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Julia Koschitz' "Gratwanderung" im Mysterydrama "Souls"

Die Schauspielerin setzt stets auf gute Vorbereitung
Die Schauspielerin setzt stets auf gute Vorbereitung ©APA/dpa
Allie hat es nicht leicht: Die von Julia Koschitz dargestellte Figur erlebt in der neuen Sky-Mysteryserie "Souls" denselben Tag wieder und wieder, was auch bedeutet, dass sie mit dem Tod ihres Mannes Leo fertig werden muss. Und doch ist ihr Schicksal nur eines von vielen, die in den acht Episoden auf drei Zeitebenen miteinander verknüpft sind. Mit der APA sprach Koschitz über den Reiz dieser Erzählweise, Extremsituationen und das Loslassen.

APA: Die Geschichte von "Souls" ist durchaus komplex. Was hat Sie daran und auch der besonderen Erzählweise interessiert?

Julia Koschitz: Es war die Qualität der Bücher, die mich sofort überzeugt hat. Und dass es übergreifend in der gesamten Geschichte um universelle Themen geht, mit denen wir alle zu tun haben: mit Verlust, Loslassen, Liebesverbindungen in unterschiedlichen Konstellationen; mit der Frage, wer wir sind und was mit uns nach dem Tod passiert. Das hat mich bei der ganzen Komplexität der Geschichte am meisten gepackt. Und in die Figur Allie habe ich mich sofort verliebt.

APA: Ihr begegnen wir in einer ganz speziellen Situation, befindet sich Allie doch in einer Zeitschleife. Im Unterschied zum Rest spielt bei ihr Humor eine größere Rolle, obwohl sie mit dem Tod ihres Partners einen großen Schicksalsschlag erleidet. Wie hat sich das auf Ihr Spiel ausgewirkt?

Koschitz: Genau das hat mich gereizt: Dass wir einen Menschen in einer Extremsituation erleben, der gegen diesen existenziellen Verlust ankämpft, in dem sie ihn tagtäglich aufs Neue davon abhalten will, in dieses Flugzeug zu steigen, von dem nur sie weiß, dass es abstürzen wird. Und dass diese Figur nie sentimental wird, sondern an sich selbstironisch ist und die ganze Geschichte auch mit Humor erzählt wird. Diesen Genremix zwischen Drama und Komödie fand ich wahnsinnig reizvoll. Schauspielerisch war das für mich eine schöne Herausforderung, weil klar war, dass ich es mit zwei sehr unterschiedlichen Energien zu tun habe: der distanzierten Ironie und dem Drama dieser Figur, das absolut glaubwürdig sein muss.

APA: Wie stellt man sicher, dass es bei Erzählelementen wie Zeitschleifen, Seelenwanderung oder Reinkarnation einerseits und den humorvollen Momenten andererseits nicht ins Klischeehafte kippt?

Koschitz: Ich hatte einen guten Regisseur, einen sehr guten. Für mich war ganz klar, dass ich mich um die Glaubwürdigkeit der Verzweiflung und den bodenlosen Fall dieser Figur kümmern muss. Man arbeitet in solchen Szenen mit anderen Mitteln, im Gegensatz zu den sehr rhythmischen und mit viel Voiceover bestückten komödiantischen Szenen. Da war das unglaublich gute Auge von draußen, also das von Regisseur Alex Eslam unerlässlich. Er hat sehr genau gewusst, was er will und wie er mich in dieser Gratwanderung führt.

APA: Allies Schicksal beschränkt sich nicht nur auf die Vergangenheit, wir begegnen ihr auch in der Gegenwart und Zukunft. Wie herausfordernd waren diese Wechsel ganz konkret beim Dreh?

Koschitz: Diese Wechsel passieren oft am selben Tag, es wurde wie überall querbeet gedreht. Letztlich ist es eine Frage der Vorbereitung, die wir intensiv zusammen mit dem Regieduo Alex Eslam und Hanna Maria Heidrich machen konnten. Daher wussten wir auch ziemlich gut, was am jeweiligen Tag gefordert war und was die beiden mit der jeweiligen Szene erzählen wollen. Das ist ein Garant dafür, dass man a) keine blöden Fragen stellen muss und b) sich auf seinen Partner oder Partnerin und die Situation einlassen kann. Es soll ja lebendig und echt und spannend werden. Das ist meistens der Fall, wenn etwas passiert, was man nicht geplant hat, was nicht vorhersehbar ist. Und der Boden dafür ist eine gute Vorbereitung.

APA: Wie stehen Sie den Themen von "Souls" denn persönlich gegenüber? Haben Sie sich intensiver damit beschäftigt?

Koschitz: Nein, weil es Themen sind, mit denen ich mich immer schon beschäftigt habe - wahrscheinlich wir alle. Ich finde die Frage um unser Sein, wer wir sind und sein wollen und dass wir letztlich nie erfahren werden, warum wir hier sind und trotzdem das Beste daraus machen sollten, so spannend, dass ich mich immer stark damit auseinandersetzen werde. Wenn, dann habe ich mich eher konzentriert auf den Aspekt des nicht Loslassenkönnens - Allies großes Thema.

APA: Wie philosophisch kann ein Unterhaltungsformat grundsätzlich sein, wie viel kann man dem Publikum zumuten?

Koschitz: Meine Sehnsucht danach ist groß. Mich interessieren sowohl als Zuschauerin wie auch als Schauspielerin Projekte, die auf der einen Seite natürlich versprechen, unterhaltsam zu sein. Und mich aber gleichzeitig intellektuell herausfordern oder mir neue Frage stellen, wo ich vielleicht sogar was Neues lernen kann. Wenn es gut gemacht ist, kann man dem Publikum einiges zumuten, davon bin ich überzeugt. Ich gehe davon aus, dass viele Leute Lust darauf haben, sich mit Themen auseinanderzusetzen, auf die es nicht nur eine klare Antwort gibt.

APA: Gibt es eine Geschichte, die Sie gerne spielen würden, bis jetzt aber nicht die Gelegenheit dazu hatten?

Koschitz: Hätte ich die Geschichte, würde ich sie schreiben, oder besser schreiben lassen und dann selber machen, unbedingt! Was ich aber sagen kann: Diese Form von Genremix und in diese Extreme zu gehen, wie ich es bei Allie durfte, würde mich weiter interessieren. Da ist noch nicht alles ausgereizt.

APA: Was lernt man denn da vielleicht auch neu am eigenen Tun?

Koschitz: Jetzt wollte ich sagen: Auch "loslassen können". (lacht) Ich finde es grundsätzlich attraktiv, wenn man zu sich selbst eine gewisse selbstironische Distanz entwickeln kann. Wenn man ein eher emotionaler Mensch ist, ist diese Außensicht hilfreich, wenn auch nicht immer leicht. Beim Spielen kann das Emotionale schnell sentimental werden, was ich eher schrecklich finde.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

(S E R V I C E - )

(APA)

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