantwortlich – mit Ausnahme der Schmuckmarken Cartier und Van Cleef & Arpels. Neben dieser personellen Neuerung veränderte sich auch das Portfolio. Unrentable Marken wurden aussortiert sowie kräftig in die Übernahme der Online-Plattformen Yoox/Net-a-porter investiert. Es folgte der Austausch weiterer „Grauschöpfe“: Catherine Rénier, 43, wurde zum CEO von Jaeger-LeCoultre und Geoffroy Lefebvre, 41, zum Chef von Baume & Mercier. Am Rande sei erwähnt, dass Rénier neben der 44-jährigen Chabi Nouri, die im April 2017 zum CEO von Piaget ernannt wurde, die zweite weibliche Topmanagerin bei Richemont ist.

Macht der Jugend. Jung ist auch Christoph Grainger-Herr, der mit gerade mal 40 Jahren die Geschicke bei IWC leitet. Bei Vacheron Constantin durfte Louis Ferla, 43, das Ruder in die Hand nehmen. In einer traditionsreichen Industrie, in der die CEOs meist männlich und gut über 50 Jahre alt sind, blieb der Trend, junge Köpfe an die Spitze zu setzen, nicht nur auf die Richemont-Gruppe beschränkt: So gab Kering bekannt, dass Patrick Pruniaux, der CEO von Ulysse Nardin, nun auch gleichzeitig Geschäftsführer von Girard-Perregaux wird. Der 46-Jährige, der einst maßgeblich an der Entwicklung der Apple Watch mitarbeitete, ist nun für zwei der traditionsreichsten Luxusuhrenmarken verantwortlich. Bei LVMH gab es ebenfalls eine personelle Änderung: Julien Tornare, 46, übernahm das Zepter bei Zenith. Bei Omega trat 2016 der heute 48-jährige Raynald Aeschlimann das Erbe von Stephen Urquhart an, der sich in den Ruhestand verabschiedete. Zwei andere Marken der Swatch Group trotzen dem Verjüngungstrend: Seit über 30 Jahren führt Walter von Känel (Jahrgang 1941) erfolgreich Longines. François Thiébaud kam 1996 zu Tissot und ist ebenfalls über dem Rentenalter. Unter der Ägide der zwei Herren haben sich die beiden Unternehmen zu den fünf umsatzstärksten Schweizer Uhrenmarken entwickelt.

Neues Uhren-Zeitalter
Unabhängig von der individuellen Ausrichtung der Marke erscheint es wahrscheinlich, dass diese jungen CEOs das Gesicht der Uhrenindustrie nachhaltig beeinflussen werden, was unter anderem Vertriebskanäle, Produktdesign und Kommunikation betrifft.

Generationswechsel. Die Herausforderung, der sich die Uhrenindustrie heute gegenüber sieht, rührt von einer veränderten Einstellung, bedingt durch einen Generationswechsel: Der Uhrenkäufer von heute ist jung, internetaffin, weniger markenloyal und preisbewusst. „Viele Kunden suchen ein Stück, das wandelbar ist und zu vielen Gelegenheiten getragen werden kann“, so Juwelier Rudi Präg aus Dornbirn. Global betrachtet sitzt ein Großteil der Kunden in China. Kein Wunder, dass die traditionelle Uhrenindustrie nach einem Rezept sucht, um in einem stark konkurrierenden Markt langfristig erfolgreich zu sein. Die „Verjüngungskur“ im Management war nur ein Schritt in diese Richtung. Der Gedanke hinter der personellen Umstrukturierung: Wer selbst aus dieser oder einer ähnlichen Generation kommt, hat das Gespür für kaufrelevante Faktoren und Bedürfnisse der Zielgruppe. Das Alter der CEOs ist letztlich nebensächlich, vielmehr geht es um die Fähigkeit, sich in das veränderte Konsumentenverhalten einfühlen zu können bzw. die Erwartungen zu bedienen. Einige der neuen Topmanager haben sich dazu schon ihre Gedanken gemacht. Für die jüngere Zielgruppe braucht es Produkte, die die Herkunft der Marke mit modernen Erwartungen verbinden. Ein Faktor ist die Preisgestaltung, verbunden mit der Hoffnung, dass sogenannte Einstiegsmodelle später zum Kauf von teureren Uhren führen.

Neue Vertriebsmethoden. Neben der Preispolitik ändern sich zudem die Vertriebskanäle. Bei IWC nutzte Christoph Grainger-Herr seinen Instagram Account für den Verkauf einer exklusiven Big Pilot Safari aus Titan zum Preis von 16.775 US-Dollar. Und Omega-Chef Raynald Aeschlimann bot 2017 die limitierte Retroserie Speedy Tuesday für 5400 Euro über Instagram an. Binnen vier Stunden war sie ausverkauft. In den letzten fünf Jahren hat sich, was die Social-Media-Plattformen sowie generell den E-Commerce betrifft, vieles verändert. Es werden neue Vertriebskanäle angezapft. Juwelier Rudi Präg sieht den wachsenden E-Commerce als Ergänzung: „Es gibt mittlerweile sehr viele unterschiedliche Plattformen. Diese ersetzen aber nicht die Beratung und den Service, den ein Fachgeschäft bietet. In einem persönlichen Gespräch können wir gemeinsam mit dem Kunden die passende Uhr finden. Auch die Möglichkeit, verschiedene Zeitmesser vor Ort anprobieren zu können, vermittelt dem Kunden das Gefühl, sich am Ende für die richtige Uhr entschieden zu haben.“

Mechanisches Herz. Auch der Bereich der Uhreninnovationen bietet für die jungen CEOs ein großes Betätigungsfeld mit Potenzial – es geht dabei um begehrenswerte mechanische Neuerungen. Die Mechanik ist im wahrsten Sinne das Herz des Erfolgs. Gegenüber elektronischen Uhren haben mechanische den Vorteil, dass ihre Technik nicht mehr veralten kann, eben weil sie – vom technischen Standpunkt her nüchtern betrachtet – schon veraltet ist. Während der Käufer einer Smartwatch damit rechnen muss, dass seine Uhr nach zwei Jahren nicht mehr dem aktuellen technischen Stand entspricht, gilt das für eine mechanische Uhr nicht. Sie kann nach Jahrzehnten noch repariert werden. Dieser Umstand sorgt dafür, dass sie ihren Wert behält oder sogar übersteigt, wie im Fall von bestimmten Sammelobjekten. „Bei guter Pflege und der entsprechenden Handhabung kann ein mechanisches Uhrwerk Generationen überdauern“, ergänzt Präg. In Anlehnung an die seit über 20 Jahren propagierte Werbekampagne von Patek Philippe wird sie somit für die nächste Generation aufbewahrt – ist das nicht ein schöner Gedanke?

Wertbeständig über Generationen
Eine mechanische Uhr kann nach Jahrzehnten noch repariert werden. Dieser Umstand sorgt dafür, dass sie ihren Wert behält oder sogar übersteigt, wie im Fall von Sammelobjekten. Bei guter Pflege und entsprechender Handhabung kann sie so Generationen überdauern.

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